Ausgabe 
14.5.1899
 
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dort und an den Augen, ganz sein und leicht noch und das Haar, das schöne, leichtwellige, dunkelbraune Haar ganz, ganz einzeln und selten noch aber unleugbar vorhanden die ersten grauen Haare und der bittere Zug um den Mund und die tiefen Schatten in den Augen drei harte Worte sind's, die wehmütig von ihren Lippen fallen eine leise, versteckte Klage, versteckt hinter geißelnder SelbstironieEine alte Frau!" Sie sagt es, sich achsel­zuckend abwendendeine Frau von 86 Jahren eine alte Frau!"

Trotz dieser harten Selbstkritik machte sie auf das sorg­fältigste Toilette. Ein elegantes, schweres, schwarzes Seiden­kleid umrauscht ihre volle, imposante Figur in starren, schweren Falten, befriedigt schließt sie den letzten Haken der Taille und tritt noch einmal prüfend vor den Spiegel erschreckt weicht sie zurück, wie schlecht ihr das stand, das blasse, erregte Gesicht mit den nervös flackernden Augen, die so tief in ihren Höhlen liegen nicht unsichtbar sind die Folgen der durchrungenen, qualvollen Nacht sie reißt die Haken wieder auf und zieht die Taille ab, geht an den großen Kleiderschrank und entnimmt ihm eine Sammetblouse, die sie anzieht. Wie viel besser sie nun aussieht, wie gut der dunkelrote, leuchtende Ton des Sammets zu ihrem blassen Teint paßt früher trug sie stets diese stumpfe, rote Farbe.Er" hatte sie so gern darin gesehen ist es diese Erinnerung, die die glühende Röte ihr in die Wangen treibt, schon will sie die Blouse wieder mit der schlichten, unvorteilhaften Taille vertauschen nein sie zuckt un­geduldig mit den feinen Schultern, ihr Mund lächelt gering­schätzig pah, es ist ja gleich eine alte Frau eine Frau in ihren Jahren.------------

(Schluß folgt.)

Gemeinnütziges.

Feuchte Wohnung. Ein sehr einfaches Mittel, um zu erfahren, ob eine anscheinend feuchte Wohnung für den Menschen ohne Nachteil für die Gesundheit bewohnbar ist, besteht darin, daß das betreffende Zimmer fest verschlossen wird, worauf man in demselben eine ganz genau abgewogene Menge frisch gebrannten und fein gestoßenen Kalk aufstellt. Nach 24 Stunden wiegt man den Kalk wieder ab und stellt den Gewichtsunterschied fest. Beträgt die Gewichtszunahme mehr als 1 Prozent, so sind die Zimmer wegen der großen Feuchtigkeit der Luft für die Gesundheit der Menschen nach­teilig und sollten nicht bewohnt werden. Es müssen vielmehr Vorrichtungen getroffen werden, um in solchen Wohnungen den Feuchtgkeitsgehalt der Luft zunächst zu vermindern, was sich durch Verwendung von offenen Koksöfen am besten erreichen läßt.

Anstrich für feuchte Kellerräume: Gegen feuchte und modrig gewordene Mauern benutzt man in neuester Zeit folgenden Anstrich mit Erfolg: 93 Teile gepulverter Backstein mit 7 Teilen Bleiglätte werden in einer genügenden Menge Leinöl verrührt. Beide Teile sind getrennt zu pulverisieren, dann zusammenzumischen und mit dem Leinöl in eine Art Teig zu verarbeiten. Die auf die Wände gebrachte Masse verhärtet nach 34 Tagen und läßt dann keine Feuchtigkeit mehr hindurch treten.

Kesundyettspffege.

