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was er hat getrunken/ denn er hörte nich auf, bis er hatt' den Verstand verloren, und wenn ich red'te von de Kosten, da haut' er us'n Tisch und schrie: „ach was, de Kosten." Und nu, als ich em ßeige de Rechnung, e reiner Spott, wenn ich rechne, was er hat verßehrt und mer gekostet, und als ich mich erbiet', mit acht Pfund ßufrieden sein ßu wollen und noch daßu ßu geben de schienen Hosen hier — Gott straf' mich, wenn nich rein geschenkt —, da wird er wild und gebt mer schlechte Namen."
Hier hielt er inne, um Atem zu schöpfen, da ging aber der Matrose wieder los, Aaron antwortete, Jtzig krähte dazwischen, und es wurde ein Geschrei, daß ich es nicht mehr aushielt. Ich verließ den Laden trotz Aarons Zetern und Schwören, daß er der billigste Mann in Bahport wäre und schöne Ware gäbe für wenig Geld. Ich sah, der Seemann war in schlimmen Händen, konnte ihm aber nicht helfen/ denn kein Gesetz der damaligen Zeit schützte den leichtlebigen Matrosen, sobald er in die Klauen solcher Blutsauger gefallen war.
Aller Wahrscheinlichkeit nach verhielt sich die Sache so: Aaron war ein Matrosenmakler, d. h. eine Person, die ein Logierhaus für Seeleute hielt und Schiffe, denen es an Mannschaft fehlte, mit Matrosen versorgte. Zweifellos war der Mann in Aarons Haus gekommen, ohne einen Pfennig Geld in der Tasche zu haben. Dieser hatte ihn ausgenommen gegen Ausstellung eines Wechsels, in Höhe des üblichen Angeldes, welches einem angeworbenen Matrosen als Vorschuß auf seine Heuer gezahlt wurde, sowie er sich an Bord meldete. Laut dem ausgestellten Wechsel stand aber dem Makler das Recht zu, den Betrag des Vorschusses auf dem Schiffe zu erheben und sich davon, nach Maßgabe seiner Forderungen, bezahlt zu machen. Mit dieser Sicher- heit in Händen versetzte er alsdann den Matrosen mit giftigem Gebräu möglichst oft in eine Trunkenheit, welches ihm vollständig das Gedächtnis für das raubte, was er verzehrte. Hiernach war es dann leicht, die Rechnung beliebig aufzustellen, denn alle Aarons, männliche und weibliche, beschworen, bei vorkommenden Einwendungen, hoch und teuer die Richtigkeit derselben. In der Regel wurde aber noch ein kleiner Rest belassen, für welchen man dem Betrogenen noch irgend ein altes Kleidungsstück aufhalste, mit dem schließlich der Ausgeraubte vom Makler nach dem Schiff gebracht wurde.
Man sieht hieraus, wie diese Vorschußwechsel ein System bilden, durch welches sich die Matrosen zu wehrlosen Opfern ihrer Gläubiger machen und sich jedem Betrug und jeder Beraubung pretsgeben/ — sie sind für die Teerjacke ein ebenso großer Fluch wie die Trunksucht. Solange gegen diese Wechsel nicht eingeschritten wird, werden diese Seelenverkäufer von Matrosenmaklern ein Ruin für jeden unbedachten Seemann bleiben.
Ich ging in ein anderes Kleidergeschäft — es gab eine Menge solcher in Bahport, — und da ich durch das eben erlebte Schauspiel gewitzigt war, gelang es mir, wie ich glaube, den Verkäufer zu überzeugen, daß ich seinem eigenen Geschäftszweig nicht fern stände und über die üblichen Preise der Ware gar wohl Bescheid wisse.
Der Bedarf eines Matrosen an Kleidungsstücken ist im Grunde genommen sehr unbedeutend. Viele beschränken sich auf das geringste Maß und sind auch in der Qualität nicht wählerisch. Indessen giebt es doch einige Stücke, ohne welche nicht auszukommen ist. Es sind dies: Gurt und Messer, Seesttefel, wollene Strümpfe, Südwester und dauerhafte wollene Hemden, direkt auf dem Leibe zu tragen. Trotzdem habe ich Leute gekannt, die sich einschiffen, ohne viel mehr Kleidung als das Hemd und die Hosen, die sie auf dem Leibe trugen, und so abgerissen waren, wie nur irgend ein Armer aus einem Arbeitshause.
