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der feuchte, wasserdurchzogene Boden die Arbeiten ungemein, und die ungesunde Sumpfluft forderte große Opfer an Menschenleben.

Eben war wieder ein Angestellter der tückischen Krank­heit erlegen,- eine sehr tüchtige Kraft, eine Mittelsperson zwischen Ingenieur und Arbeiter. Olaf selbst fühlte sich schon seit längerer Zeit unwohl. Er achtete nicht darauf. Er war noch niemals krank gewesen/ er wollte, er durfte jetzt nicht krank werden. Zunächst nahm er seine Zuflucht Zu den Likören und Spirituosen, die man dort in reicher Anzahl des Klimas wegen mit sich führt, dann wandte er die Mittel an, die er seinen Leuten zu verordnen Pflegte. Aber das Fieber packte ihn doch. Glücklicherweise ging der Anfall vorüber, das Chinin that seine Schuldigkeit. Indes Mattigkeit und Schwäche, Appetitlosigkeit und Kopfschmerz wollten nicht weichen. Vergeblich nahm er alle Energie zu­sammen. Er wußte, sein Aufenthalt in dieser schlimmen Gegend neigte sich dem Ende zu,- was er zu thun hatte, war bald vollendet, und dann würde er aus den feuchten Niederungen abermals ostwärts in gesündere Landstriche ge­schickt werden. Nur noch eine kurze Frist in voller Kraft, in alter Frische!

Umsonst! Von Tag zu Tag wurde er elender. Die langen Ingenieure, die ihm beigegeben waren, drangen darauf, daß er ärztlilche Hilfe aufsuche und, sei es auch nur auf Tage, die Gegend verlasse. Er müsse es doch einsehen, daß das, was er jetzt treibe, einem Selbstmorde gleiche. Olaf sah das endlich ein, er mochte wollen oder nicht,- die zunehmende Mattigkeit machte ihm jede ernstliche Thätigkeit unmöglich. So entschloß er sich denn, nach Eskischehr, der nächsten großen Stadt, in der auch sein Vorgesetzter wohnte, zu fahren, um einen Arzt zu Rate zu ziehen. Zugleich wollte er sich bemühen, dort einen Ersatz für den verstorbenen Angestellten zu finden.

(Fortsetzung folgt.)

Billiges Fleisch.

Von Alfred Hofmann.

In einem Irrenhaus Westdeutschlands lebt ein Narr, der die soziale Frage auf eilte sehr einfache Weise lösen möchte: er will aus Kartoffeln Fleisch machen. So unfinnig die Idee scheint, so erklärlich ist es, daß einer darauf ver­fallen konnte/ denn Kartoffeln und mageres Fleisch enthalten ungefähr gleich viel Nährstoffe, nämlich coT 25 Prozent. Wer also je 1 Kilogramm Kartoffeln und 1 Kilogramm Fleisch fftuft, bezahlt in beiden Fällen 750 Gramm Wasser, das er aus dem Brunnen billiger erhalten könnte. Und im ersten Augenblick erscheint es durchaus nicht gerechtfertigt, daß die übrigen 250 Gramm Nährstoff der Kartoffeln mit etwa 5 Pfennig und die 250 Gramm Nährstoff des Fleisches mit dem Dreißigfachen: mit mindestens 150 Pfennig bezahlt werden / denn daß der Nährstoff im Fleisch zur Hauptsache Eiweiß und in der Kartoffel sogenanntes Kohlehydrat ist, das sind rein chemische Unterschiede, mit denen das naive Gemüt wenig anfängt. Dem müßte schon anschaulich gezeigt werden können, wie das Eiweiß der eigentliche Nährstoff ist, aus dem sich der Körper in Magen und Lunge den Ersatz für verbrauchte Muskelsubstanz und Muskelkraft kocht, indem er sozusagen mit Fett einheizt und die sogenannten Kohle­hydrate zur Mischung braucht. Erst wenn derartig die Wichtig­keit des Eiweiß vor allen andern Nährstoffen deutlich wird, ist der hohe Preis der speziell eiweißhaltigen Nährmittel verständlich. Dann zeigt sich allerdings auch, daß der Ruf nach billigem Fleisch nichts weiter ist als der Ruf nach billigem Eiweiß. Insofern war der erwähnte Irre schon auf keinem falschen Weg, wenn er dieses aus andern Nahrungs­mitteln gewinnen wollte/ denn alle Nahrungsmittel, die *

