Lonntag den 15. Oktober
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in Brausen geht durch den sterbenden Wald.
Die Blätter fliegen tot und falt.
Das sind der Herbstnacht Stürme;
In Grauen gehüllt und in Dunkelheit, Wie liegen die Lande so fremd und so weit!
Fern klingen die Glocken der Türme.
Zur wilden Jagd nach vergänglichem Gut Drängt dort sich die eilige Menschenflut, Die Brandung wächst in den Gassen.
Wer hört auf den schütternden Glockenklang?
Er tönt die einsamen Felder entlang
Hoch über den Köpfen der Massen.
Geflügelten Rades steuert die Zeit
Zermalmend fort über Lust und Leid
Durch ungemessene Fernen; — Du lausche dem Klang mit gefühligem Ohr, Erhebe den Blick zum Himmel empor,
Zn den rettenden ewigen Sternen!
Max Kalbeck.
Nachdruck verboten.
Der Gylfenhof.
Eine Erzählung von P. D i t f u r t h.
(Fortsetzung.)
VII.
Renata freute sich seit langer Zeit wieder auf etwas und zwar auf die Tage im Gylfenhof.
Fräulein Lina that allerdings etwas empfindlich, daß Renata diese Einladung der ihrigen vorzog, mußte aber schließlich doch einsehen, wie viel anziehender es für das junge Mädchen war, die Ferienzeit in einer befreundeten Familie zu verleben.
Nachdem die Damen mit unzähligen Köfferchen und Schachteln in einer Droschke Platz genommen und Frau Nolte noch an den offenen Haubenbändern nestelte, ließ Fräulein Lina einige weise Brocken für die Zeit ihrer Abwesenheit fallen, die aber leider unter die Wagenräder gerieten, denn Renata wußte nichts mehr davon, als der Wagen um die nächste Ecke bog.
Es galt nun, sich zur Uebersiedelung nach dem Falknerschen Hause zu rüsten, und sinnend stand Renata vor dem Täubchen,
das sie mit klugen Augen ansah. Sie mußte es mitnehmen und es konnte somit seinem ehemaligen Herrn einen Besuch machen. Sie hätte dem Herrn Professor so gern ihre Dankbarkeit bezeugt, da fiel ihr ein, daß ihm vielleicht ein Bild von Walter Freude machen würde. Er sollte ihn sehen in Lebensfrische, und vergessen, wie der liebliche Knabe bleich und als ein Sterbender in seinem Arme gelegen. Mit tiefer Wehmut betrachtete Renata die weichen Züge und ihre heutige Freude kam ihr wie ein Unrecht vor: „Ich, ich vergesse Dich nicht, mein Liebling," flüsterte sie, „Tu führtest unS ja zusammen."
Als Renata den Gylfenhof betrat, schallte ihr schon auf der Treppe lautes Sprechen aus dem Vorderztmmer entgegen und als sie sich der Thüre näherte, unterschied sie deutlich Maxens und Fridas Stimme. Als auch ihr erneutes Klopfen nicht beachtet wurde, öffnete sie schnell mit Geräusch die Thüre in demselben Augenblick, wo Max mit spöttischem Auflachen sich auf dem Absätze umdrehte und er somit den Besuch, der mit verwundertem Gesicht in der Thüre stand, gewahr wurde. Frida stand nach dem Fenster gewandt mit zusammengekniffenen Lippen und rotem Kopfe, jetzt wurde auch sie aufmerksam und begrüßte schnell Renaten, noch mit innerer Empörung und äußerer Verlegenheit kämpfend.
Diese ließ sich so wenig wie möglich merken, welch peinlichen Eindruck ihr dies unverträgliche Geschwisterpaar gemacht, und beachtete Maxens Redensarten, womit er den fatalen Empfang zu vermischen suchte, nicht im geringsten.
Frida hatte sich gefaßt und rief beim Anblick des Täubchens: „Schneewittchen," worauf es durch das geöffnete Thürchen des Käfigs sofort auf ihre ausgestreckte Hand flog. Es schmerzte Renata beinahe, daß es trotz ihrer Lockrufe nicht das Gleiche bei ihr that.
„Schneewittchen ist allerdings ein passender Name," sagte sie.
„Ja," mischte sich Max ins Gespräch, „wir haben Onkel Gottfried viel mit seiner ersten und einzigen Liebe geneckt, man sollte ihm solche Poesie gar nicht zutrauen." Er lachte und Renata fühlte sich nicht angenehm berührt.
Frida führte nun ihren Gast in das für ihn bereit gehaltene Zimmer. ES lag neben Fridas Gemach in dem langen Korridor.
„Mama ist noch beim Goßvater; sie wird Sie hernach gleich begrüßen," bemerkte sie, im Vorbeigehen auf des Konsuls Thüre deutend.
Die leise Bangigkeit, die Renaten bei dem Gedanken, für einige Zeit ganz unter anderen Menschen zu sein, be-


