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fst die Zeit auch hingeflogen, die Erinn'rung weichet nie; Als ein lichter Regenbogen Steht auf trüben Wolken sie.

Uhland.

Nachdruck verboten.

Die Armenhausprinzesstn.

Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

X.

Die Herzogin saß an ihrem Schreibtisch. In ihrer schlaff herabhängenden Hand hielt sie einenIBrief, den sie nun schon zum dritten oder viertenmale^ gelesen. Ihre Augen blickten sinnend in die Ferne; um ihren Mund spielte ein weiches Lächeln.

@6 wird ihnen beiden wehethun," flüsterte sie,aber Elfte ist jung, ich werde ihr den Weg zum Ruhm ebnen, sie wird vergessen, und er, mein Sohn er ist ein Fürst er wird sich seiner Pflichten bewußt sein!"

Die alte Kammerfrau trat leise ein.

Die Herzogin wandte das Haupt.Nun, Marie," fragte sie lächelnd,ist es schon Zeit, daß ich mich zur Ruhe begebe? Du bist eine strenge Krankenpflegerin."

Nein, Hoheit, es ist noch früh."

Ich war so in Gedanken versunken, daß ich auf die Zeit nicht Acht gegeben habe. Du willst mir etwas sagen, ich seh' es Dir an."

Hoheit, Ihre Excellenz die Frau Oberhofmeisterin bittet noch um eine Audienz."

Ah, die gute Gräfin! Sie hält eS für ihre Pflicht, mir über das" Fest Bericht zu erstatten. Laß sie eintreten."

Die Herzogin legte den Brief auf den Tisch zurück und schob den leicht beweglichen Sessel so, daß sie der.Thür das Gesicht zuwandte. Die Oberhofmeisterin trat ein und ver­beugte sich tief.

Ihr Bericht wäre morgen früh auch noch früh genug gekommen, liebe Gräfin," sagte die Herzogin freundlich. Sie brauchen sich heute nicht mehr zu bemühen."

Hoheit, ich nahm mir die Erlaubnis, weil ich mit Ew. Hoheit eine Angelegenheit zu besprechen habe, welche keinen Aufschub leidet."

Ist etwas vorgefallen? Ihr Gesicht ist sehr ernst, so streng sprechen Sie, liebe Gräfin."

Hoheit werden mir das Zeugnis ausstellen," entgegnete die Oberhofmetsterin ernst und fest,daß ich mein Amt, meine Pflicht stets mit der größten Gewissenhaftigkeit erfüllt habe."

Gewiß, gewiß Sie waren oft zu streng," erwiderte die Fürstin mild lächelnd.Meine Damen fürchten Sie fast, liebste Gräfin."

Ich habe meinen Ruhm darin gesucht, die Ehre dieses Hofes nach allen Seiten hin zu wahren, Hoheit. Ich mag etwas strenger denken, als andere Leute, aber ich glaubte, Ew. Hoheit Intentionen zu entsprechen, wenn ich nicht die geringste Verletzung des Anstandes duldete."

Ja, Du lieber Himmel, was ist denn vorgefallen?"

Hoheit haben ein junges Mädchen mit Gnadenbeweisen überschüttet, welche unverdient waren, welche mit Undank gelohnt werden."

Die Herzogin wurde zornig.Sie sprechen von Elste?" Ja, Hoheit, ich spreche von Fräulein Hannecken. Ew. Hoheit sind vielleicht die Gerüchte entgangen, welche über die junge Dame in der Gesellschaft und der Stadt im Um­lauf sind?"

Ach, da hinaus wollen Sie! Nun, beruhigen Sie sich, beste Gräfin. Ich kenne jene Gerüchte, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Fräulein Elsie hat gewiß noch nie Im Ernst an eine Verbindung mit meinem Sohn gedacht. UebrigenS habe ich auch schon meine Maßnahmen getroffen: Fräulein Elsie wird binnen kurzer Zett daS Schloß verlassen, in Ehren verlassen, und ich hoffe, daß Sie und die Gesell­schaft mir das Vertrauen schenken, daß ich keine Unwürdige mit meiner Freundschaft beschenke."

DaS Fräulein hat sich aber leider bereits zu tollen Abenteuern hinreißen lassen, Hoheit."

,,Gräfin?!"

Ich bitte Ew. Hoheit um Verzeihung, Ew. Hoheit sind getäuscht worden, die junge Dame hat Ew. Hoheit Vertrauen unwürdig bewiesen."

Ich muß um Beweise dieser Behauptung bitten."

Befehlen Ew. Hoheit, daß ich spreche?"

Ich befehle eS!"

Als ich vorhin noch einmal die Gemächer Ew. Hoheit durchschritt, traf ich im Musikzimmer Seine Hoheit mit Fräulein Hannecken. DaS Fräulein lag in den Armen Seiner Hoheit . . ."

Gräfin, Sie haben sich getäuscht!"