Ausgabe 
14.12.1899
 
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Zwei Arme breiteten sich ihm entgegen, eine Wolke von Wonne, Jugend, Liebe umhüllte ihn.

Es war Geist von seinem Geiste, was er im ArmeAielt, bas Werk seiner Bildung.

Der Traum des Pygmalion hatte sich erfüllt.

* * *

Als Herrmann nach einem Jahr von seiner Reise zurückkehrte, traf er das Paar schon vermählt. Gewohnt, alle Dinge mehr in dem klar wägenden Verstände, als gleich Holaus mit dem Gesühle abzumessen, war er nicht überrascht, ganz abgesehen von aufklärenden Briefen des Freundes.

Nachdem sein augenblicklich entflammter Zorn fich bereits in der Unterredung mit Holaus, einige Tage nach der ver­hängnisvollen Nacht, an dem tragischen Schicksale desselben gebrochen, war er selbst derjenige, welcher trotz aller Ein­wände und großmütigen Bedenken Holaus' diesen Abschluß mit Sicherheit voraussagte.

Ebenso rasch fand er sich in die neue, anfangs peinliche Situation, wozu ihm die offene Herzlichkeit Mariens nicht wenig verhalf, die ihr Wesen ihm gegenüber nicht im geringsten zu ändern brauchte, nachdem sie einmal sich selbst klar er­kannt.

* * *

Der Pygmalion aber kam zu hohen Ehren.

Er schmückt jetzt das Boudoir der Frau Holaus, der glücklichsten Frau unter der Sonne, weil es ihr vor allen Sterblichen gegönnt ist, eine doppelte Liebe zu genießen, die Liebe zu dem, dem sie ihre Auferstehung verdankt, ihrem wahren Lebensspender, und die Liebe zu dem Gatten.

Wie sollen die Weihnachtssendungen aussehen?

Der große Weihnachts-Postpaketverkehr stellt nicht allein erhöhte« Anforderungen an die Postverwaltung, sondern in gewissem Sinne auch an jeden, welcher in den letzten Tagen des gewaltigen Verkehrs eine Sendung der Post in der zu­versichtlichen Erwartung übergiebt, daß sie den Bestimmungs­ort unversehrt erreichen und ihren Zweck auch wirklich erfüllen, d. h. dem Empfänger zum Christfeste recht viel Freude be­reiten wöge. Um nun sich selbst vor Schaden und Verdruß zu bewahren und einem in der Ferne weilenden lieben An­gehörigen die zugedachte Weihnachtsfreude sicherzustellen, ist es unbedingt erforderlich, daß der zur Versendung bestimmte Gegenstand: 1. postordnungsmäßig verpackt und 2. möglichst frühzeitig zur Auflieferung gebracht wird. Nur fürpostordnungsmäßig" verpackt eingelieferte Sendungen leistet die Postverwaltung im Falle des Verlustes oder einer Beschädigung Ersatz und zwar in der Weise, daß der wirklich erlittene Schaden, jedoch niemals mehr als 3 Mark für je

Kilogramm, vergütet wird.

Unterpostordnungsmäßig" ist zu verstehen, daß der Gegenstand in so gesicherter und zweckentsprechender Weise verpackt ist, daß eine Beschädigung desselben, ohne besondere äußere Einwirkungen und Fahrlässigkeiten bei der postseitigen Behandlung, als ausgeschlossen erachtet werden kann. Zur Versendung von Flaschen mit flüssigem Inhalt, Glassachen und sonstigen leicht zerbrechlichen Gegenständen eignen sich am besten Körbe aus Weidengeflecht, weil dieselben elastisch sind und vermöge dieser Eigenschaft jeden Stoß, Fall re. bedeutend abschwächen. Dann versäume man nicht, die einzelnen, leicht zerbrechlichen Teile derart mit Heu, Stroh oder Hobelspänen nach allen Seiten zu umgeben, daß sie einander nnmtttelbar nicht berühren können. Papier eignet sich nur dann als Berpackungsstoff, wenn es in aus­reichender Menge, bezw. geballt Verwendung findet. Zur .Perpackung sonstiger Gegenstände wähle man, besonders wenn es sich um Sendungen im Gewichte von mehr als 5 Kilo­gramm handelt, starke Holzkfften. Eine Umschnürung mittels Bindfaden ist überflüssig, desto mehr achte man darauf, daß die Kiste gut, und zwar so vernagelt wird, daß nicht einzelne

Nägel aus den Holzteilen hervorragen. So ist in einem Falle festgestellt worden, daß bet der Handhabung einer von Berlin nach Köln bestimmten Kiste, aus welcher ein Nagel seitlich hervorragte, nicht weniger als acht Postunterbeamte sich die Hände, sogar zum Teil recht schwer, verletzt hatten.

