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Gein-rirnütziges.

Jett und Karten.

Um die unangenehmen, unästhetischen und gleichzeitig räuberischen Kellerasseln im Keller von den eingeschlagenen Gemüsen, in den Frühbeeten von den jungen Pflanzen, in den Champignonkulturen rc. fernzuhalten, wendet man an besten durchschnittene und ausgehöhlte Kartoffeln an, die man mit der Höhlung nach unten legt. Die Tiere kriechen, an­gelockt von der frisch angeschnittenen Kartoffel, hinein und bleiben, da sie das Dunkle lieben, darin lange fitzen. Wenn man die Kartoffeln 2 mal des Tages ausschüttelt und die Tiere vernichtet, so ist man die Plage bald los. Aus den Fugen in den Frühbeeten vertilgt man sie auch, wenn man in dieselben in Wasser aufgelösten, gelöschten Kalk gießt.

Von schädlichen Insekten erwirbt sich im Mai vor allen der Apfelblütenstecher eine traurige Berühmtheit. Man geht ihm am besten zu Leibe, wenn man mit einer oben beschwerten Stange an die Aeste schlägt. Der kleine ge­fräßige Kerl ist schlecht auf den Beinen. Bei einem kräftigen, kurzen Ruck fällt er herunter und auf das untergelegte Tuch. Ein Bad in Seifenwasfer bereitet ihm einen schnellen, schmerz­losen Tod. Im übrigen sind unsere besten Mitkämpfer im Streite gegen die Jnsektenwelt alle eingezogen. Schutz den Vögeln vor Menschen und Katzen! Alle sind da, Nachtigall und Grasmücke, Lerche und Amsel, Fink und Pirol, Drossel, Hänfling, Zeisig, mit ihrem herzerfreuenden Singsang, der in immer wieder neuen Tönen verkündet:Der Mai ist ge­kommen!"

Die Erdbeeren werden bei trockenem Wetter gut be­wässert. Das heißt aber nicht ein bischen plätschern, sondern volle Kannen geben! Bei hochstämmigen Stachel- und Johannisbeeren entferne man alle sich bildenden Wurzel­schosse, ebenso bei Rosen. Den Spargel, dies köstlichste aller Gemüse, wolle man recht vorsichtig stechen, die Erde rund um die Stangs mit dem Finger stets vorher entfernen, das Loch aber wieder glatt streichen. Es sind mancherlei Apparate und Messerformen zum Stechen erfunden, sie laufen jedoch mehr oder minder auf Spielerei hinaus. Man wähle das einfache, lange, schmale Spargelmesser, jedoch mit einem platten Knopf an der Spitze, der an den unterirdischen, nicht sichtbaren anderen Trieben abgleitet.

Iür die Küche.

Sauerbraten. Im ländlichen Haushalt hat man seltener Rindfleisch, aber wenn geschlachtet wird, hat man die Menge und möchte gerne soweit als möglich damit reichen, das heißt, man möchte die Zeit verlängern, in der es frisches Fleisch giebt. Das kann man, indem man recht viel Sauer­braten macht. Man nimmt dazu schöne Fleischstücke mit wenig oder gar keinen Knochen, gießt ein Quart Essig in einen großen Steintopf und legt die paffend geschnittenen Stücke dicht aneinander hinein. Steht der Essig nicht über dem Fleisch, so gießt man welchen zu. Nachdem alle Fleischstücke eingelegt sind, muß noch soviel Essig zugegossen werden, daß er einen Zoll hoch über dem Fleische steht. Zur Abhaltung der Luft bedeckt man den Topf mit einem Teller oder Brett­deckel und bringt ihn in den Keller. Nach drei Tagen kann man schon einen Braten herausnehmen- bei kühler Witterung und im kühlen Keller bleibt das in Essig gelegte Fleisch fünf bis sechs Wochen wohlschmeckend- dabei wird selbst das zäheste Fleisch in Essig mürbe.

