Donnerstag den 17. August
BBf
rir
sin
er Erde köstlichster Gewinn Ist frohes Herz und reiner Sinn.
Sewffie.
fNachdruck verboten.f
Die Sünden der Väter.
Roman von Osterloh.
(Fortsetzung.)
In der Umgegend wurde ein Wagen aufgetrieben, und nach langer beschwerlicher Reise gelangte Olaf glücklich nach Eskischehr. Er hatte die ganze Fahrt im Halbschlummer zurückgelegt, gedankenlos, mit geschlossenen Augen.
Der Arzt, bet dem er vorsprach, war nicht zu Hause. Olaf hinterließ, daß er ihn im Hotel aufsuchen möge. Dann fuhr er zu seinem Vorgesetzten, um sich zu melden und Bericht zu erstatten.
„Wie sehen Sie aus!" rief dieser ihm schon von weitem entgegen, erschrocken über Olafs Erscheinung. „Sie gehören ins Bett, mein Lieber, und das so schnell wie möglich."
Olaf erklärte in kurzen Worten, daß sein schlechtes Befinden allerdings die Hauptursache seines Herkommens sei, und daß er den Arzt bereits ins Hotel bestellt habe.
„Ins Hotel?" meinte bedenklich der Obertngenieur. „Am liebsten behielt ich Sie gleich bei mir."
„Nein, nein!" wehrte Olaf ab. „Ich will Ihnen nicht das Fieber ins Haus bringen. Ich möchte gerne noch etwas mit Ihnen besprechen, das mir sehr am Herzen liegt; die andere Ursache meiner Reise. Karadin ist gestorben. Wüßten Sie mir nicht einen Ersatz für ihn? Bei uns ist niemand, der die nötigen Kenntnisse besäße und zugleich vertrauenswürdig ist. Es geht viel durch seine Hände- Sie kennen ja die Stellung. Der Mann muß praktisch und energisch sein und vor allem umfassende Sprachkenntnisse haben."
Der Oberingenieur saun einen Augenblick nach. „Ich werde mir's überlegen. Vorderhand machen Sie, daß Sie gesund werden- dann wird sich mit der Zeit schon etwas finden."
„Vergessen Sie es ja nicht."
„Gewiß nicht. '— Da fällt mir ein — das wäre am Ende etwas für Sie. Vor einem Jahre oder länger bestürmte der Mann mich um Anstellung, aber er arbeitete
damals in den Meerschaumgruben, und mit der Gesellschaft, die sich da zusammenfindet, mag man sich nicht gern befassen. Ich wies ihn wiederholt ab und verlor ihn schließlich aus den Augen. Vor kurzem traf ich ihn nun zufällig wieder bei Herrn C., der das ganze Meerschaumgeschäft in den Händen hat. Ich erfuhr, daß dieser ihn in seinem Bureau beschäftigte und sehr zufrieden mit ihm sei. Man könnte ja anfragen, ob er gewillt wäre, diese Stellung gegen eine bei uns einzutauschen. Ich würde ihn in diesem Fall direkt an Sie weisen, Herr Nansen- aber erst, wenn Sie sich erholt haben, nicht wahr?"
„Nein, nein, sobald als möglich," drängte Olaf. Eine krankhafte Unruhe, alles zu ordnen und zu erledigen, quälte ihn. Erst, nachdem dies geschehen, würde er Muße finden, an sich zu denken, sich zu erholen, zu gesunden.
„Was für ein Landsmann ist der Mensch?" erkundigte er sich noch.
Der Oberingenieur zuckte mit den Achseln. „Wo er herstammt, weiß ich nicht. Wir haben seinerzeit französisch zusammen gesprochen- mit Herrn C. sprach er deutsch; und des Englischen ist er ebenfalls mächtig. Fragen Sie ihn nur selbst- und dann, mein lieber Nansen, kurieren Sie sich gründlich aus, ehe Sie uns verlassen."
Olaf war noch nicht lange im Hotel, als sich der Besprochene bet ihm melden ließ.
Er möge hereinkommen.
Ohne sich vom Divan, auf der er sich ausgestreckt hatte, zu erheben, prüfte Olaf nach kurzem Gruße den Eintretenden. Er glaubte sich in der wechselvollen und verantwortlichen Thätigkeit der letzten Jahre Menschenkenntnis genug erworben zu haben, um die passende Wahl zu treffen. Der Mann, der da vor ihm stand, lang, hager, mit scharfen Zügen, die ein hartes Schicksal mit ehernem Meißel in das nicht unschöne Gesicht eingegraben zu haben schien, würde ihm int zivilisierten Westen vermutlich nicht sonderlich einnehmend vorgekommen sein. Hier machte man andere Ansprüche. Der energische Mund, von einem schwarzen, leicht ergrauenden Bart, halb überdeckt, die düsteren, tiefliegenden Augen, das feste, kurz angebundene Benehmen des Fremden mißfielen Olaf nicht. Er erkundigte sich nach dessen Sprachkenntnissen und übrigen Fähigkeiten, und ob er überhaupt Lust habe, die Stellung bei ihm anzunehmen.
„Das kommt auf Ihre Bedingungen an/ meinte der Mann, nachdem die gewünschte Auskunft zu Olafs Zufriedenheit ausgefallen war. Die Stimme klang im Gegensatz zu der ganzen Erscheinung angenehm, fast weich.


