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in inniger Mensch sammelt sich schnell wieder, weil er sich nie so ganz zerstreut und verliert in das Aeußere; wer nicht weit aus- iF geht, hat nicht weit heim. Thomas a. Kempis.
(Nachdruck verbotene
Schuldig.
Erzählung von F. Arnefeldt.
(Fortsetzung.)
Hans Helldorf antwortete nicht, sondern ging auf dem den ganzen Fußboden bedeckenden, den Schall seiner Schritte völlig dämpfenden orientalischen Teppich langsam und mit gesenkter Stirn auf und ab. Adalbert hatte den Kopf in die Hand gestützt und verfolgte mit tröst- und hoffnungsloser Miene jede Bewegung des Bruders. Endlich blieb dieser vor ihm stehen, legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte:
„Ehe ich Dir auf Deine Frage antworte, richte ich noch eine an Dich: Warum bist Du nicht zu mir gekommen?"
Adalbert schaute zu ihm auf, als ob ihm die Bedeutung dieser Worte nicht ganz klar wäre, und Hans setzte hinzu:
„Du besitzest einen Bruder, der, wie Du weißt, über weit mehr Mittel verfügt, als er für sich gebraucht. War eS da nicht natürlicher, daß Du in Deiner Verlegenheit zu ihm kämest, als Du Dich einem Wucherer in die Hände gabst oder nach dem sehr gefährlichen'Auskunftsmittel des Spieles griffest? Ist Dir denn dieser Gedanke nie aufgeftiegen?"
Adalbert wurde blutrot, senkte die Blicke zu Boden und stammelte: „Ich habe wohl daran gedacht, aber, sieh — Hans, es ist zwischen uns solch ein Unterschied, und — und —"
Er suchte nach Worten. Hans wußte wqhl, daß die Einflüsterungen der Stiefmutter das Herz des Bruders mit Mißtrauen gegen ihn erfüllt hatten und, feinfühlig, wie er war, wollte er ihm ein solches Geständnis ersparen.
„Ich verstehe Dich!" rief er, „aber laß es künftig anders zwischen uns sein. Willst Du mir das versprechen?"
Er hielt ihm die Hand hin, und fest und innig legte Adalbert die seiuige hinein.
„Und jetzt höre, was ich für Dich thun will — etwas, das mir weit schwerer wird, als wenn ich eine sehr große Geldsumme für Dich opferte — etwas, das ich noch nie ge- than habe und thun zu müssen hoffentlich nie wieder in die
Lage kommen werde — ich werde unserem Vater die Unwahrheit sagen".
„Hans".
„Ich sehe ein, daß Du ihm nicht das Geständnis machen kannst, Du seiest in einer Spielhölle gewesen,- Du sollst aber bei ihm auch nicht für einen Dieb gelten; ich werde also zu ihm gehen und ihm sagen, ich habe Dir das Ehrenwort abgenommen, niemand etwas davon zu sagen".
„Hans, Hans, das willst Du für mich thun!" rief Adalbert.
„Für Dich und für unseren Vater, dem ich durch diesen Wahn, der niemand schadet, die Ruhe wiederzugeben hoffe, und damit die fromme Lüge doch den Anschein der Wahrheit gewinnt, nimmst Du jetzt wirklich die Summe von mir, die Du dem Wucherer bezahlt hast", schloß er mit einem Lächeln.
„O, Haus, Hans, Du bist unsäglich gut,. Du sammelst feurige Kohlen auf mein Haupt!" rief Adalbert und warf sich in des Bruders Arme. Dieser strich ihm liebkosend über das dunkle Haar.
„Sind wir nicht Kinder desselben Vaters? Tragen wir nicht denselben Namen?" fragte er. „Glaube mir, mein Adalbert, ich hege für Dich und unsere Schwester die innigste Liebe und empfinde es schmerzlich und wie ein Unrecht, daß mir von Glücksgütern soviel mehr zugefallen ist als Euch".
„Nun, wir find ja auch nicht gerade zu kurz gekommen", bemerkte Adalbert, bei dem ganz leise das eigentliche sorglose Naturell schon wieder zum Vorschein kam.
„Das seid ihr allerdings nicht", lachte Hans, „Tausende und Abertausende dürfen euch beneiden. Ach, die Menschen glauben ja, wenn man nur Geld hat, so sei man gefeit gegen alle Leiden und Schmerzen des Lebens".
Er sagte das mit einem so traurigen Ausdruck, daß Adalbert seine beiden Hände ergriff und voll Teilnahme sagte:
„Armer Hans, beharrt denn Aurelie noch immer auf ihrem Entschluß?"
Hans antwortete nur durch einen Seufzer.
„Aber ist das nicht eine Thorheit?" —
„Ich kann es von ihrem Standpunkt aus nicht so nennen".
„Ach, bah! Wer wird denn dem elenden Mammon eine solche Herrschaft einräumen!" rief Adalbert, der schon zu vergessen begann, wie er sich soeben erst noch unter dieser Herrschaft gekrümmt hatte. „Ich an Deiner Stelle besorgte ganz in der Stille den Aushang am Raihauie und brächte sie eines Tages unversehens nach dem Standesamt. Einmal dort würde sie ja wohl nicht nein sagen".


