Ausgabe 
15.4.1899
 
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Güll.

as dein Gedächtnis blos erfaßt, Bald wird dir's eine schwere Last.

Doch nimmst du's auf in Fleisch und Blut- Ist dir's ein leicht beweglich' Gut.

(Nachdruck verboten.)

Die kleine Lulu.

Seeroman von Clark Russell.

(Fortsetzung.)

Der Kellner nahm das Papier mit einem äußerst er­staunten Gesicht und verließ das Zimmer.

Kapitän Franklin zog nun eine dicke, hölzerne Pfeife und einen Tabaksbeutel hervor, stopfte sich die Pfeife und fragte, indem er mich aufmerksam ansah:Bin ich nicht heute morgen zusammen mit Ihnen geschwommen?"

Ja," erwiderte ich.

Ich dachte zuerst, ich hätte Sie irgendwo anders ge­troffen. Sie sind Seemann, nicht wahr?"

Allerdings, das bin ich.«

Sind Sie schon am Hafen gewesen?"

Gewiß."

Haben Sie unter den Schiffen eins gesehen, welches Ihnen besonders gefallen hat?"

Oh ja, an der Mole. Da liegt eine Brigg mit einem weißen Schiffsbild, das ist ein hübsches Schiff,- selten sah ich ein schmucker aussehendes Ding," sagte ich, sehr wohl ahnend, was kommen würde.

Es ist diekleine Lulu" und ich bin ihr Kapitän."

Ah, wirklich?"

Ja, und sie ist sogar mein Eigentum."

Da gratuliere ich, ich wüßte, einen, der an Ihrer Stelle sein möchte."

Das glaube ich," lachte er.

Du scheinst mir ein zufriedener Mensch," dachte ich, eigentlich müßtest du also auch ein guter Mensch sein, aber man kann sich täuschen."

Gestern nacht hatte ich ein kleines Rencontre," sagte er, sich behaglich zurücklehnend, den Rauch seiner Pfeife in Ringen ausstoßend und augenscheinlich erfreut, einen Zu­hörer gefunden zu haben, der sein nautisches Kauderwelsch verstehen konnte,kommt da so ein erbärmlicher französischer Hücker windwärts von mir gerade auf mich zu, als wenn er

in mich rein rennen wollte. Ich schrie den Leuten zu, sie sollten abhalten und mir vom Leibe bleiben, denn ich dachte nicht anders, als sie würden mir in den Stern fahren, aber sie hörten nicht. Nach wenigen Minuten hatten sie meinen Segeln allen Wind abgefangen, und erst als ihr Klüver­baum keine Kabellänge mehr entfernt war, warfen sie ihr Ruder herum und kamen mir so dicht längsseit, daß die Brigg die Vorbram-Raa verlor. Es hing an einem Haar, daß sie mich in den Grund bohrten. Wahrhaftig, die Fran­zosen sind in ihrer Ungeschicklichkeit auf See eine wahre Plage und noch schlechtere Seeleute als die Chinesen. Diese haben aber doch wenigstens die Einsicht, daß sie sich auf ihre Gewässer beschränken und nicht geradezu gemeingefähr­lich werden- das Franzosenvolk steckt aber seine Nase überall hin. Ein ungeschlachter, schwerfälliger Kerl, mit einem Knebelbart wie ein Splißeisen, wahrscheinlich der Kapitän, rief mir zu, die Rempelei wäre ganz allein meine Schuld. Was," schrie ich,meine Schuld? das Donnerwetter soll euch erschlagen!" Hätte ich Kanonen gehabt, dem schmutzigen Gesindel würde ich heimgeleuchtet haben, ich war gerade in der Laune dazu."

Ist diekleine Lulu" nach auswärts gefruchtet?" fragte ich.

Er antwortete bejahend und forschte, zu welchem Schiff ich gehörte. Ich erwiderte, daß ich gegenwärtig ein freier Mann sei.

An welche Art von Schiffen sind Sie gewöhnt?" erkundigte er sich.

An große Schiffe."

Sie lieben kleine Schiffe wohl nicht?"

Warum nicht? Kohlenschiffe gefallen mir allerdings nicht, aber das Kommando über ein Fahrzeug wie die kleine Lulu" würde ich ganz gern übernehmen. Im Ernst gesprochen, augenblicklich würde mir alles recht sein, was sich mir bietet."

Hier schien er die Absicht zu haben, das Gespräch fallen zu lassen. Ich glaube aber nicht, daß er meinen Scherz, das Kommando über seine Brigg übernehmen zu wollen, mißverstanden hatte.

Was sind Sie?" fragte er nach einer Pause kurz- Maat?"

Ja," antwortete ich, ohne zu gestehen, daß ich nur vierter Maat war.Fehlt auf Ihrer Brigg ein Maat?"

Oh nein; und wenn einer fehlte, wie lange denken Sie, daß die Stelle unbesetzt bleiben würde? Heutzutage