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im gewöhnlichen Leben Fleisch nennt, sind die Bewegungs­organe par excellence, alle willkürlichen Verrichtungen, die gröbsten wie die feinsten, verdanken denselben ihr Dasein, sie sind es also gewiß schon an und für sich wert, daß sie sorg­fältig auf ihrem Bestände erhalten werden. Das geschieht durch Uebung, durch welche ein einzelner Muskel oder eine Muskelgruppe sich bis zu einem erstaunlichen Grade ent­wickelt, während Nichtgebrauch zur Entartung und Leistungs­unfähigkeit führt. In einem Falle beobachtet man Massenzu- nahme, im anderen Abnahme: Der Arm eines Holzhackers z. B. zeigt einen, erheblich größeren Umfang als der eines Stubenhockers von gleicher Konstitution) wird ein Bein infolge Knochenbruches auf Wochen oder gar Monate zu unfrei­williger Muße verurteilt, so ist es erheblich dünner geworden. Dahingegen leidet gleichfalls die Ernährung des Muskels, sobald man ihm zuviel zumutet, und es tritt schließlich ein Versagen seiner Funktion ein.

Hiernach könnte es den Anschein gewinnen, als ob es nur darauf ankäme, daß jeder den Teilen seiner Muskulatur Auf­merksamkeit schenkte, welche er für seine Zwecke am meisten in Anspruch nimmt, wohingegen die Pflege des gesamten Muskel- shftems als unnütz sich erübrige. Das wäre jedoch eine gänzlich irrige Auffassung, weil eine vernünftig bemessene, allge­meine Muskelthätigkeit die wesentlichsten Körperfunktionen, die Atmung, den Blutkreislauf, die Hauptthätigkeit und die Verdauung aus's günstigste beeinflußt. Aber auch hier ver­kehrt sich die nützliche Wirkung mechanischer Arbeit alsbald in das Gegenteil, falls man des Guten zuviel thut. Bei übermäßigen Anstrengungen irgendwelcher Art, wozu der sogenannte Sport nur zu leicht verleitet, werden die aller­schwersten Erscheinungen auftreten, alle die eben genannten Körperfunktionen arg geschädigt werden.

Die Schlüffe aus diesen Erörterungen sind nicht schwer zu ziehen. Wir haben einfach dem Beispiel jenes erhabenen Griechenvolkes zu folgen, dessen gewaltige Leistungen auf geistigem Gebiete im schönsten Emklang standen mit der harmonischen Ausbildung des Körpers,- wie sie sollen wir uns der edlen Kunst der Gymnastik mit regstem Eifer hin- geben. Eine der schwersten Schäden der modernen Zeit be­steht darin, daß man nur zu sehr geneigt ist, das Physische auf Kosten des Physischen zu vernachlässigen, man scheut kein Opfer für die geistige Ausbildung, aber man läßt die körper­lichen Anlagen ruhig verkümmern und vergißt ganz, daß in einem schlaffen und welken Organismus auch die mühsam eingepflanzten Samenkörner geistigen Lebens verdorren müssen. Gewiß stellt das Leben von heule die allergrößten Ansprüche an die seelischen Kräfte, und dem kann und will man sich ja auch nicht entziehen, aber eben deshalb müssen alle Kopf­arbeiter, so der Gelehrte, der Kaufmann, jede freie Stunde, jede freie Minute auf körperliche Uebungen verwenden, um dem drohenden Gespenst der Nervosität zu entgehen.

Wie soll man die Gymnastik betreiben? Die Antwort lautet:Es führen viele Wege nach Rom". Es wird eben so sehr von äußeren Verhältnissen als von der Körperbe­schaffenheit abhängen, ob man sich damit begnügen will, sich tüchtig in Wald und Feld herumzutummeln, oder ob man eine bestimmte Uebung, Schwimmen, Rudern, Radfahren, Turnen, Reiten usw. vorzieht. Hier sollen die Vor- und Nachteile der einzelnen gegen einander nicht abgewogen werden, sondern es sei der Rat gegeben, zum mindesten eine derselben, diese aber mit vollster Energie, wie eine gebotene Pflichterfüllung, Tag für Tag zu treiben. Dabet verfalle man aber nie in den Fehler, daraus einen Sport zu machen, man schwimme, reite, rudere usw. der eigenen Person wegen, nicht etwa um des falschen Ehrgeizes willen, es besser zu machen als andere.

