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Der bemerkenswerte Fortschritt gegen früher liegt nur darin, daß an Stelle der rohen Empirie wissenschaftliche Ver­tiefung getreten ist, und die durch sie bedingten Triumphe der Technik unendlich vollkommenere Mittel zur Erreichung des Zweckes an die Hand gegeben haben. Im folgenden soll nun die öffentliche Gesundheitspflege beiseite gelassen und nur die private Beachtung finden. Es sei dabet vorausgeschickt, wie allen Maßnahmen entweder eine gesundsheitsfördernde oder eine krankheitsverhütende Bedeutung, manchmal auch beide zugleich zukommen.

Die Ernährung hat den Zweck, nicht nur die Ver­luste von Körpermaterial, welche der Organismus fort­während erleidet, auszugletchen, sondern auch die Kraft zu liefern für jegliche Arbeit, die er leistet, körperliche wie geistige. Außerdem erzeugt sie im werdenden unfertigen Organismus des Kindes das Wachstum, von ihr stammt der nötige Stoff zum Ansatz der einzelnen Körpergewebe. Bei einer so gewichtigen Rolle begreift cs sich leicht, daß Fehler in der Ernährung sich bitter rächen und die Gesundheit schwer schädigen müssen, und in der That lehrt die Statistik, daß auf diese Weise jährlich Tausende und Abertausende ins Grab sinken, namentlich in dem Lebensalter, in welchem die Organe am empfindlichsten find, in der Säuglingsperiode. Aber nicht nur dann, sondern das ganze Leben hindurch machen sich die Folgen verkehrter Ernährung geltend. Ganz abgesehen von dem Heer der Verdauungskrankheiten werden alle anderen Organe mehr oder minder in Mitleidenschaft gezogen und so der Organismus seiner natürlichen Schutz- kraft gegen die fortwährend auf ihn einstürmenden Schädlich­keiten beraubt. Ein gut genährter Körper erkrankt nicht nur nicht so leicht, sondern er vermag auch, wenn er erkrankt ist, die Erkrankung eher zu überwinden und die Gesundheit wieder zu erlangen. Nun ist ja eine richtige Ernährung zum großen Teil eine brutale Geldfrage. Allein man irrt, wenn man glaubt, diese Dinge kämen bei denjenigen Leuten, welche ein genügendes Auskommen haben, weiter nicht in Betracht. Gerade bei ihnen wird gegen die Gesetze der Ernährungs­lehre außerordentlich häufig verstoßen, eben so sehr aus Unkenntnis wie aus Mangel an Selbstbeherrschung, der zu Unmäßigkeit führt. Es ist hier nicht angängig, diesen Ge­danken weiter auszuspinnen, es sei nur daran erinnert, wie in Nordamerika Magenkrankheiten an der Tagesordnung sind, einzig und allein deshalb, weil man bet dem hastigen Treiben der dortigen Geschäftswelt sich die Zeit nicht nimmt, langsam und behaglich zu essen, sondern schnell die heißen Speisen hinunterschluckt. Unmäßigkeit und Unkenntnis zugleich wirken ferner bei einem Krebsschaden der Jetztzeit, dem Alkoholismus, zusammen, um das Leben vieler Hunderttausende zu ver­kürzen. Darunter sind aber nicht etwa nur diejenigen Menschen verstanden, welche man im gewöhnlichen Leben als Säufer bezeichnet, sondern in gleichem Maße die viel größere Anzahl derer, welche gewohnheitsgemäß erhebliche Mengen geistiger Getränke zu sich nehmen und dabei scheinbar ihre Gesundheit nicht schädigen, bis Plötzlich oft erst nach Jahr­zehnten die bösen Folgen mit unfehlbarer Sicherheit sich einstellen. Man sieht also aufs deutlichste, wie oft die Menschen sich durch eigene Schuld ihr Leben verkürzen, und wie es in vieler Hinsicht in ihrer Hand liegt, sich noch manches Jahr dem Berufe und der Familie zu erhalten.

Wenn also eine fehlerhafte Ernährung nicht wenige früh­zeitig zu Grunde richtet, so hat man in einer vernunftgemäß geleiteten das beste Mittel zu erblicken, um einen Schutz vor zahlreichen äußerst gesährlichen Erkrankungen zu gewähren. So sei, um ein Beispiel anzuführen, nur erwähnt, daß es gegen den schrecklichsten Würgengel der Kulturwelt, die Tuberkulose, keine mächtigere Waffe gießt, als eine gute Ernährung; sie ist es, welche einen vollsaftigen und kräftigen Organismus schafft, und eine solche wird mit den Krankheits­

erregern, den Tuberkelbazillen, so gut wie immer fertig werden.