pflanzlichen" sowohl wie dietierischen" enthalten Eiweiß, nur meist nicht in genügender Menge/ oder wenn das der Fall ist, wie z. B. bet den Hülsenfrüchten (trockenen Erbsen, Bohnen, Linsen), in nicht genug verdaulichem Zustand. Während nämlich das Eiweiß des Fleisches ohne weiteres vom Blut ausgenommen und als Muskel angesetzt wird, geht fast die Hälfte des Eiweiß in Hülsenfrüchten unverdaut durch den Magen und hat nicht nur keinen Nutzen, sondern verur­sacht sehr oft direkte Beschwerden. Außerdem müßte man, um die täglich notwendige Portion von 120 Gramm Eiweiß z. B. in Erbsen zu sich zu nehmen, täglich mindestens 500 Gramm trockener Erbsen essen, das wären annähernd 9 Pfund oder 44/z Liter Erbsensuppe, also schon ein kleiner Eimer voll. Bei andern pflanzlichen Nahrungsmitteln ist das noch un­günstiger. Von Kartoffeln z. B. müßte man täglich ca. 24 Pfund verzehren, um den Körper mit dem nötigen Eiweiß zu versehen.

Allerdings würde dann der gesamte tägliche Eiweiß­gebrauch nur etwa 50 Pfennig kosten, also beträchtlich weniger als bei Fleisch. Das legt natürlich den Gedanken nahe, die 120 Gramm Eiweiß aus den 24 Pfund Kartoffeln chemisch zu gewinnen, oder wie der Irre sagte, aus Kartoffeln Fleisch zu machen. Und das nun, was bei dem Irren offenbarer Wahnsinn schien, ist durch den bekannten Bonner Professor I)r. Finkler zur exakten Lösung gebracht worden. Eigentlich geht er noch darüber hinaus, indem er seinFleisch" aus noch billigeren Rohstoffen herstellt. Zwar macht er noch nichtaus Steinen Brot", aber er gewinnt aus sonst wert­losen Pflanzen- und Tiersubstanzen das Eiweiß in verdaulicher und durchaus reiner Form und bietet in seinemTropon" thatsächlich das langersehnte billige Fleisch.

So garantiert er endlich auch den breiten Volkskreisen eine ausreichende Ernährung, die bislang in Wirklichkeit nicht möglich war, weil eben die Pflanzenspeisen zu wenig ver­dauliches Eiweiß enthalten und ausreichende Fleischportionen den Minderbemittelten zu teuer waren. Ein Pfund Tropon kostet zwar 2 Mark 70 Pfennig, hat aber eben so viel Er­nährungswert wie 5 Pfund besten Rindfleisches oder 100 Eier. Es ist ein hartes Pulver, das absolut keinen Geschmack hat, bei jahrelanger Aufbewahrung nicht verdirbt und jeder Speise zugesetzt werden kann. Wer 710 Pfund, also 50 Gramm täglich seinen anderen Speisen: dem Gebäck, den Getränken, Suppen, Gemüsen usw. beimischt, hat durch eine tägliche Mehrausgabe von 27 Pfennig einen vollständigen Ersatz für jede Fleischspeise.

Dementsprechend hat man nach der Bekanntgabe der Finklerschen Erfindung auf dem IX. Internationalen Kongreß für Hygiene zu Madrid sofort in zahlreichen Kliniken und hervor­ragenden Heilanstalten genaue wissenschaftlich beobachtete Proben angestellt und ist zu den überraschendsten Erfolgen gekommen. Auch von dem schwächsten Magen wird Tropon genommen und verdaut. In kurzer Zeit werden Gewichts­zunahmen festgestellt, die bislang nicht möglich waren, und was für die Hausfrau vielleicht das wichtigste ist noch obendrein pro Kopf beträchtliche Ersparnisse erzielt. In allen Fachkreisen wird deshalb die Verwendung von Tropon in Krankenhäusern, Menagen, als sogenannte,eiserne Portion" beim Militär, als Sportnahrung eifrig besprochen und empfohlen. Aber die eigentliche Aufgabe des Tropon liegt darin, daß es ein Nahrungsmittel für die breitesten Kreise wird. Seine leichte Zubereitung, indem es allen gewohnten Speisen beigemischt werden kann und also gar keine Aenderung dec Lebensweise herbeiführt, seine vielfache Verwendung zu Tropon-Suppenmehl, Tropon-Chokolade und -Kakao, Tropon- Kindernahrung, Tropon-Zwieback und -Bisquits, seine unge­mein leichte Verdaulichkeit und sein geringer Preis machen es in Wahrheit nicht nur zum billig st enFleisch, sondern zum wertvollsten Nahrungsmittel der Gegenwart überhaupt.