Ausgabe 
15.4.1899
 
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Um der Liebe eines einfachen Mädchens willen, wollen Sie Ihr Land, Ihr Volk verlassen und die hohe, herrliche Auf­gabe eines Fürsten dahingeben? Nein, nein, ich käme mir wie eine Verbrecherin vor, wollte ich diesem raschen Ent­schlüsse zustimmen. Lassen Sie uns ruhig bleiben ich bitte Sie!"

Der Herzog sprang empor und ging einige Male erregt auf und ab. Alle die Bedenken, die kaum zu überwindenden Schwierigkeiten, welche ein solcher Schritt mit sich führte, traten ihm in diesen kurzen Minuten vor die Seele. Aber sein rascher Sinn, seine leidenschaftliche Entschlosfenheit bebte vor diesen Schwierigkeiten nicht mehr zurück.

Nun wohl!" rief er freudig entschlossen,dann bleibe ich der Fürst, der Herzogs aber Du, meine Elsie, wirst doch meine Gattin. Es gießt noch einen andern Weg viele Fürsten haben ihn schon eingeschlagen, wenn ihre Liebe mit ihrem Stande in Konflikt gerät. Kann ich Dich nicht zu mir erheben, kann ich nicht zu Dir herabsteigen, dann können wir doch vor der Welt und vor Gott uns gehören. Ja, ja, so soll es sein! Ah, ich sehe schon im Geiste hier ein kleines Paradies aufsteigen- hier an Stelle des Armenhauses, in dessen elender Umgebung die Perle wuchs, die mein Leben verschönen soll, werde ich ein Schlößchen bauen für Dich, meine Elsie, für Dich und mich. Umgeben soll es ein weiter Park, bis zur Ruine des alten Benneckensteins hinauf sollen seine schattigen Spaziergänge reichen, und auf den Trümmern der durch meine Vorfahren zerstörten Raubritterburg soll ein Lustschloß erstehen, das unsere Liebe, unser Glück umschließt".

Er stand hoch aufgerichtet da, mit der Hand nach dem alten Gemäuer weisend, über dem eben der Mond aufstieg. Sein Auge leuchtete in stolzer Freude, sein Wesen war er­füllt von Leidenschaft und Kraft.

Elsie senkte das Haupt. Da lag das Märchenreich ihr zu Füßen! Da stand der Märchenprinz vor der verzauberten Armenhaus-Prinzessin, umflossen von dem magischen Silber­licht des Mondes! Sie brauchte nur die Hand auszustrecken und eine Krone konnte sie sich auf das Haupt setzen. Sie brauchte nur die Arme um seinen Nacken zu schlingen, sich an sein Herz zu flüchten, und ihr Traum war erfüllt, die Armenhaus-Prinzessin war erlöst, das Märchenreich nahm sie aus!

Da tönten vom Städtchen Böllerschüsse und der Jubel des Volkes. Durch den vom Mondlicht übergossenen Garten eilte eine Gestalt. Das Mondlicht blitzte auf goldnen Knöpfen und Schnüren. Am Fuße der Treppe blieb die Gestalt ehr­erbietig stehen, es war der Major und Flügeladjutant von Hannecken.

Elsie schreckte empor. Auch der Herzog hatte den Nahenden bemerkt.Sie hier, Major von Hannecken? Was gießt es?"

Hoheit wollen verzeihen man wartet auf Eure Hoheit das Festmahl soll Beginnen", entgegnete der Major, indem sein scharfes Akkge einen rasch ßeoßachtenden Blick nach Elsie warf.

Der Herzog stampfte leicht mit dem Fuße auf.

Man wird doch wohl warten können, bis ich komme." Sagen Sie dem Bürgermeister, daß ich an dem Fest­mahl nicht teilnehmen kann!"

Hoheit", wagte der Adjutant einzuwerfen.

Gehen Sie!" rief der Herzog unmutig.

' Da legte sich eine leichte Hand auf seinen Arm. Elsie sah mit ßittendem Blick zu ihm auf.