Die Frage: »Wie eignen wir uns die Kunst an, lange zu leben?" deckt sich also zunächst mit der andern:Wie ernähren wir uns richtig?" Man giebt in der Regel die Antwort!Lebe mäßig und einfach!" Vollkommen richtig! Allein das ist schließlich einer von den vielen Gemeinsätzen, welche alles und nichts besagen. Die einen möchten unter Mäßigkeit einen mehr oder minder asketischen Lebenswandel verstehen, andere wiederum nennen sich mäßig, obwohl sie es nicht sind. Entweder achten sie nicht darauf, wieviel sie im Laufe des Tages verzehren, oder sie wissen nicht, daß es nicht nur auf das »Wieviel", sondern eben so sehr auf das Wie beschaffen" ankommt, und daß die Wohlhabenden und Reichen, welche hauptsächtlich gehaltvolle Nahrungsmittel und Speisen zu sich nehmen, in einer kleinen Nahrungsmenge oft mehr Nährstoffe einführen als die Aermeren in den großen Portionen von wenig nahrhaften Gerichten. Außerdem paßt nicht alles für einen, sondern jeder hat sein eigenes Maß, das sich nach der Konstitution und nach Art und Menge der Arbeitsleistung richtet. Kurz und gut, mäßig und einfach leben soll der Mensch zwar, aber, um dieses Gebot zu er­füllen, ist es notwendig, daß sich jeder mit den Grundsätzen der Ernährungslehre im weitesten Sinne denn dazu gehört auch die Atmung, durch welche ein gasförmiges Nahrungsmittel, der Sauerstoff, zur Aufnahme gelangt vertraut mache.

(Schluß folgt.)

Gemeinnütziges.

Aeld und Garte».

Gartenarbeit. Glühend heiß brennt jetzt die Sonne,- unter ihrem Einfluß wächst alles rasch empor, um aber ebenso schnell wieder zu verblühen. Der Hauptflor der Rosen ist vorüber, bei sachgemäßem Schnitt blühen sie aber weiter und weiter. Tie königlichsten Sommerblumen bedecken sich jetzt reich mit stattlichen Blüten, aber welk und schlaff hängen überall die Zweige herab, wenn wir nicht alles von Tag zu Tag in reichster Weise bewässern. Drängende Arbeiten sind nicht mehr auszusühren. Wer früher alles rechtzeitig ge­pflanzt und bestellt hatte, der darf sich jetzt ungetrübt am Gedeihen der Lieblinge erfreuen. Die ungewöhnlich warme Witterung macht ja das Arbeiten im Garten nicht zur An­nehmlichkeit) man wird deshalb die Mußestunden des Tages zu beschaulicher Ruhe in der dicht umrankten kühlen Laube verwenden und erst am Abend, wenn die Sonne im Unter­gehen begriffen, zur Gießkanne und, wo es not thut, auch zu Hacke und Spaten greifen. In der Hauptsache ist der Garten so zu halten, wie er im vorigen Monat zu vollem Glanze vollendet wurde. Namentlich auf den Teppichbeeten muß man die verschiedenen Pflänzchen scharf auseinander halten: zu üppig wachsende zurückschneiden, zu hoch wachsende niederhaken, damit die verschiedenen Farben nicht ineinander wachsen und so die oft hübschen Muster verloren gehen. Hecken und Einfassungen von Buchs werden jetzt geschnitten, Gladiolen und blühende hochwachsende Stauden, die sich nicht selbst länger aufrecht erhalten, recht sorgfältig an Stäbe geheftet. ______________

Humoristisches.

Indiskrete Frage.Was gäbst Du wohl d'rum, wenn Du solches Haar hättest, wie das meine?" Jeanne: Das weiß ich nicht, was hast Du gegeben?"--

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Lakonischer Bescheid. Einheimischer:Nun, wie gefällt Ihnen unsere Kurkapelle?" Tourist:Hm die Blechmusik müßte man streichen und die Streichmusik ist Blech."

Redaktion: $. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.