1899.
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ifju’, was jeder loben müßte, ' Wenn die ganze Welt es wüßte, Thu' es, daß es niemand weiß, Und gedoppelt ist sein Preis.
Rückert.
Nachdruck verboten.
Schuldig.
Erzählung von F. Arneseldt.
(Fortsetzung.)
Ein lauter durchdringender Schrei — ein Schrei, als habe ein Mensch plötzlich und unversehens einen tötlichen Stoß erhalten, unterbrach hier den Kommerzienrat. Adalbert war zurückgetaumelt, mit der einen Hand hielt er sich an dem hinter ihm stehenden Stuhl, die andere streckte er abwehrend von sich. Sein Gesicht war totenbleich, die Augen hatten einen Blick wie ein sterbendes Wild, die Lippen bebten und bemühten sich vergeblich, Laute hervorzubringen- endlich sagte er mühsam:
„Das — das glaubst Du von mir?"
„Ich glaube es nicht, sondern weiß es leider!" entgegnete der Kommerzienrat traurig. „O, Adalbert, ich habe in meinem Leben manches Schwere, manches Bittere erfahren, das — das ist das Schwerste von allem! Mein Sohn! Mein Sohn — ein Dieb!"
„Nenne mich nicht so! Ich bin es nicht!" rief Adalbert es klang beinahe gebieterisch, und hochaufgerichtet stand er da.
„Du hast noch die Stirn zu leugnen?"
„Weil ich ein reines Gewissen habe. Was bringt Dich nur auf einen solchen Verdacht, auf eine solche Beschuldigung?"
„Was mich darauf bringt? Das soll ich Dir wirklich noch sagen?" fragte schneidend der Vater. „Du wüßtest nicht, daß mir aus meinem Geheimfach dreitausend Mark entwendet sind?"
Adalbert fuhr entsetzt auf.
„Dir ist Geld entwendet? Dort aus Deinem Geheimfach?"
Er zeigte mit der ausgestreckten Hand nach einer bestimmten Stelle in der Täfelung der Wand.
„Spiele doch nicht den Erschreckten, den Ueberraschten!" lachte bitter der Kommerzienrat. „Deine Handbewegung hat Dich verraten. Du weißt, wo das Geheimfach sich befindet".
„Das stelle ich keinen Augenblick in Abrede. Du hast es oft genug in meiner Gegenwart geöffnet", antwortete Adalbert mit größerer Ruhe.
„Ja, ich habe vor meiner Frau und meinen Söhnen nie ein Geheimnis aus dem verborgenen Wandschrank gemacht!" stöhnte der Kommerzienrat, „ich schenkte ihnen das vollste Vertrauen, und so ist es mir gelohnt worden!"
„Aber ich bin es nicht gewesen! Ich schwöre es Dir, Vater —"
„Still!" herrschte ihn Helldorf an. „Willst Du etwa Deine Mutter oder Deinen Bruder Hans beschuldigen?"
„Nein, Vater, o Gott, nein, nein!"
„Einer von Euch dreien mußte es aber gewesen sein, da die Diener den Mechanismus nicht kennen, und sonst niemand Zutritt zu diesem Zimmer hat", sagte der Kommerzienrat, „und Du mußt doch selbst zugeben, daß, abgesehen von allem andern, weder meine Frau noch Hans Veranlassung gehabt hätten, sich an dem Geld? zu vergreifen".
„Es muß doch noch ein anderer darum gewußt haben", sagte Adalbert kopsschüttelnd.
„Willst Du mir mit dem großen Unbekannten kommen?" lachte ingrimmig der Kommerzienrat. „Adalbert, so sieh doch ein, daß Dein Leugnen ganz unsinnig ist, daß Dir nichts helfen kann als ein reumütiges Geständnis."
„Ich kann nicht eingestehen was ich nicht begangen habe!"
„O, über diese Verstocktheit!" rief, die Hände zusammenschlagend, der Kommerzienrat. Den Sohn an Rockknopf ergreifend, zählte er auf:
„Du schuldest dem alten Wetterau 2000 Mark, er drängt Dich um die Bezahlung, Du hast das Geld, von dem Du überdies nur einen Teil erhalten haben wirst, natürlich nicht. Der Schurke droht, es mir zu sagen, und in Deiner Angst begehst Du nun den ebenso schlechten, wie dummen Streich, an mein Geheimfach zu gehen. Du brauchst zwar nur 2000 Mark, da aber just 3000 darin liegen —"
„Nicht weiter, Vater! unterbrach ihn hier Adalbert und machte sich mit einem heftigen Ruck von ihm los. „Deine Beschuldigung ist grausam und unwürdig."
„Oho! Willst Du Dich noch aufs hohe Pferd setzen?"
„Nein, Vater, nein! Ich gebe es ja zu, der Schein ist gegen mich, aber ich habe es nicht gethan. Glaube mir doch nur, ich bin leichtsinnig gewesen, aber ich bin kein elender, gemeiner Dieb!"
Sein Ton, seine Miene, seine Haltung trugen so sehr das Gepräge des aufrichtigsten Schmerzes und der vollsten


