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stch weidlich darüber lustig machte. Namentlich war es die Sehnsucht nach einem Lebensgefährten, die sie nicht zu ver­bergen vermochte und welche der naseweise Kobold zur Ziel­scheibe seines Mutwillens machte,- hatte Fräulein Selterlein sich doch leider bei ihren verschiedentlichen Bemühungen in dieser Hinsicht schon manche Blößen gegeben. So männlich und energisch ihr Aeußeres, so empfindsam und zärtlich war ihr Inneres.

Jetzt nun hatte Fränzchen ihr keckes Näschen in eine ganz ernstliche Herzensangelegenheit der armen, ahnungslosen Dame gesteckt und fand dabei in ihrer Cousine, Frau Toni Walter, die nur wenige Jahre mehr zählte, eine Bundes­genossin, welche zwar hie und da ihre Frauen- und Mutter­würde hervorkehrte, aber im ganzen doch viel Verständnis für Backfischstreiche besaß. Instinktmäßig fühlte Fräulein Selter­lein das wohl; denn seit die junge Frau zum Besuche da war, zog sie sich mehr und mehr zurück, selbst von Herrn Ellners Gesellschaft. Ihre zarten Aufmerksamkeiten, die sie, von stiller Hoffnung beseelt, ihm gewidmet, hatten leider keine Beachtung gefunden, und es war nur ihrer Gutmütigkeit zu verdanken, daß sie trotzdem ihre Pflichten pünklich erfüllte.

Eilig ging sie die Treppe hinauf in ihr Zimmer, band die Küchenschürze ab, bürstete die Simpelfranzen, die ihr Gesicht eher entstellten als verschönten, und überhauchte die harte Röte desselben zart mit Puder, dann eilte sie wieder hinunter ins Eßzimmer.

(Fortsetzung folgt.)

Verkehr und Sport im Winter früher und jetzt.

Bis vor zehn Jahren war der Schlittschuh der alleinige Herrscher im Reiche des winterlichen Sports, während der Hörnerschlitten im Riesengebirge und der Pickschlitten in einzelnen Seengebieten und an der Ostsee im wesentlichen Transport- und Verkehrszwecken dienten. Erst mit der Ein­führung des Schneeschuhlaufens, das anfangs auch nur aus Verkehrsinteresien erfolgte, entwickelte sich in Deutschland wie mit einem Schlage der Wintersport und Winter-Tourismus mit allen seinen charakteristischen Erscheinungen. Wenn man im Winter früher unlustig hinter dem Ofen hockte und nur im äußersten Falle tief eingemummt sich hinauswagte, oder wohl gar durch die Schrecken des Winters tagelang vom Ver­kehr abgeschnitten war, beleben jetzt im Gebirge, wie im Flachlande tausende von Schneelern die blendende Schnee­fläche und die glatten Chausseen. Die Schrecken des Winters, die in Gestalt von Schneeverwehungen für ganze Ortschaften oft in peinlicher Weise sich fühlbar machten, sind durch die Benutzung des Schneeschuhes gebannt, und die fußhohe Schnee­fläche, die früher manchem Wanderer zum Grabe geworden war, gestaltet sich durch den Schneeschuh zu einer gern be­tretenen Bahn des Verkehrs. Der ungeahnte Erfolg, welcher die Einführung des Schneeschuhes in Mitteleuropa hatte, ver­anlaßte denWintersportverlag--' in Berlin, dem die winter­sportliche Bewegung in Deutschland zu danken ist, speziell durch sein energisches Eintreten für die Benutzung eines wirklich richtig konstruierten Schneeschuhes, das deutsche Publikum mit der Benutzung weiterer Wintersport- und Ver­kehrsgeräte bekannt zu machen. Ein Hindernis für den Verkehr können Schnee und Eis jetzt den mit geeigneten Ge­räten ausgerüsteten Menschen nicht mehr bieten, auch ist die Ausübung des Wintersports bei allen Eis- und Schneever­hältnissen, sowie für jedes Terrain ermöglicht.

Von diesen Geräten ist zunächst der Rennwolf insofern das am allgemeinsten verwendbare Wintersportgerät, als der­selbe auf der Schnee- und Eisfläche gleichmäßig seine Bahn findet, und weil er an die Gunst der Witterung die geringsten Anforderungen stellt. Die Erfahrung lehrt, daß er selbst im mildesten Winter ohne Ausnahme einige Wochen hindurch benutzt werden kann. Während jedoch das Schneeschuhlaufen

auf unbefahrenen Wegen sich am flottesten gestaltet, ist für die Benutzung des Rennwolfs Vorbedingung, daß der Fuß einen gewissen Widerstand findet, Chausseen, be­fahrene Straßen, Schlittenwege, die Eisbahn sind das eigent­liche Gebiet des Rennwolfs, der somit überall dort zu ver­wenden ist, wo man Schlitten fahren kann.

