Samstag bett 14. Oktober.
A 1899. - Rt. 147.
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agst du die Lüge noch so gut
In das Gewand der Wahrheit kleiden Der Dümmste ist nicht dumm genug, Um beide nicht zu unterscheiden.
Badenstedt.
Nachdruck verboten.
Der Gylfenhof.
Eine Erzählung von P. D i t f u r t h.
(Fortsetzung.)
Indessen studierte Max nach und nach an jedem der drei Fenster des Wohnzimmers die Aussicht, so gründlich er sie schon kennen mußte, gähnte dazwischen ungeniert in Tonleitern, und meinte schließlich, die Damen blieben doch recht lange.
Viktor hatte ein Album vorgenommen und äußerte, über den Rand desselben blickend: „Solche Damentoilette dauert immer ziemlich lange- wer die Damen kennt, müßte das doch wissen. Und Fräulein Wendelin wird Arbeit mit der ihren haben."
„Famoses Haar," bekräftigte Max, „sie sah ganz anders aus als mit ihrer gewöhnlichen, abscheulichen Frisur. — Findest Du sie überhaupt hübsch?" fragte er nach einer kurzen Pause.
„Hübsch im gewöhnlichen Sinne vielleicht nicht, aber interessant und vornehm") damit klappte Viktor sein Album zu. Indem traten auch die jungen Mädchen ein, und er gestand sich, daß Frida doch hübscher sei als Renata.
Frau Charlotte folgte bald. Ich möchte Sie wohl ein Mal spielen hören, liebes Kind," forderte sie ihren jungen Gast freundlich auf; „kommen Sie, versuchen Sie unseren Flügel, er steht leider sehr viel stumm und still."
„Ich habe aber noch nie vorgespielt," erwiderte Renata zögernd, „und möchte es auch lieber nicht thun."
„Siehst Du, sie ziert sich wie alle Mädchen," raunte Max seinem Freunde zu.
Die freundliche, ermutigende Bitte der Hausfrau überwand jedoch schnell die natürliche Schüchternheit. Renata ließ sich vor dem schönen, eleganten Flügel nieder und begann ein Lied ohne Worte von Mendelssohn.^
Sie spielte wunderbar schön, man merkte, daß sie nun die übrige Welt und ihre Zuhörer vergaß.
Eine tiefe Stille herrschte im Zimmer. Viktor schien auch der übrigen Welt entrückt zu sein, Frau Falkner lauschte mit tiefem Verständnis, und auch die Geschwister regten sich nicht.
Als Renata geendet, wagte Max nicht, wie er sich vorgenommen, zu applaudieren. Seine Mutter trat zu der ‘ Spielerin und küßte sie auf die Stirn, und Viktor verband mit einem herzlichen Dank die Bitte, ihm diesen Genuß zu verlängern. „O spielen Sie noch eins dieser Lieder, ich höre sie zum ersten Mal so vortragen, wie der Komponist sie empfunden haben muß."
Und Renata spielte das reizende Frühlingslied, das jetzt unwillkürlich in aller Herzen einen Widerhall fand.
Leise öffnete sich die Thüre vom Eingangszimmer her, und der Professor trat herein; mit unhörbaren Schritten ging er zum Fenster und ließ sich dort nieder, nur von seiner Nichte bemerkt.
Drüben hinter den Häusern ging die Sonne unter. Ein rosiger Schein übergoß die alten, grauen Häuser wie eine freundliche Jugenderinnerung ein Greisenantlitz.
Der Professor sah träumerisch in den leuchtenden Abendhimmel; der Sturm hatte sich, wie gewöhnlich bei Sonnenuntergang, etwas gelegt, aber er mochte wohl nur auf der Lauer liegen, bis die schönen Tinten verblaßten und er seinen grauen Wolkenmantel wieder darüber hinweg schlagen konnte.
Plötzlich fuhr der Professor aus seinen Gedanken auf. Eine barsche Stimme schrie wie eine grelle Dissonanz in die melodischen Töne und schnitt sie jäh ab. Erschrocken hielt Renata inne, und aller Augen richteten sich auf die Thür, in deren Rahmen die hühnenhafte, aber gebückte Gestalt eines alten Mannes erschien. Renata erkannte ihn sofort wieder und sah ihm etwas bange entgegen.
Frau Charlotte war zu ihm getreten und redete ihn in ihrer freundlichen Weise an:
„Hat es Dich gestört, lieber Vater? Ich glaubte nicht, daß Du die Musik in Deinem Zimmer hörtest."
Sie führte den alten Konsul bet diesen Worten vollends herein und. schloß die Thür hinter ihm.
„Ich soll wohl überhaupt nichts hören und sehen?" murrte er verdrießlich und ging, auf seine Tochter gestützt, einem großen Sessel zu, in welchen er sich schwerfällig niederließ.
„Wer spielte vorhin?" fragte er und richtete seine trotz des Alters immer noch guten Augen auf Renatens dunkle Gestalt, die jetzt neben dem Flügel stand. Es wurde ihr ganz beklommen unter diesem starren Blick.