Unter keinen Umständen benutze man, auch wenn es fich nur um kurze Entfernungen handelt, Zigarrenk sten, Hut­oder sonstige Pappschachteln, selbst wenn man sie noch so schön mit einer Papierhülle umgiebt und nach allen Regeln der Kunst verschnürt. Das Schicksal eines derartigenPost­pakets" ist besiegelt, sobald es die Bekanntschaft einer stärkeren, bezw. schweren Kiste macht.

Von ganz besonderer Bedeutung ist die haltbare und sichere Befestigung der Paketaufschrift Adresse. Am zweckmäßigsten ist es, die Adresse unmittelbar auf das Paket oder die Kiste niederzuschreiben- wo solches nicht angängig, nehme man weißes Schreibpapier und klebe die Aufschrift recht sorgfältig auf. Die Verwendung von Siegellack, welcher leicht abbröckelt, ist für diesen Zweck unstatthaft, ebensowenig dürfen Postpaket - Adressen zur Paketausschrtft benutzt werden, weil sich dieselben leicht ablösen. Für Körbe, unverpackt aufzuliefernde Gegenstände, Hasen, Geflügel re. empfiehlt es sich, die Aufschrift auf eine Fahne aus starkem Holz niederzuschretben. Die so beliebten Bretter einer Zigarrenkiste wohl, weil sie am ehesten zu haben sind brechen leicht und dürfen nicht benutzt werden, wenn der Absender sich und andere vor Schaden bewahren will. Die Befestigung der Fahne geschehe besonders vorsichtig und nur unter Benutzung guten, haltbaren Bindfadens. Es leuchtet ein, daß cs Mühe kostet und oft viele Tage, ja Wochen dauert, ehe die Postverwaltung den Empfänger einer auf­schriftlosen Paketsendung besonders zur Weihnachtszeit ermittelt hat.

Wer einigermaßen besorgt um das Wohl und Wehe einer Weihnachtssendung ist, der gebe dieselbe möglichst früh­zeitig, nach weit entfernt oder abgelegenen Orten am zweck­mäßigsten in der Zeit vom 18. bis 22. Dezember zur Post. Es darf auch nicht außer Acht gelassen werden, daß am ersten Weihnachtsfeiertage die Landbestellung im ganzen Deutschen Reiche ruht.

Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß sich zur Weihnachtszeit auch nicht jeder Gegenstand zur Beförderung mit der Post eignet. Da sieht man nicht selten für die lieben Enkelkinder ein schöngewesenes" Schaukelpferd mit zerbrochenen Beinen oder fehlendem Kopfe, hier einen teueren, aber zerdrückten Lehnsessel für den Großpapa und dort für die geliebte Braut einen wertvollen Ständer, Blumen- oder Nähtisch mit abgebrochener Säule oder geschundener Politur u. s. w., u. s. w. Hätte man da nicht besser gethau, die vorbezeichneten größeren Gegenstände der Bahnver- walrung zur Beförderung als Eilgut zu übergeben? Gewiß!

Silbenrätsel. (Nachdruck verboten.)

ach, ab, alt, aS, au, b, cf, crci, eer, en, ern, el, lau, 16, m, n, m, e, pH, r, ri, st, wci, z, zi.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangsbuch­staben, von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein Sprichwort ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:

1. Modernes Verkehrsmittel.

2. Festlich- Zeit.

3. Figur aus einer Wagner'schen Oper.

4. Ein Metall.

5. Futter eines nützlichen Insektes.

6. Dunkelfarbiges Mineral.

7. Bekannten Maler.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Verzichte ganz, so bist du frei von Schmerzen, Begreife, was notwendig, und sei frei, Zerbrich der Selbstsucht schnöde Tyrannei; Dann wird es Friede sein in deinem Herzen.

Felix Dahn.