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Nachdruck verboten.
„Fräulein Wendelin, lieber Baier," erwiderte Frau Falkner schnell, zugleich mit einer Handbewegung das junge Mädchen vorstellend.
„Wendelin," murmelte der Konsul wie ein leises Echo hinterher.
Der Professor am Fenster wandte plötzlich seinen Kopf herum und schaute wie grübelnd in Renatens Gesicht, aber er sowohl wie sein Vater suchten vergeblich sich die durch diesen Namen erregte Aufmerksamkeit zu erklären. Der Konsul nickte nach fruchtlosem kurzen Nachsinnen gleichgültig mit dem weißen Haupte, und der Sohn fragte sich, warum ihm der Name, den er doch neulich schon vernommen, mit einem Mal wieder aufficl.
„Ich störe Euch, wie es scheint," bemerkte der Greis nach einer drückenden Pause,- „warum spielen Sie nicht weiter?" Er sah Renaten wieder so starr und finster an. „Der alte Mann ist unbequem, ja wohl." Er wiegte den Kopf hin und her.
leidigen und gab ihre Erlaubnis etwas befangen. Max hätte sich für sein Leben gern angeschloffen, wagte es aber zu seinem eigenen Aerger nicht.
Frida lächelte malitiös beim Abschied, sie fand dies Zusammengehen sehr unnötig.
Viktor hatte sich wohl von Renatens Gesellschaft mehr versprochen, als sie ihm bot. Seine Begleiterin war schweigsam und schritt schnell vorwärts. Er wußte nicht, daß es Befangenheit war, denn das junge Mädchen war noch nie in Herrenbegleitung gegangen. Er war ärgerlich und bereute, nicht bet Falkners geblieben zu sein. Das Bild der reizenden Blondine trat jetzt vorteilhaft hell neben der Fremden auf, was ging diese ihn auch an? An ihrer Wohnung dankte Renata dem jungen Mann kurz, und er verabschiedete sich mit einer tiefen Verbeugung.
(Fortsetzung folgt.)
Erzählung von F. Arne selb t.
(Fortsetzung.)
Frau Falkner warf dem jungen Mädchen einen flehenden Blick zu, und dies nahm wieder Platz vor dem Instrument. Aber was sollte sie dem wunderlichen Eindringling Vorspielen? Ihre schlanken Finger irrten suchend über die Tasten, das Suchen aber wurde Melodie, die süß und schmeichelnd um die friedlose Seele des alten Mannes koste.
Geheimnisvoll woben die lichtlosen Ecken Gestalten aus I Corbus fuhr zusammen, aber schnell gefaßt, sagte er alter Zeit um den Greis, sie glitten schattenhaft durchs W höflich: „Sie irren sich wahrscheinlich in der Person,
Zimmer und nickten einander zu. Er sah sie/ aber wer | mein Herr, ich bin —H
waren sie? Er konnte den Faden nicht finden, und doch um- I //Der Dr. Corbus," fiel der Beamte ein und packte ihn garnte derselbe seinen Geist schon so lange, lange! fester, denn er fühlte, daß er ihm zu entschlüpfen versuchte.
Als die Töne verhallten, drang ein tiefer Seufzer vom »Ich kenne Sie sehr gut und bin Ihnen schon seit Stunden
Seffel her aus den Träumen des Großvaters,- ach, nun kam I gefolgt." wieder der dunkle Schleier und umwob ihn, und es hatte I //Aber, was wollen Sie von mir?"
ihn doch gedeucht, als wollte er zerreißen. | //Das sollte ein Mann, wie Sie wirklich nicht erst
Die alte Marianne kam mit Licht und tauschte mit ihrer I fragen," antwortete mit leisem Hohn der Beamte. „Wollen
Herrin einen freudig erstaunten Blick. j Sie mir jetzt gutwillig folgen?"