Einer besonderen Anleitung zur Benutzung des Renn­wolfes bedarf es nicht. Der Schlitten kann sofort ohne jede Vorkenntnisse von Personen jeden Alters, jeder Körperkonstitution und jeden Körpergewichts, von Herren, Damen und Kindern benutzt werden. Die Fortbewegung geschieht in der Weise, daß der Fahrer mit einem Fuß auf einem der hinteren Kufenenden steht, sich mit der Hand an der Querstange festhält, und mit dem andern Fuß zwischen den Kufen nach rückwärts abstößt. Man wechselt dabet nach Belieben das Standbein.

Dem Schlittschuh ist der Rennwolf dadurch überlegen, daß die Eisbahn, wenn sie mit einer Schneedecke überzogen, für den Schlittschuhläufer unfahrbar geworden ist, dem Renn­wolf noch immer eine vorzügliche Bahn darbietet,- ferner auch dadurch, daß wegen der 22,5 Meter langen Kufen ein Einbrechen selbst auf schadhaftem oder schwächerem Eise ausgeschlossen ist. Der Rennwolf ist deshalb behörd­licherseits eingeführt, um im Eise etngebrochene Personen zu retten, und dürfte in seiner Eigenschaft als Rettungsapparat auf Eisbahnen ausgedehnte Verwendung finden. In Berlin find z. B. am 30. Dezember 1895 von dem Schweden Stevenson hochinteressante Versuche nach dieser Richtung hin angestellt, die ergaben, daß ein erwachsener Mann mit dem Rennwolf selbst über Stellen ungefährdet hinweggleitet, wo ein Kind eingebrochen wäre. Die Schnelligkeit, welche mit dem Gefährt zu erreichen ist, ist eine außerordentliche, in einer Stunde laffen sich ohne sonderliche Anstrengung bis zu 20 Kilometer zurücklegen.

Der Rennwolf qualifiziert sich somit als ein ganz her­vorragendes Verkehrsmittel, dessen Zukunft für den Winter­verkehr der des Fahrrades für den Sommerverkehr gleich­kommt. Besonders ist darauf aufmerksam zu machen, daß die Benutzung desselben eine der gesündesten Bewegungen darstellt, deren große hygienische Vorteile auf den ersten Blick einleuchten, und endlich ist das Rennwolffahren der geeignetste winterliche Damensport, der sich als solcher bereits der größten Beliebtheit erfreut, da er die Reize einer Schlitten­fahrt mit erfrischender körperlicher Bewegung verbindet. In Deutschland stellen die märkischen, mecklenburgischen, masu­rischen, holsteinischen rc. Seengebiete, der Spreewald, sowie die Meeresküsten das Eldorado der Rennwolftouristen dar. In Schweden, neuerdings auch in Oesterreich-Ungarn und in Deutschland hat man begonnen, den Rennwolf militärischen Zwecken dienstbar zu machen. Für Jäger und Forstbeamte empfiehlt sich das Gerät besonders dadurch, daß es sich zum Transport von Wild, Futter rc. trefflich eignet, ebenso zum Fischen auf dem Eise ist derselbe ungemein gut verwendbar. Eine zweite Person kann vorn aufsitzcn, wobei natürlich die erzielte Geschwindigkeit eine etwas geringere ist/ dem Einzelfahrer bietet er Gelegenheit zur Mitnahme von Rucksack, Photographischem Apparat, Proviant rc. Er ersetzt im Winter das Fuhrwerk und ist namentlich für einsam gelegene Gehöfte zu empfehlen, denen die Verbindung mittelst Geschirr nicht nur wegen zu starker Schneemassen, sondern namentlich auch wegen überglatter Chausseen abgeschnitten ist, wie denn auch bei Glatteis der Rennwolf vortreffliche Dienste leistet. Aus allen dielen Gründen ist der Schlitten auch besonders dazu angethan, dem Landpostboten seinen be­schwerlichen Dienst zu erleichtern. Jngenteuse Rennwolf­fahrer bedienen sich bei seiner Benutzung zuweilen bergauf eines Hundes und vermögen so mühelos und angenehm weite Strecken zu durcheilen.

Unter dem NamenSchneeschneider" ist ein Gerät zur Einführung gelangt, welches ein Mittelding zwischen Rennwolf und Schneeschuh bildet und da Verwendung findet,