Ausgabe 
17.8.1899
 
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der verpflichtet sich einander auf gute und böse Tage, nicht wahr? Wenn ich im Dienste erkrankt wäre, so würden Sie sich meiner angenommen haben. Nun war mir das Glück so günstig, daß ich Ihnen den ersten Dienst leisten durfte, und unter günstigeren Umständen, als da draußen. Ich wohne sehr hübsch, finden Sie nicht? Das Haus liegt im neuen Teil von Eskischehr- im europäischen Mertel, das sich erst seit dem Bahnbau entwickelt hat."

Sehr hübsch," antwortete Olaf zerstreut und fuhr fort, mit einer gewissen teilnehmenden. Neugier seinen Wirt, der sich zum erftenmale in eine längere Unierhaltung mit ihm eingelassen hatte, zu betrachten.

Es ist merkwürdig," meinte er,Ihre Stimme, Ihre ganze Redeweise erinnert mich an jemand, und soviel ich darüber nachdenke, ich weiß nicht an wen."

Vielleicht sind Sie früher mit Landsleuten von mir zusammengetroffen."

Möglich. Sind Sie schon lange aus Ihrer Heimat fort?"

Mehr als sechs Jahre."

Olaf fragte nicht weiter. Er wußte zur Genüge, daß die Leute, die man hier vaterlandslos, namenlos, nach Arbeit suchend, um ihre Existenz kämpfend, antraf, gewöhnlich nicht freiwillig aus der Heimat geschieden waren, daß sie an die Vergangenheit nicht gemahnt sein wollten, daß man sie nehmen mußte, wie sie heute waren, ohne dem Gestern nachzuforschen.

Nach und nach, wie es der Zufall gerade mit sich brachte, hörte Olaf dann doch Verschiedenes aus dem Vor­leben seines Wirtes, jedoch immer nur aus den letzten sechs Jahren. Leonidas, er machte kein Hehl daraus, daß dies nur ein angenommener Name sei, war mittellos in die Türket gekommen- er hatte sich dort durchgeschlagen mit seiner Hände Arbeit, wie ein Taglöhner,hart genug, wenn man nicht daran gewöhnt ist," schaltete er ein. Was war er nicht alles gewesen! Eseltreiber, Schreiber, Wasser­verkäufer, Krankenwärter, Kellner, Fremdenführer,- später, als er sich die einheimischen Sprachen einigermaßen zu eigen gemacht hatte, auch Dolmetsch. Immer waren es vorüber­gehende Anstellungen, auf Wochen, manchmal nur auf Tage. Häufig brach er, den körperlichen Anstrengungen nicht ge­wachsen, nach kurzer Frist zusammen. Wenn es sich günstig traf, wurde er ins Hospital geschafft- wenn nicht, nun, dann blieb es dem Zufall überlassen, ob er wieder auf die Beine kam oder nicht.Dabei altert man rasch, immer zwischen Krankheit, Sorge, Not und Ueberanstrengung. Für wie alt halten Sie mich?"

Vierzig," rief Olaf und glaubte, niedrig gegriffen zu haben.

Neunundzwanzig," sagte der andere.Den Rest haben mir schließlich die Meerschaumgruben gegeben. Ich hörte, daß in den Minen arbeiten dürfe, wer wolle, gegen einmalige Entrichtung einer kleinen Steuer an die Regierung. Ich hatte mir das Geld zusammen gespart und wollte nun mein Glück machen, wie die Goldgräber in Kalifornien. Ich kroch also in die Minen unter beständiger Lebensgefahr. Man geht dahin auf eigene Rechnung, aber auch auf eigene Verantwortung. Für die persönliche Sicherheit ist nichts, gar nichts gethan. Nun, das Leben hat mich der Versuch nicht gekostet- allein meine Kräfte und meine Widerstands­fähigkeit hatte ich gewaltig überschätzt. Ich wandte mich zunächst um Arbeit an den Herrn Oberingenieur - der mochte mir Wohl nicht recht trauen- ich nehme ihm das auch nicht übel. Schließlich brachten mir die Kennt« sie, die ich mir in den Gruben erworben, doch Nutzen. Herr C der den ganzen Meerschaumhandel in den Händen hat, stellte mich an. So kam ich zum erftenmale wieder in geordnete Verhältnisse, hatte eine bescheidene, aber sichere Existenz."

