Ausgabe 
15.4.1899
 
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will jeder den Herrn spielen. Was mir fehlt, sind tüchtige Leute, keine Offiziere. Ich gebrauche noch einige Matrosen."

Wie viel Heuer?" fragte ich.

Er sah mich scharf an und sagte:Drei Pfund zehn Schilling im Monat. Diekleine Lulu" knausert nicht."

Ich richtete die Augen auf sein Gesicht und studierte dasselbe, dachte an das schöne Schiff im Hafen, nahm einen Schluck Grog und überlegte:Soll ich mich anbieten? ein schönes Schiff ist die Brigg und es giebt manche Kapitäne, die unangenehmer aussehen wie dieser." Dann erkundigte ich mich nach dem Ziel seiner Reise."

Sidney, Neu-Süd-Wales."

Wenn Sie mich brauchen können, will ich als Voll­matrose mit Ihnen gehen."

Ich dachte es mir, daß Sie mir dies Anerbieten machen würden," sagte er kühl, mich von oben bis unten mit einer gewissen Befriedigung betrachtend.Welchen Grund haben Sie, sich zu solch einem Dienst zu verdingen? Wollen Sie den Schiffsdienst nur von unten auf versuchen?"

Das nicht gerade. Aber wenn Sie mich haben wollen, bin ich Ihr Mann."

Abgemacht."

Wann segeln Sie?"

Uebermorgen."

Ich sagte ihm, daß ich den Kontrakt unterzeichnen wolle, könnte aber am nächsten Tage noch nicht an Bord kommen, da ich mich erst ausrüsten müsse; meine Kiste würde ich aber am Abend an Bord bringen.

Er fragte mich, ob ich einen Vorschuß zu haben wünschte. Dieses Anerbieten lehnte ich aber dankend ab, denn ich hatte mich doch verheuert, um Geld zu verdienen und nicht um es vorzeitig zu verbringen, noch ehe ich segelte.

Es schien mir, daß er sich freute, mich angeworben zu haben. Ich war jung, kräftig und beherzt, und, wie ich glaube, den meisten der Leute, aus denen die Mannschaft kleiner Schiffe zusammengesetzt wird, überlegen, nicht gerade im Schiffsdienst, sondern im Benehmen, in meiner ganzen Erziehung. Jeder Schiffsherr weiß den Wert nüchterner, wohlerzogener Leute im Vorderdeck zu würdigen, denn ihr Beispiel übt oft einen stärkeren Einfluß auf die Masse, als die aufgezwungenen Gewohnheiten der Disziplin.

Aus Furcht, meine Verdingung könnte mir am Ende wieder leiden werden und ich könnte mich noch eines Besseren besinnen, denn ich bemerkte wohl, wie sehr ihn mein schneller Entschluß überrascht hatte spielte er den ange­nehmen Gesellschafter, bestellte mehr zu trinken und erzählte lebhaft einige amüsante Geschichten. Er war sicher ganz durchdrungen davon, daß nun, wo ich ihn als meinen Herrn betrachten mußte, seine Herablassung mich doppelt anziehen und einen sehr guten Eindruck auf mich machen müsse. Jedoch, obwohl mir seine Art und Weise außerordentlich gefiel, glückte es ihm doch nicht, mich glauben zu machen, daß er wirklich der warmherzige, leichtlebige Mann sei, als den er sich in seinen Geschichten darstellte, seine Augen waren zu kalt, sein schönes Gesicht zu steinern, als daß mich seine Reden bestochen hätten.

Indessen, ich fühlte nicht den geringsten Wunsch, mein Anerbieten zurückzuziehen. Die Stimmung, in die mich der Tod meines Vaters versetzt hatte, war derart, daß mir momentan alles gleichgültig war und ich mich sorglos in jedes Abenteuer gestürzt haben würde, welches geeignet war, mich von meinen trüben Gedanken zu befreien. Damals er­schien mir ein Teil der Welt ebenso gut als ein anderer - es war mir völlig einerlei, in welchen Erdteil mich mein Schicksal führte- mich feffelten keine Bande, ich hatte keine Heimat, die meinen Hoffnungen und Wünschen ein Ziel gab. In der That, die ganze Welt lag vor mir, mein Stern konnte kaum blasser und niedriger am Horizont stehen wie jetzt.

Sechstes Kapitel.

Ich unterzeichne den Schiffskontrakt.

