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f er thörichste von allen Irrtümern ist, wenn junge, gute Köpfe glauben, ihre Originalität zu verlieren, indem sie das Wahre anerkennen, was von andern schon anerkannt worden war.
Goethe.
Nachdruck verboten.
Die Armenhausprinzesstn.
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Ein feines Lächeln huschte über ihr Antlitz, als sie erwiderte : „Dem Günstling der Fürstin, dem Mädchen, auf das die Sonne der fürstlichen Gnade fällt, glauben Sie Ihre Hand bieten zu dürfen, die Sie der armen Künstlerin vorenthalten mußten. Ist es nun diese Gunst der edlen Fürstin oder ist es meine Person, welcher Ihre Liebe gilt?"
„Wollen Sie mich verspotten, Elsie?"
„Ich. will nur die Wahrheit wissen."
„Nun denn — meine Liebe gilt nur Ihnen!"
„Ach, dann warten wir, bis die Sonne der fürstlichen Gnade mir nicht mehr scheint, bis ich wieder eine arme Künstlerin, eine „Dame vom Theater" bin."
„Wie soll ich Sie verstehen, Elsie?"
„Daß ich an Ihre Liebe nur glauben kann, falls Sie mir Ihre Worte von vorhin wiederholen, wenn ich wieder das bin, was ich war, ehe mich die hochherzige Fürstin zu sich nahm — die Armenhaus - Prinzessin — die arme Künstlerin."
„Elsie — Sie weisen mich zurück?!"
„Ich sagte nur, was ich denke. Nehmen Sie es für eine Abweisung, dann um so besser für uns beide, dann brauchen wir nicht wieder auf diese Unterredung zurückzukommen."
„Sie spielen mit mir, Elsie!" Ich warne Sie — Sie wandeln einen gefährlichen Weg — hüten Sie sich, daß nicht ein Schritt Sie in den Abgrund stürzt."
„Herr Rittmeister . . .?"
„Hüten Sie sich, Elsie! Ich lese in Ihrem Herzen — ich habe Ihr Geheimnis erraten — Sie lieben mich nicht, weil Sie einen anderen lieben — aber dieser andere ist für Sie unerreichbar!"
Eine heiße Glut überflammte das Antlitz Elsies. Sie sah ihr Geheimnis erraten — sie sah sich dem Spott, dem
Hohn der Welt ausgesetzt, wenn der Rittmeister seine Entdeckung weiterplauderte- sie erinnerte sich plötzlich des heimlichen Geflüsters um sie her, der spöttisch lächelnden Blicke, sie wußte, daß sie verloren war, wenn ihr Geheimnis der Welt bekannt wurde.
Mit einemmale durchschaute sie den Plan des Rittmeisters, der sie umschlossen, umlauert hatte, um ihr Geheimnis zu entdecken und der sie jetzt durch seine Mitwissenschaft zwingen wollte, seiner Werbung Gehör zu schenken.
Sie bebte zurück vor dem triumphierenden Aufleuchten seiner Augen, vor dem sieghaften Lächeln seiner Lippen, vor der kalten Grausamkeit seiner Worte. Ein Nebel senkte sich vor ihre Augen, sie wankte, und wäre zu Boden gestürzt, wenn der Rittmeister sie nicht aufgefangen hätte.
Er hielt sie fest umschlungen und halb bewußtlos lag sie in seinen Armen.
„Elsie," flüsterte er leidenschaftlich, „ich schwöre, daß ich Sie liebe, wahnsinnig liebe — verzeihen Sie mir, wenn ich Sie verletzt habe, wenn ich unzart an einem Geheimnis Ihres Herzens rührte, das Sie selbst vielleicht noch nicht erraten haben, ich glaube an Sie — ich weiß, daß Sie Ihre Ehre, Ihren Stolz über alles hoch halten — aber Sie sind unerfahren in dieser Welt. Sie sind unvorsichtig, Sie stehen der Welt schutzlos gegenüber, lassen Sie mich Ihr Schutz sein und kein Wort des Tadels, des Zweifels und des Spottes wird Sie treffen. Ich weiß, daß der Herzog Sie liebt, ich weiß aber auch, daß der Herzog viel zu hochherzig denkt, als daß er Ihrem Glück entgegentreten wollte. Und wenn Sie den Herzog geliebt haben — in meiner Liebe werden Sie den thörichten Traum Ihres jungen, unerfahrenen Herzens vergessen. Elsie, meine geliebte Elsie, darf ich mit der Herzogin sprechen, Ihrer mütterlichen Beschützerin?"
Er beugte sich zu ihr nieder, um sie zu küssen.
Da entriß sie sich seinen Armen und stieß ihn zurück. Der Trotz ihrer Kindheit überkam sie wieder. Sie wollte sich nicht zwingen lassen, sie wollte selbst um den Preis einer ehrenvollen, gesicherten Zukunft ihr Herz, ihre Liebe nicht verkaufen. Sie fühlte sich stark genug, der Welt, der Gesellschaft die Stirne zu bieten, sie wollte sich nicht selbst aufgeben, sie wollte ihr Herz, ihre Liebe, ihr höchstes Heiligtum nicht selbst verraten.
„Ich weiß nicht," sprach sie mit tiefer, bebender Stimme, „was Sie alles gesprochen haben. Nur das Eine hörte ich aus Ihren Worten heraus, daß Sie mich für schwach und am Ende gar für ehrlos halten."
„Elsie!"