Armer Mann!" flüsterte Olaf bewegt.

O, mir geht es ganz gut!" entgegnete Leonidas in verändertem Tone.Sehr gut! Ich hätte auch kam eine

Veränderung erstrebt, wenn nicht gerade Sie gekommeü wären."

So angenehm, wie hier, werden Sie es bei uns nicht finden," meinte Olaf.Ich wundere mich fast, daß Sie sich zu dem Tausche entschlossen haben."

Das Geschäft in Meerschaum geht jetzt nicht gut- und Ihr Name zog mich, Herr Nansen, Ihr Name!"

(Schluß folgt.)

Kefrmdheitspflege.

Die Zähne vei Rauchern. In einer imWeekly Dentist" erschienenen Abhandlung über den Einfluß des Tabakrauchens auf die Zähne wird hervorgehoben, daß er­fahrungsgemäß die Zähne bei Rauchern sich länger unbe­schädigt zeigen als bei Nichtrauchern. Ferner wurde durch bakteriologische Untersuchungen festgestellt, daß die Spaltpilze der Mundhöhle durch den Tabakrauch unschädlich gemacht werden. Auch die Entwicklung der Bazillen der Cholera, des Milzbrandes und der Lungenentzündung wird durch den Tabakrauch verhindert oder wesentlich gehemmt. Mit Mäßig­keit geübt kommt also dem Rauchen eine große hygienische Bedeutung zu.

Gesimdheitsgefährttches Eis. Turch Untersuchungen im kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin ist festgestellt worden, daß das in Berlin zu wirtschaftlichen Zwecken in den Handel kommende Eis selbst bei gutem Aussehen in ihrer Ent­wicklungsfähigkeit nicht veränderte gesundheitsgefährliche Klein­lebewesen enthält. Es ist dadurch wahrscheinlich geworden, daß die häufiger beobachteten Krankheiten nach dem Genuß von Getränken, welche durch Hineinwerfen von Eisstückchen gekühlt wurden, weniger durch die Kälte der Getränke, als durch die im Eise vorhandenen Krankheitserreger verursacht sind. Dieselben Nachteile können durch feste Nahrungsmittel, z. B. Butter, welche durch Liegen auf solchem Eise gekühlt worden, entstehen. Diese Beschaffenheit des Eises wird, wenn man darauf untersucht, auch anderwärts ermittelt werden können, und man kann daher die Warnung des Berliner Polizeipräsidenten vor dem Genuß von Getränken und anderen Nahrungsmitteln, welche in der vorerwähnten Weise mit Eis gekühlt worden sind und deshalb gesundheitsgesährlich sein können, nur zur Beherzigung empfehlen.

Vermischtes.

Chemische Zusammensetzung nnv Nährwert der verschiedenen Käsetorten. Obgleich zugunsten des Nähr­wertes der Käse schon vieles von wissenschaftlicher Seite ge­schrieben wurde, so ist die chemische Zusammensetzung, auf die es hauptsächlich dabei ankommt, durchaus nicht so einfach festzustellen. Einen beachtenswerten Versuch nach dieser Rich­tung hat Balland neulich der Pariser Akademie der Wissen­schaften vorgelegt. Danach bestehen die gewöhnlichen Kuh käse bis zu vier Fünftel aus Wasser, in den übrigen Teilen sind die stickstoffhaltigen Substanzen etwas reichlicher v:r- treten als die Fettstoffe- Umgekehrt enthalten die sogenannten Sahnenkäse, z. B. der Neuschateler, mehr Fett als Stickstoff, und das Wasser ist nur zu 50 bis 60 Prozent vertreten. Beide Käsearten geben bei der Verbrennung nur eine geringe Menge von Asche. Die schwachgesalzenen Käse sind etwas fester, besitzen weniger Fett und hinterlassen bei der Ver­brennung etwas mehr Asche. Die weichen gesalzenen Käse haben 30 bis 50 Prozent Wasser und 4 bis 5 Prozent Aschengehalt. Die Fett- und Stickstoffbestandteile sind bei diesen Sorten wechselnd vertreten: beim Burgunderkäse, Münsterkäse, Fromage de Brie und ähnlichen sind die Fette überwiegend, beim Savoyerkäse die Stickstoffsubftanzen, beim Camembert halten sich beide die W-ge. Die Käse, die aus