Die Kleidungsstücke und die Wäsche, welche ich mir in London gekauft hatte, waren wohl geeignet, auf dem Quarter- Deck getragen zu werden, konnten mir aber in meiner Stellung vor dem Mast gar nichts nutzen.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen, bei welchem ich mit Kapitän Franklin und seiner Schwester, leider nicht zusammentraf, nahm ich meinen Weg zur Stadt, um einen für meinen Zweck geeigneten Kleiderladen aufzusuchen. Nach­dem ich auf meine Nachfrage hin zurecht gewiesen worden war, betrat ich einen solchen und wurde dabei Zeuge eines Auftritts, der mir wert erscheint, hier berichtet zu werden, als Beispiel der Behandlung, welche Matrosen von den Harpyen am Lande erfahren.

Der Laden wurde von einem Mann namens Aaron ge­halten, welcher sich während meiner Abwesenheit von Bah- port dort niedergelassen hatte. Ein roher, englischer Matrose hatte einen Wortwechsel mit ihm, als ich eintrat. Hinter einem Schreibpult stand ein junger Mensch, vermutlich Aarons Sohn. Ringsumher hingen Röcke, Westen und dergleichen, und auf Gesimsen lagerten große Stöße farbiger Hemden, Stiefel, Schuhe, Mützen, Gürtel und jede Art Tand, der von den Händlern zur Ausrüstung einer Teerjacke für nötig erachtet wird.

Aaron stand mitten im Laden, er war ein schmächtiger, kleiner Mann mit jüdischem Accent- jedes Glied an ihm bebte vor Aufregung. Der Matrose stand ihm drohend gegenüber und schimpfte ihn unter Flüchen einen gemeinen Dieb.

Da fall de entscheiden," schrie er, als ich eintrat. Maat, hier is en Hund von Bedreiger, de seggt, ik wter em seben Pund schüllig für drei Dag elendiges Logis in en olle Barack, wo de Dierns nicks beben, as den ganzen Dag Fisch kaken. Hei het stk von mi en Vorschußweßel er­gaunert, un will nau de Fründlichkeit hebben, mi dorup en oll Hos' für ein Pund antaureknen. Wat! Du miferab- liger Lippfisch!" brüllte er Plötzlich, indem er sich Aaron zu- wandte,willst du mi seggen, bat de Hos' ein Pund wert is?" und wies dabei mit einer Geberde unbeschreiblichen Ab­scheus auf ein Paar alte, widerwärtig aussehende Hosen, die Aaron in der Hand hielt.

Nu Sir, woll'n Se mal mich Heren?" sagte Aaron, indem er schmeichelnd zu mir trat.Ich kann seh'n, daß Se sind e feiner Mann und ich hab gern ßu thun mit feine Herrn, wenn's sich handelt um e Geschäft. Da is der Seemann, der kam ßu mer in mei bescheid'nes, kleines Haus"

Wat, wo näumst du dat, du Spitzbauw?" schrie der Matrose dazwischen,bescheiden? Du meinst woll be...... . ., du Lump."

Ich sage, bescheiden, Sir," erwiderte Aaron mit Würde und fuhr dann zu mir gewandt fort:Ich gebe Se mei Wort drauf, echte Geraniums in de Fenstern und Gemälde in de Wohnßimmer und in de Schlafßimmer. Sprech ich Ligen oder sprech ich de Wahrheit, Jtzig?"

De pure Wahrheit. Wenn der Herr ßweifelt, kann er geh'n und selbst seh'n- 's kost' nischt," antwortete der junge Aaron.

Se Heren, was mei Sohn sagt, Str," fuhr der Alte fort.Gut also, de Mann kam höflich, fragt nach Wohnung - gut, ich sag em, was se kostet- gut, er is ßufrieden; er ißt und trinkt, wie e Kenig, geschmortes und gebratenes Geflügel zum Mittagessen, Eier und Fisch ßum Frühstück und Pudding jeden Tag. Gut, er betrinkt sich einmal, ßweimal, viermal, siebenmal, siebenmal in drei Tagen, so lang er lebt in meinem Haus, Sir! Meine Tochter Rachel is schwach geworn in de Kniekehl'n, umn ßu bedienen mit dem besten Branntwein, echt'm französschem Odiwi, duftendem Jamaika Rum und bestem Wachholder. Der Mann weiß »ich,