Diese Leute verlassen sich darauf, daß ihre Maate, die doch selbst oft mit der Kleidung übel daran sind, ihnen aus Gutherzigkeit einen Rock oder ein Paar Hosen und bei
schlimmem Wetter sogar Stiefel leihen. Mehr als einmal habe ich einen Mann in's Takelwerk steigen sehen mit bloßen Füßen und weiten Leinwandhosen, wenn die Taue vom Frost hart und steif waren und mir die Hände selbst in dicken Winterhandschuhen froren. Dies geschah aber nicht, weil der Mann gegen die Kälte abgehärtet war, sondern weil er weder Stiefel noch andere Beinkleider besaß. Die Gerechtigkeit verlangt aber, hinzuzufügen, daß der Seemann, der in dieser Weise heruntergekommen ist, meist selbst die Schuld trägt.
(Fortsetzung folgt.)
(Nachdruck verboten«!
Die Armenhausprmzessin.
Roman von O. Elster.
Er hatte wiederum ihre eine Hand ergriffen und beugte sich über sie. Elste vermochte die Thränen nicht zurückzuhalten, die über ihre Wangen perlten. Sie legte die Hand auf sein Haupt und flüsterte leise und innig: „O, daß Ihr Herz Frieden fände I Mein Leben gäbe ich darum!
Eine Weile blieb er in gebeugter Stellung, die Lippen auf ihre Hand gepreßt stehen. Dann richtete er sich empor, und ein Strahl des unendlichen Glückes leuchtete in seinem dunklen Auge auf. Sie fühlte den weichen, flehenden, bittenden Druck seiner Hand, sie las die Bitte seines Herzens in seinem Auge, auf seinen bebenden Lippen — und sie sank an seine Brust und schmiegte sich fest in seine Arme.
„Elsie, meine geliebte Elfte", flüsterte er, ihre Stirne küssend. „Du liebst mich, trotz allem, ich fühle es, ich weiß es, wie ich Dich liebe, trotz der Welt, trotz der Menschen! Ach, Du weißt nicht, was ich Deinetwillen gelitten habe. Als Du mir damals entflohest, da zweifelte ich nicht an meinem Glück. Ich würde Dich wiederfinden, ich würde Dich Wiedersehen, aber als ich zu Dir sandte, als ich mein Glück von Deinen Lippen bestätigt hören wollte, als ich Dir sagen wollte, daß Du mein Weib, meine Gattin vor Gott und den Menschen werden solltest, trotz aller Hindernisse, die sich mir entgegentürmten, trotz der Worte meiner Mutter — da wärest Du entflohen, da mußte ich einsehen, daß Du kein Vertrauen zu mir hattest, daß Du dachtest, wie alle die andern Menschen, daß Du mich nicht mit der wahren, echten Liebe liebtest. Und der Trotz bäumte sich in meinem Herzen auf, und auch ich wandte mich von Dir — ich wollte Dich nicht Wiedersehen. Ach, was habe ich gelitten, Elste! Ich ward ein anderer — ein ruheloser Wanderer, irrte ich in der Welt umher, ein friedloser, glückloser Mann! Aber jetzt habe ich den Frieden — jetzt habe ich das Glück gefunden!"
Wiederum schloß er Elfte in die Arme. Elste war betäubt, berauscht von dem Glücksgefühl, das gleich einer Sturmflut über ihr Herz hereinbrach. Sie widerstand nicht, als er sie hinausführte auf die Veragda und sie sanft auf die Bank neben sich niederzog, ihre Hände ergriff und mit glückstrahlendem Auge in ihr Antlitz sah. Die Lebhaftigkeit, die rasche Entschlossenheit der früheren Zeit hatte er wieder gewonnen.
„Wie still und friedlich ist es hier", sprach er aufatmend. „Wie glücklich werden wir- hier sein! Nein, Du sollst nicht zurück in die große Welt, mein Liebling. Ich will hier ein Heim für Dich und mich schaffen, ein trautes, friedliches Heim, in das ich mich aus dem Lärm der Welt zu Dir, meinem Liebling, meiner Gattin flüchte. Jetzt weiß ich klar und deutlich, was ich thun soll! Ich werfe die Bürde des regierenden Herzogs ab, ich werde ein einfacher Privatmann, um Dir anzugehören. Mag mein Vetter, der Prinz Albert, die Regierung übernehmen, ich will nur für Dich leben und wirken".
Elste erhob das gesenkte Haupt und blickte ihn dankbar lächelnd an. Dann schüttelte sie leicht den Kopf. Sie dachte an die Fürstin, seine Mutter, ihre mütterliche Freundin. „Nein", sprach sie bestimmt, „das dürfen Sie nicht thun.