Darf ich Hoheit bitten, die Festesfreude der Ihnen so treu ergebenen Menschen nicht zu zerstören?"

Elsie, Du?"

Nicht mehr so, Hoheit, Der Traum ist vorüber ich danke Hoheit aus tiefster Seele, aber der Traum ist ausgeträumt".

Elsie, was höre ich?"

Lassen Sie uns hier Abschied nehmen, Hoheit", fuhr Elsie mit bebender Stimme fort.Was Sie in Ihrem edlen, leidenschaftlichen Herzen glauben, was Sie träumten, es muß ein Traum bleiben. Denken Sie an Ihr Land, an Ihr Volk! Ueber unserer Liebe, über unserem Glück steht die Pflicht des Fürsten, die ihm die Jahrhunderte auferlegt haben, welche sein Geschlecht über dieses Land herrschten- über unserem Glück steht das Glück des Volkes, die Wohl­fahrt des Landes, das unter Ihrem Scepter, unter dem Scepter Ihrer Söhne und Enkel noch glücklich werden soll. Ueber unserer Liebe steht die Liebe des Volkes zu seinem Fürsten, zu seines Fürsten Geschlecht, das ein Jahrtausend mit ihm verbunden war in Leid und Freud, das für alle Zukunft mit ihm verbunden bleiben soll. Gehen Sie, mein Fürst die Pflicht ruft Sie und die Pflicht steht höher, als die Liebe!"

(Fortsetzung folgt.)

Geineinirüiziges.

Laubsägemaschinchen. (D. R. G. M.) Die schönsten Geschenke für Knaben sind entschieden diejenigen, mit deren Hilfe Handgeschicklichkeit und Freude am Schaffen geübt und angeregt werden. Die bisher gebräuchlichen Laubsägebogen haben den Nachteil, daß sie nur mit großer Kraftanstrengung

und unter Anwendung besonderer Sorgfalt gerade gehalten werden können.

Ganz anders verhält es sich mit dem abge­bildeten durch die

Verwertungs-Abteilung desPatentbureau Sack, Leipzig zur Einführung gebrachten Laubsägemaschinchen, welches ohne weiteres stets einen geraden Schnitt sichert und durch einfache Abwärtsbewegung eines Hebels bequem und vor allen Dingen sehr leicht in Thätigkeit gesetzt werden kann. Das Maschinchen läßt sich an jeden Tisch befestigen und ist trotz der soliden Ausführung nicht teuer, 3.60 Mark. Jeden­falls kann man ein derartiges Geschenk nur empfehlen, weil es nutzbringend wirkt und viel Freude schafft.

Literarisches.

Sin kühner Sprung. Man kann nicht leugnen, daß die Mode einen solchen gemacht hat, indem sie von den übertriebenen .breiten Formen, die noch vor kurzem favorisiert wurden, zu den übermäßig engen übergegangen ist, die der Volksmund alsDamenfutterale" be­zeichnet. Die Aufgaben, die in solchen Uebergangszeiten an ein Mode­blatt gestellt werden, sind besonders schwer; es gilt, der Tagesmode gerecht zu werden, ohne daß der gute Geschmack darunter litte. In dem soeben erschienenen Heft 13Wiener Mode", womit das Frühjahrsquartal beginnt, wird gezeigt, wie eine solche Aufgabe gelöst werden muß: was bei den meisten Modebildern, namentlich bei den französischen, an die Karrikatur streift, wird hier ein Element des Er­folges. Leistungen wie dieses Heft, wo jedes Detail des überaus reichen Inhaltes als mustergiltig bezeichnet werden muß, erklären die Beliebtheit derWiener Mode", die, wie man mit Vergnügen erfahren wird, eben jetzt wieder einen sehr bedeutenden Abonnentenzuwachs zu verzeichnen hat. Das schöne Heft, dem auch dieWiener Kinder-Mode" und ein Blatt mit Naturgrößen Schnittmustern und Handarbeitsvorlagen beiliegt, kann durch jede Buchhandlung oder vom Verlage derWiener Mode" für 45 Pfg. bezogen werden.

Redaktion: E, Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.