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Der Gemüsemarkt bietet wenig Ueberraschung, alles liegt in Vollendung und sommerlicher Reife vor uns. Schnitt- und Wachsbohnen sind von empfehlenswerter Güte, und besonders sind es die Wachs- oder Brechbohnen, die jetzt für Salat und Gemüse bevorzugt werden. Einfach und sehr schmackhaft ist folgende Zubereitung: Die Bohnen werden abgezogen, in fingerlange Stücke gebrochen und in Salzwasser gekocht. Alsdann schwenkt man sie mit 100 Gramm Butter, 10 Gramm Liebig's Fleisch-Extrakt und zwei Löffeln gewiegter Petersilie solange über dem Feuer, bis sie Fett und Fleische Extrakt aufgesogen haben, würzt sie mit wenig Pfeffer und giebt sie zu Tisch.

Gute Schoten halten gute Preise, während Kohlrabi und Blumenkohl billig sind. Wirsing oder Welschkohl ist schon in fester, guter Ware zu haben, und in noch nicht großen aber festen Köpfen kommt Weiß- und Rotkohl reichlich zum Markt. Das Interesse der Marktbesucher hängt vielfach nur an der Gurke. Die saftig feinen Salatgurken aus den Frühbeeten sind rar, dagegen sind Landgurken reichlich und im Preise niedrig, so daß im Großen an das Einlegen der Salzgurken gedacht werden kann.

Pilze sind in Massen am Platze, Steinpilze, Reisker, Rotkappen, Butterpilze und ganz besonders reichlich der be­liebte und immer gern gekaufte Pfifferling.

Der Obstmarkt ist ungemein bunt aber nicht gerade reich, es sind jetzt alle Früchte des Jahres zu haben. Süß­kirschen sind schon im Abnehmen, sie blieben teuer und auch auf eine gute Sauerkirschen-Ernte ist wenig Aussicht. Blau­beeren sind für dieses Jahr die billigsten Früchte. Beerenobst aus heimischen Gärten ist jedoch recht knapp. Aus dem Süden dagegen werden wir reichlich mit Obst versorgt. Aepfel und Birnen aus Südtirol, Pflaumen aus Ungarn, die ersten dünn­schaligen Weintrauben aus Istrien und Bozen, Aprikosen aus Ungarn und Pfirsiche aus Oberitalien prangen in den Delikateß-Läden. Tomaten sendet uns das Tokaier Gebiet in hochroten prächtigen Früchten. Die Tomate liefert eine anerkannt feine Suppenwürze, namentlich aber unübertreff­liche Sauce. Unseren deutschen Hausfrauen ist ihr Wert weniger bekannt, während der Südländer diese herrliche Frucht auf seiner Tafel nicht misfen will. Der Kenner weiß, daß das mittelmäßigste Fleisch durch Tomatensauce zu einem wahren Leckerbissen werden kann. Zu einer wohlschmeckenden Sauce schneidet man sechs große reife Tomaten durch, legt sie nebst 30 Gramm rohem, würfelig geschnittenem Schinken und einer Zwiebel in 50 Gramm zerlassene Butter und schwitzt sie darin durch. Dann giebt man etwas gemischtes Gewürz, 40 Gramm Mehl und */2 Liter kochendes Wasser dazu, fügt Salz und 8 Gramm Liebig's Fleisch-Extrakt hinzu und kocht die Sauce langsam 40 Minuten. Alsdann streicht man die Sauce durch, giebt einen Theelöffel Zitronensaft, eine Prise Zucker und Pfeffer daran und rührt sie, wenn man will, noch mit einem Eigelb ab. Auch als Gemüse mit Fleischfarce gefüllt oder als Salat ist die Tomate ebenso vorzüglich.

An frischen Kräutern giebt es meist 'nur Theekräuter, zahlreiche Büsche blühenden Absynthes oder Wermut, die an die Bitterkeit des Lebens erinnern, wie überhaupt der Kräuter­markt im August groß an Bitterkräutern ist.

Ein artiger Freier.

------- (Nachdruck verboten.)