Die Luft im Kinderzimmer darf nicht durch aller­hand Gerüche verdorben werden. Weder benutzte Geschirre noch zum Trocknen aufgehängte Windeln, weder ledernes Schuhwerk noch schmutzige Wäsche, ja nicht einmal stark duftende Seifen und Parfüms sollen in dem Kinderzimmer geduldet werden. Ganz falsch ist das Bespritzen mit Karbol

oder Kiefernadeldust, das Verkochen von Eau de Cologne und das Abbrennen von Räucherpapier, -Pulver oder -Kerzchen, welches alles nur dazu dient, die üblen Gerüche zu ver­decken, nicht aber, sie zu beseitigen. Einzig und allein der reine Odem der Natur, d. h. die frische, klare Gottesluft finde Eingang in das Kinderzimmer.

Bergiftungsfätte. Ein Mittel bei Vergiftungen, das für die erste Hilfe in den meisten Fällen sich in Bereitschaft findet, ist folgendes: Ein starker Theelöffel voll gewöhnliches Salz und halb so viel Senf werden in einer Tasse mit warmem oder kaltem Wasser rasch verrührt, worauf das Ganze verschluckt wird. Dies wirkt fast augenblicklich als Brechmittel, wodurch der Inhalt des Magens herausbefördert wird. Gegen den etwa zurückgebliebenen Rest des Giftes -läßt man zuerst das Weiße von einem Ei und eine Tasse starken schwarzen Kaffe nehmen, weil diese Stoffe die Wirkungen vieler Gifte aufheben.

Uebler Mundgeruch. Ein einfaches Mittel dagegen ist, etwas Holzkohle zu kaufen und zu verschlucken.

Gegen Magenkrampf erweist sich bisweilen folgendes Hausmittel als wirksam: Man röstet einige Hände voll Hafer trocken in einer Pfanne, thut ihn in ein Säckchen und legt cs, so heiß man es vertragen kann, auf die Herzgrube.

Kalte Futzsohlenbäder sind ein energisches Mittel gegen chronisch kalte Füße und gegen hartnäckige Kopfschmerzen- Das Wasser, in dem man die Füße tüchtig aneinander reibt, steht im Gefäß nur 2 cm hoch. Die Dauer ist zwei Minuten. Man nimmt das Bad am besten unmittelbar vor dem Zu­bettegehen.

Gegen Brechdurchfall bei Kiudern hat sich folgen­des Hausmittel gut bewährt: In einem Gefäß ist das Weiße von 3 Eiern mit i/i Liter Wasser und Zucker so lange zu rühren, bis sich das Ganze gut vermengt hat. Hierauf reicht man die Flüssigkeit den erkrankten Kindern, den Umständen ent­sprechend, mit Löffel, Flasche oder aus dem Glase, so oft dieselben davon genießen mögen. An heißen Tagen achte man darauf, daß die Flüssigkeit nicht zu warm steht und dadurch verdirbt. Das Mittel muß mit jedem Tag frisch hergestellt werden, da das vom vorhergehendne Tage aufge­hobene schon zu alt und verdorben ist.

^nmsviftisehes.

Ansichts" -P ostkarten. Der kleine Moses: Vaterleben, geb wer zehn Pfennig vor'ne Karte mit Ansicht." Vater:Wie haißt zehn Pfenig? Hier haste de fünf, geh' auf de Post und kauf der 'ne Karte und schreib drauf: So'n kleiner Junge wie ich, der hat noch gar keine Ansicht."

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Kind ermund.Gelt, Mama, die Hasen freuen sich sicher auch auf Pfingsten?"Weshalb denn, Kind?" Dafür brauchen sie doch keine Eier zu legen. Papa, nicht wahr, die Republik ist die Frau des Königs von Frankreich?"

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Haute Nouveaute.FräuleinPaula, da ist noch ein alter, häßlicher Hut aus der vorletzten Saison was soll man mit ihm thun?" Stecken Sie einen Zettel mit Letztes Pariser Modell" dran und stellen Sie den Hut ins Schaufenster!"

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Aus der Kaserne. Grenadier:Seht nur, den Schulze hat seine Köchin wieder so voll gefüttert, daß er sich gar nicht rühren mag." Grenadier Schulze: Neidhammel, laß mich doch ruhig mein Liebesglück verdauen!" (Münchener Jugend.")

Redaktion: ®. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerci (Pietsch Erben) in Gießen.