Im Obigen ist der Weg gezeigt, auf dem man sich die Kunst erwirbt, es zu einem langen Leben zu bringen. Langes Leben wünscht man demjenigen, den man liebt und schätzt.

Nun wohl! wer sich selber liebt und schätzt, wird vor der Mühe nicht zurückschrecken, sich in die Lehren der Hygiene zu vertiefen und ihnen nachzuhandeln, den Lohn dasür heimst er in eigener Person ein.

(Semeirmii^ige^

Kesundheitspffege.

Persönlicher Schutz gegen Influenza. Die Krank­heitsursache der Influenza ist zwar noch nicht mit der wünschenswerten Klarheit bekannt, allein es steht doch fest, daß die Krankheit durch Bakterien hervorgerufen wird, daß dieselben durch die Atmossphäre verbreitet werden, und daß der Eintritt der Bakterien in den Körper durch die oberen Luftwege, die Nase und die Mandeln stattfindet. Will man deswegen der Influenza vorbeugen, so hat man vor allem dasür zu sorgen, daß die Schleimhaut des Nasenrachenraumes in gesundem Zustande sich befindet, weil ein gesundes Organ dem Eintritt der Krankheitserreger besser Widerstand zu leisten vermag, als ein solches, dessen Widerstandsfähigkeit durch irgend welche krankhaften Halsprozesse herabgesetzt ist. Letzteres ist am häufigsten der Fall, wenn die Nasenmuscheln geschwellt, dadurch die Nasengänge verlegt sind und die Nasenatmung behindert ist. Um diesen Uebelstand zu beseitigen und die Funktion der Nasenschleimhaut wieder herzustellcn, giebt es kein besseres Mittel, als die Einatmung von frisch ent­stehendem Salmiakgase. Dieses kann am einfachsten und angenehmsten mit Hilfe der von Dr. Breitung konstruierten Influenza-Fläschchen" bewerkstelligt werden. Man macht die Einatmungen abends vor dem Niederlegen und gurgelt nachher sorgfältig mit Zitronenwasser.

Mr die Küche.

Risotto. Sechs Personen. In 50 Gramm gesalzenem, würfelig geschnittenem Speck und ebensoviel Butter röstet man eine ganz feingeschnittene Zwiebel minutenlang, schüttet 250 Gramm schönkörnigen Reis, der nicht gewaschen, jedoch n einem reinen Tuche leicht abgerieben ist, dazu und läßt ihn mit allmählich und schöpflöffelweise zugesetzter Hühner­brühe ausquellen. Die Körner dürfen nicht zerfallen. Ist es so weit, so schwenkt man den Reis, ohne darin zu rühren, mit 100 Gramm geriebenem Parmesankäse und etwas Maggi gut durcheinander und giebt ihn mit dem gekochten Huhn zu Tisch. Salz und etwas Muskatnuß nach Geschmack.

Paprika-Koteletten. Schöne Kalbsrippchen werden etwas geklopft, gesalzen und papriziert, dann in heißer Butter rasch auf beiden Seiten abgebraten und ausgelegt. Das zurückbleibende kocht man mit einigen Eßlöffeln saurem Rahm, etwas Zitronensaft und Paprika auf, fügt ein wenig Maggi hinzu und gießt die Sauce, die einen blaßrosa Schimmer haben soll, über die Koteletten. Beilage: Maccaroni, Reis oder Bratkartoffeln.

Hrrnrsvistisches.

Mißtrauisch. Jakob:Dieser Anzug ist unter Brüdern zehn Thaler wert, so wahr ich hab' zehn Finger an den Händen!" Veigelstein:Zeig' her, ob Du hast zehn Finger an den Händen!" *

Kindermund. Mutter:Aber Kinder, macht doch nicht solchen Skandal! Unser Zimmerherr, der Engländer, kann ja nicht schlafen!" Klein Trudchen:Ach, Mama, der kann ja blos Engländisch, der versteht unfern Skandal gar nicht!"

Äitbaltion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'scheu UmversitätS-Buch- und Steindruckcrci (Pietsch Erben) in Gießen.