Der Konsul hob plötzlich den tiefgesenkten Kopf. „Sie Die Bewegung, die Corbus machte, schien ihm keine soll mir wieder Vorspielen, die Kleine dort," sagte er, auf zufriedenstellende Antwort auf diese Frage zu sein- denn er Renaten weisend, und er nickte ihr zu mit halbgeschlossenen I "eß gleichzeitig einen Pfiff ertönen, und plötzlich sah sich Lidern, ohne sie anzublicken. Dann erhob er sich langsam iener von einigen Gestalten umringt, die wie aus dem Boden mit einem gleichgültig klingenden „Gute Nacht, Kinder," und gewachsen schienen. Im Nu hatte der eine sich seines Hand- verließ mit Marianne das Zimmer. koffers bemächtigt, der andere ihm die Hände gefesselt- man
Eine tiefe Stille herrschte unter den Zurückbleibenden. naN ihn in die Mitte und führte ihn bis zum nächsten Drosch- Frau Falkner hatte Renatens Hand ergriffen und dankte ihr. I kenhalteplatz, wo er mit zweien seiner Begleiter in eins der „Sie haben meinem armen Vater wohlgethan, ich merkte wie I dort haltenden Fuhrwerke steigen mußte.
seine unstete Seele ruhte,- und nicht wahr, Sie thun es Der Beamte, dem der gute Fang gelungen war, hielt wieder?" I es für ratsam, ihn sogleich nach dem Polizeigefängnts am
Renata nickte feuchten Auges. j Alexanderplatz zu bringen und nicht, wie dies sonst üblich,
Die frühere Heiterkeit wollte nicht wiederkehren, so viel I bis zur Ablieferung am anderen Morgen nach einer der Mühe sich auch Max und Frida darum gaben. Viktor war I Polizeiwachen zu transportieren.
sehr nachdenklich und fing zu Fridas Verdruß ein ernsthaftes I Trotz der späten Stunde ward er noch durchsucht; da Gespräch mit dem Professor an. j er sich jetzt ganz ruhig und gefügig benahm, so entledigte
Renata dachte nicht gern an die Heimkehr, aber die I man ihn der Fessel und wies ihm auch ein ganz leidliches Abschiedsstunde schlug unerbittlich. I Gefängnis an.
//Noltes reisen morgen früh fort, um das Osterfest bei I ®r wußte die Wachsamkeit der Aufseher aber doch zu
dem Sohne und Bruder zu verleben," sagte Renata. | täuschen. Derjenige, welcher ihm am anderen Morgen das
„Und was wird dann aus Ihnen, fürchten Sie sich Frühstück bringen wollte, fand ihn entflohen in ein Land,
nicht schrecklich in der einsamen Wohnung?" fragte Frida, j au5 dem es keine Wiederkehr giebt. Er hatte sein Bettuch
Renata lächelte: „Fürchten thue ich mich nicht, wenns auch in Streifen gerissen und sich damit am Fensterkreuz erhängt,
recht stille wird, ich bin ja doch auch so auf mich allein ange- I Die That mußte geschehen sein, unmittelbar nachdem
toiefen* , klang traurig. I der Aufseher ihn eingeschlossen und sich entfernt gehabt.
, ('„l i e8( fuhr ste fort, „haben mich die Damen sehr I Er hatte vorher das Lager so geschickt zurecht gemacht, daß
freundlich eingeladen, mit ihnen zu reisen, ich ziehe jedoch I die Nachtwache, wenn sie durch die Scheibe in der Thür
vor, hier zu bleiben, ich bi» ja dort so fremd." j blickte, ihn darauf im Schlafe liegend glaubte und ohne sich
„Nun, dann bitte rch dringend, daß Sie für das Oster- I aufzuhalten weiter gegangen war. —
Sie w.l$ toeifen , Man fand unter den Corbus abgenomnenen, wie unter
wtnnender FreundlichkeitRenatenfiÄ-- / vVÄ’ ? feitter Wohnung zurückgelaffenen Sachen nur eine JJSJ sAbunou^ Hande hmstreckend. winzige Summe Geld, wohl aber einen sehr wertvollen
„Sie erlauben, Fräulein 23eudelin k« I von Aktien, die unschwer
" ^nbeiln,r daß ich Sie be- I als aus dem Sommerschen Diebstahl herrührend erkannt und wie Sie." lllenata konnte ps t. W _. । n*. er zugestellt wurden,
wie Sie. Renata konnte es mcht abschlagen, ohne zu be- 1 Die Behörde war überzeugt, daß auch der Schmuck auf