Der alte Herr hatte, im Grunde genommen, gegen den jungen Mann als Schwiegersohn nichts einzuwenden, aber er war einer jener alten Herren, die immer etwas einzuwenden haben, um dann ihre Einwilligung zu geben, mit der Würde von Leuten, welche eine ganz besondere Gunst zu verleihen haben. Als der junge Mann seinen Besuch machte, war er vorbereitet.

So", rief er grimmig, noch ehe der Freier ausge­sprochen hatte, .Sie wollen meine Tochter heiraten? was? und ich soll dazu meine Einwilligung geben?"

Der junge Mann erwiderte sehr kühl:

Das habe ich nicht gesagt".

Der alte Herr schnappte nach Luft:Aber Sie wollten es doch sagen?"

Wer sagte Ihnen, daß ich das wollte?" fragte der andere, der sich seines Vorteils bewußt war.

Aber Sie wollen doch, daß ich Ihnen gestatte, sie zu heiraten, nicht wahr?"

Nein".

Nein!" rief der alte Herr, und fiel beinahe vom Stuhl.

So sagte ich".

Was zum Teufel wollen Sie dann aber?"

Ich wünsche, daß sie Ihre Einwilligung geben", erwiderte der Jüngling liebenswürdig.Ich heirate fie zwar auf jeden Fall; aber wir meinten, Ihre Einwilligung würde unsere Ehe angenehmer einleitcn".

Der alte Herr bedurfte einer Minute, um der Situation Herr zu werden. Dann streckte er die Hand aus.

Gieb mir die Hand, mein Junge", sagte er,ich habe mich nach einem Schwiegersoh < umges>hen, der etwas Mut hat, und ich glaube, du entsprichst den höchsten Anforderungen".

Gemeinnützigem

Wasserdichtmache« von Leder. Zum Wasserdicht­machen von Leder wird folgendes Gemisch empfohlen: Kaut­schuk 100 Teile, Petroleum 100 Teile, Schwefelkohlenstoff 100 Teile, Gummilack 400 Teile, Beinschwarz 200 Teile, Alkohol 200 Teile. Man läßt den Kautschuk in einem ge­schlossenen Gesäße mehrere Tage lang mit dem Schwefel­kohlenstoff stehen, giebt dann das Petroleum, den Alkohol und den Gummilack (letzteren als feines Pulver) hinzu und läßt das Gemisch an einem 50 bis 52 Grad Celsius warmen Ort so lange stehen, bis es klar geworden ist. Man giebt dann das Beinschwarz hinzu und füllt den fertigen Firnis in gut verschlossene Gefäße ab. Ob er sich auch zu Stiefel­schmiere eignet, müßte ein Versuch lehren) jedenfalls thut man gut, wenn man zu dem Zwecke sich erst eine kleine Probe anfertigt.

Iür die Küche.

Bei großer Hitze einen kalten Trunk zu nehmen, er­weckt zwar momentan ein Gefühl der Befriedigung, ist aber der Gesundheit nicht zuträglich, in vielen Fällen sogar schädlich. Die beste Labung ist eine mäßig warme Bouillon, welche nicht nur den Durst besser löscht, sondern auch die Nerven angenehm anregt. Fügt man noch einige Tropfen Maggi hinzu, so erhält maw ein ganz vorzügliches Getränk.

Hammelz««gen mit dicken Bohnen (Sandohnen). Die gesäuberten, mit Salz abgeriebenen Zungen werden mit einem Kräuterbeutelchen in Salzwasser weich gekocht, in kaltem Wasser abgekühlt, abgezogen und einstweilen beiseite gestellt. Die ausgehülsten Bohnen (etwa 1 Liter) kocht man in Salz­wasser halb weich, röstet in gutem Fett eine feingeschnittene Zwiebel und einen gehäuften Kochlöffel Mehl blaßgelb, ver­dünnt mit der Zungenbrühe, giebt die abgegosfenen Bohnen dazu und kocht sie mit einem Sträußchen Bohnenkraut, etwas weißem Pfeffer und dem noch nötigen Salz weich, aber nicht breiig. Das Gemüse kräftigt man mit etwasMaggi" und giebt es zu den Hammelzungen, die man inzwischen halbiert, gesalzen, etwas gepfeffert, in Ei und Reibbrot gewendet und in heißem Schmalz überbacken hat.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schcn UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießm.