1899.

Dienstag den 14. Februar

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^^Aeder Tag, ist er vergebens, Ist im Buche deines Lebens 13? Nichts, ein unbeschriebenes Blatt.

Wohl, wenn morgen, so wie heute, Steht darin aus jeder Seite Von dir eine gute That.

C. F. Weiße.

^Nachdruck verboten.!

Auf Freiersfüßen.

Von P. Ditfurth.

I.

Herr Gotthold Keller ging in seinem Wohnzimmer auf und ab. Es war ein einfaches Gemach mit altmodischer Einrichtung, Hellen, prosaischen Birkmöbeln, die die Politur schon teilweis eingebüßt hatten, steifgestärkten Filetgardinen und gehäkelten Decken in allen Größen. Herr Gotthold Keller bekundete damit viel Pietät, daß er alles so gelassen, wie es zu seiner Eltern Zeiten gewesen war. Neben diesem Privatgemach lag ein finsteres Kontor, das wieder an den geräumigen!,Laden stieß,- denn Herr Keller war Kaufmann, Be­sitzer eines flotten Materialwarengeschäfts. Er hatte sich mit der Zeit das laute Denken angewöhnt mit Frage und Ant­wort, und schon oft waren diese Selbstgespräche zu Verrätern an seinem innersten Meinen geworden. Darum war es gut, daß Herr Gotthold heute das Wohnzimmer zu seinem Herzens­erguß gewählt hatte, so hörten die naseweisen Ladenjünglinge nur ein undeutliches Gemurmel, denn der Chef war erregt wie nie/ stand er doch vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens:er wollte heiraten."

Eben zog er wieder ein stark duftendes Brieflein von zartgrüner Farbe aus der Brusttasche und beäugelte es mit still verklärtem Ausdruck. Er wendete es hin und her, bis sein Blick mit befriedigtem Lächeln auf der schön und korrekt geschriebenen Adresse haften blieb:®. K. 150 Lendheim postlagernd," begann er sein Selbstgespräch wieder,welch schöne Handschrift, sie verrät einen edeln, harmonischen Charakter. Und wie verheißungsvoll sieht dieses grüne Papier mich an! alle die rosenroten Briefchen verblassen dagegen ganz und gar." Er lächelte:Ja, sie wird es ihnen allen, die mich verschmäht, zeigen, '.was sie zurückgewiesen

haben, ja, sie soll ein glänzendes Los an meiner Seite haben. Und werde nicht auch ich ihr gefallen?"

Er trat vor den Spiegel, der zwischen den Fenstern hing und musterte sich mit Gründlichkeit. Wohlgefällig wiegte er den kugelrunden Kopf auf den unverhältnismäßig breiten Schultern hin und her und zwinkerte mit den Augen. Sie waren braun, aber schon stark verblaßt, und die kleine Pupille sah aus, wie auf den geblich weißen Augapfel auf­geklebt. Zudem standen sie merkwürdig weit von einander ab, so daß die überaus kleine Nase mit ihrer kartoffelartigen Endung ziemlich heimatlos und einsam in diesem umfang­reichen Antlitz stand. Auch der Mund konnte für klein gelten, sah aber immer aus, als ob Herr Keller pfeifen wolle.

Er strich befriedigt über sein glattrasiertes Gesicht und zupfte an der glänzend braunen Perrücke, sie sah doch recht natürlich aus und stand ihm ausgezeichnet. Männlich reckte er Brust und Schultern, die zu kurz geratenen, sanft ge­bogenen Beine sah er nicht:Ich sollte meinen, ich könnte mich sehen lassen," sprach er nach dieser günstig ausgefallenen Prüfung,dazu in den besten Jahren, und mein gutes Gemüt, ja, ich muß beglücken! Aber sie, wie mag sie aussehen? sie schreibt, ein Bild besitzt sie leider nicht, und doch wüßt' ich gern, ob sie auch ein bischen hübsch ist." Er versank in Sinnen. Durch ein Klopfen an der Thüre wurde er aufgeschreckt, auf seinHerein" erschien ein Mensch mit einem pfiffigen Gesicht in Hausdienerkleidung, er zog vorsichtig die Thür ins Schloß und kam ziemlich nahe an Herrn Keller heran.

Es ist gut, daß Du endlich kommst, Anton," sagte der Chef,morgen trittst Du Deine Wanderung durch die Dörfer an und nimmst Bestellungen auf Bier entgegen. Du we.ßt, unsere Flascheubierniederlage ist rentabel, das vorige Mal hatten wir auch viel Aufträge." Anton nickte.Du fährst bis Langendorf, und von da gehst Du die umliegenden Ort­schaften durch." Herr Keller räusperte sich jetzt, und Anton blinzelte verschmitzt.Hier ist ein Brief," er zog einen solchen von gleicher Farbe, wie der empfangene war, hervor, den besorgst Du heute noch auf die Post, ich habe berechnet, daß er morgen früh um neun in Langendorf eintrifft, um dieselbe Zeit wie Du. Halte Dich auf der Post auf und beobachte den Schalter/ Du stehst, der Brief ist als post­lagernd bezeichnet. Nun paßt Du genau auf, wer ihn ab­holt, eine Dame ist es jedenfalls, Du betrachtest sie Dir genau, und beschreibst sie mir, ihr Aussehen und Wesen, kannst auch unauffällig nachgehen, wohin sie sich wendet, vielleicht findest Du Gelegenheit, etwas über ihre Verhältniffe