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chmerz und Frcude liegt in einer Schale; Ihre Mischung ist der Menschheit Los.

S eum e.

Nachdruck verboten.

Die Sünden der Väter.

Roman von Osterloh.

(Fortsetzung.)

XXVIII.

«Aber, liebes Kind!"

Es ist Konrad, der diese Worte spricht- und vor ihm auf den Knien liegt Martha und dankt ihm in überschweng­licher Weise für alles, was er für sie gethan, für ihren Vater, für die Ihren, für Olaf Er weiß gar nicht, was ihr einfällt, und allmählich versteht er, daß sie durch irgend einen Zufall Kenntnis erlangt hat von dem, was sich zwischen ihm und Olaf abgespielt hat, und daß sie sich ihm dadurch ganz besonders verpflichtet wähnt.

Ein überspanntes Mädchen! denkt er.

Was verlangt sie eben wieder? Olafs Adresse will sie haben. Sie müssen ihm schreiben.

Aber, liebes Kind!" sagte er noch einmal abwehrend.

Aus ihren unklaren Reden hat er, der im Erraten nicht allzu geschickt ist, herausgehört, daß sich die beiden ehemals geliebt haben. Was aber will sie ihm jetzt schreiben, sie, die Braut eines anderen.

Nein, sie ist nicht mehr Braut. Sie hat ihre Verlobung aufgelöst.

Ah!"

Konrad weiß im ersten Augenblick nicht, ob er sich über die Neuigkeit freuen oder ob er sie beklagen soll. Dievenow paßte nicht zu ihr, und angenehm war er ihm nie gewesen. Und doch hätte Martha an ihm den Halt gefunden, dessen sie jetzt so dringend bedurfte.

Nun erschien es ihm erst doppelt bedenklich, daß sie mit Olaf wieder anknüpfen wolle. Der hatte die flüchtige Jugendneigung sicher längst vergessen- und Konrad ahnte für Martha nur neue Enttäuschungen.

Schreibe ihm nicht, Martha!" bittet er.

Sie errät seine Bedenken.

Hab' keine Sorge, Konrad," sagt sie.Denke nicht,

daß ich mir irgend welche Illusionen mache. Siehst Du, ich schließe jetzt meine Rechnung mit der Vergangenheit ab."

Konrad gab ihr die gewünschte Adresse, und Martha schrieb:

Sehr geehrter Herr Nansen.

Verwundern Sie sich nicht allzu sehr, wenn Sie diese Zeilen erhalten. Nur wenige Worte möchte ich Ihnen schreiben, um Ihnen eine schwere Schuld abzubitten, nicht die furchtbare, nie wieder einzulösende, die mein un­glücklicher Vater begangen hat, sondern die, welche ich hinzugefügt habe in Gedanken und harten Worten, ohne zu ahnen, wie ungerecht ich war, Sie zu beleidigen. Ich möchte Sie um Vergebung bitten für kleine Nadelstiche, die Sie vielleicht nicht einmal sehr empfunden haben, die mir aber auf dem Gewissen lasten und deren peinigende Erinnerung ich nicht anders los werden kann, als durch dieses Bekenntnis. Als solches nur faffen Sie dieses Schreiben auf. Ich erwarte keine Antwort. Ich weiß, daß Sie mir verzeihen werden, und das Bewußtsein genügt mir."

Ihrem Wunsche wurde Rechnung getragen. Martha erhielt auf diesen seltsamen Brief nie eine Antwort.

Auch von Leonhard kam keine Nachricht.

Er ist tot. Wohl ihm!" sagte Frau Dorothea. Aber im innersten Herzen klammerte sie sich mit allen Fasern an der Hoffnung fest, daß er noch lebe, daß sie ihn doch noch einmal umarmen werde.

Von Rößler hatte sie ebenfalls nichts mehr gehört.

Schaudernd hatte Dorothea ihrem Schwiegersöhne von dem Austreten des Herrn Schmidt erzählt. Der war sehr ruhig geblieben: das sei nichts als Schwindel und Er­pressung- es sei schade, daß sie dem Manne Geld gegeben­er habe weder Ansprüche an sie, noch irgend welche Ausgaben für seinen Stiefsohn.

Auch sei kaum zu befürchten, daß er sich wieder werde blicken lassen, sobald er von seiner, Konrads, Rückkehr unter­richtet sei.

Leo Rößler lag unterdessen im Lazarett, fiebernd und nach Atem ringend. Die Kopfwunde war langsam geheilt. Dann hatte sich eine Rippenfellentzündung angeschloffen, vielleicht veranlaßt durch Erkältung, vielleicht eine Erbschaft des mütterlichen Blutes. Schon seit Wochen litt er daran - und immer entschiedener neigten sich die Aerzte der Ansicht zu, daß die Krankheit tuberkulöser Natur sei.

Im Februar starb er.