Ausgabe 
14.12.1899
 
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I

Donnerstag den 14. Dezember. ;

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JsE/er Strom der menschlichen Geschäfte wechselt, ctm# Nimmt man die Flnt wahr, sühret sie zum Glück! Sero Versäumt man sie, so muß die ganze Reise

Des Lebens sich durch Not und Klippen winden.

Shakespeare.

Nachdruck verboten.

Pygmalion.

Novelle von Anton Frhr. von Perfall.

(Schluß.)

Von dem Gartenhause her kam Frau Opel atemlos gerannt. Von der anderen Seite Leute mit Lichtern, zum Glück allen voran der alte Wachtmeister.

Er machte rasch dem Jammern und Fragen seiner Gattin ein Ende und traf seine Anordnungen.

Marie wurde in das Gartenhaus getragen, gefolgt von der rastlosen Frau Opel, die Leiche des Erschossenen in die Fabrik gebracht.

Holaus war ihm dankbar für sein Eingreifen, noch mehr dafür, daß er keine Frage stellte.

Holaus und Herrmann blieben allein zurück.

Letzterer war weniger rücksichtsvoll, obwohl er die Wahiheit ahnte.

Wer war dieser Mensch?" fragte er.

Er war ihr Vater," erwiderte HolauS.

.Verdammt!"

Herrmann schleuderte den Revolver in da- Gras.

«Und Du hast es gewußt? Natürlich hast Du eS gewußt!"

Ich habe es gewußt."

«Und doch geschwiegen?"

Ihr zu Liebe! Wenn es ein Fehler war, so geschah es in relnster Absicht. Das kann ich beschwüren. Morgen hättest Du eS erfahren, daß sie nicht meine Tochter ist."

Morgen!"

Herrmann lachte zornig auf.

Wir sprechen uns morgen."

Er ging der Fabrik zu.

Holaus folgte ihm wankend wie ein Betrunkener. Er fand den Weg nicht und irrte in der Finsternis umher. Wie war eS denn geschehen? Was wollte der Unglückliche mit Marie? Sie mit sich nehmen, sie töten?"

Alles in Ordnung, wir verstehen uns, Herr HolauS." DaS waren feine letzten Worte. Was war in Ordnung? In was verstanden sie sich?Sie sprechen ja doch nicht, Sie find zu feig dazu." Ja, so sprach er. Wie kam er dazu? Es lag ja eine Aufforderung darin, zu sprechen. Und der Unglückliche kam der Aufforderung nach. Er wollte sich dankbar erweisen und ging zu Marie, wartete, bis str allein war und sprach.

Ja, so war es, nicht anders. Er hat ihn geschickt, unbewußt trat der ungezügelte Wunsch auf seine Lippen. Er war an allem schuld. An dem Mord? Nein, Mord war es nicht. Die Heirat ist aber unmöglich. Der den Vater getötet, kann nicht der Gatte der Tochter werden.

Er ging immer rascher, völlig planlos. Die Zweige peitschten sein Gesicht, Dornen zerrten an seinen Kleidern, plötzlich stand er wieder vor dem Gai-tenhause.

Das Eckfenster im ersten Stocke war beleuchtet Mariens Zimmer I Das Zimmer der Braut. Lange blickte er hinauf.

Und war eS nicht bester so? Liebte sie denn diesen Mann? Nein!Der Rechte kommt nicht, kann nicht kommen das sage ich Dir nicht" Deutlich hörte er ihre Stimme.Nun, weil er gerade so aur sehen müßte, empfinden wüßte"

Da floh er wieder in die Nacht hinaus. Nein und abermals nein! Er darf sich den L hn nicht holen diese- heimtückischen Verrates, es klebt Blut daran, ihres Vaters Blut.

Letztes Kapitel.

Drei Tage waren vergangen, deren Schwüle sich jede» bis zum geringsten Ai beiter herab fühlbar machte.

Man flüsterte sich alles Erdenkliche zu über die Leiche des Erschaffenen, die endgiltig als der gesuchte Dieb und Fälscher Andreas Fichtner festgestellt wurde, und doch kam nichts der Wirklichkeit gleich.

Die Villa lag still mit verhängten Fenstern Wie ein beunruhigendes Geheimnis da.

Herr Herrmann ging wider seine Gewohnheit wortlos mit gerunzelten Brauen umher. Er war nicht der Mann, sich über die rasche Thatache lange Vormüise zu machen. Außerdem war er ja in seinem vollen Rechte gegenüber diesem Schurken, der es gewagt, sich an seiner Braut, dem allgemein verehrten Fräulein, zu vergreifen. W nn man auch die Beweggründe dieses Uebersalles nicht begreifen konnte, so ließ man seinen Bermuiungen in dieser Beziehung freien Lauf. Darin war man einig, daß man an Stelle