Schweiusfütze itt Essig. Nachdem die Schweinsfüße entsprechend weich gekocht sind, mit Gewürzen, Essig und Salz, Zitronenscheibchen und dergleichen, nimmt man sie aus

der Kochbrühe und übergießt sie in einem Durchschlag mehr­mals mit kaltem Waffer. Wenn sie völlig erkaltet sind, wird Essig wie zu marinierten Häringen gekocht und erkaltet, dar­über gegoffen oder einfach, nachdem die Schweinsfüße er­kaltet und in Steintöpfe verpackt sind, legt man schichtweise die beliebten Gewürze mit ein und gießt kalten, scharfen Essig darüber.

Zum Schwalbeurnord in Italien!

Vom Lech, 30. April 1899. Die Hiobsposten, welche schon jetzt über die Ankunft oder besser gesagt, über das Ausbleiben der Schwalben aus den verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes einlausen, beweisen, wie ruchlos und wahnsinnig die Italiener nun auch wieder im Kriegsjahr 1898/99 gegen unsere Zugvögel gewütet haben. Schon im Frühjahr vor. I. berichtete ein italienisches Blatt, die römischeTribuna" vom dortigen Kriegsschauplatz folgendes:

Von der Spitze des Gargano-Vorgebirges bis zum Monteconero und nach Ankona hin hat jetzt wieder der große Verrrichtungs- kampf gegen die Vögel aller Art, besonders aber gegen die zierlichen Schwalben begonnen. Am frühen Morgen ziehen die sogenannten cacoiaroli hinaus und spannen auf dem Strandsande ihre Netze aus, die zwischen zwei Stöcken ruhen. Zu Tausenden kommen die Schwalben und fliegen zwitschernd und in engem, geschlossenen Zuge, kaum einen Meter vom Boden entfernt, auf und ab; sie sind müde, weil sie einen weiten Weg gemacht haben, und doch sind sie voll Freude, denn das Ziel ist nahe. Die rohen Jäger nehmen diese günstige Gelegenheit wahr und ziehen das Netz an, welches sich halb­kreisförmig zusammenziehend in einem Nu 300 bis 500 Schwalben fängt. Die Vögel, die dem ersten Netze entgehen, finden in einer Entfernung von 100 Metern andere Jäger und andere Netze u. s. w. So groß ist der Vogelmord, daß gegenwärtig in den Landbezirken und besonders in den Villen der vornehmen Leut« die kleinen Vögel tagaus, tagein auf den Tisch kommen."

Es ist also blutiger Ernst. An der Schwelle des 20. Jahrhunderts gehen unsere herrlichen Zugvögel, in erster Linie die uns allen so lieben Schwalben, zu Grunde durch die wahnsinnige VersolgungS- wut der Italiener! Unser teures Vaterland ohne Schwalben allen Qualen und Gefahren des Ungeziefers schutzlos, auf unabseh­bare Zeiten ausgeliesert I Der deutsche Himmel, seit Jahrtausenden durch die Schwalben belebt, öd und ausgestorben, wie eine Wüste: Das deutsche Volk zum Spielball italienischer Roheit schmählich erniedrigt l Wer kann dies fassen, ohne in der tiefsten Seele er t- rüstet zu werden!?

Edles deutsches Volk! Erhebe dich endlich einmal wie ei« Man» zur Rettung deiner dem Untergang geweihten Vögel! Laß deine Vertreter in Berlin nicht auseinanderg ehen ohne energische Kundgebung zum Schutz deiuer unveräußerlichen Rechte! Unsere Zugvögel müssen gereitet und erhalten werden um jeden Preis! Andernfalls verpachtet die italienische Regierung trotz der entsetzlichen Vo-elnot schon im August dS. Js. die Bogeljagd aufs neue; am 10. Septem­ber beginnt der entsetzliche Massenmord unserer schrecklich verminderten Zugvögel mit den fahrenden Netzen, den geblendeten, grausam verstümmelten Lockvögeln usw. und allen seinen Gräuel wieder, und wütet fort bis Ende April 1900, um mit der Ausrottung unserer Zugvögel, vor allem der Schwalben, ihren schauerlichen Ab­schluß zu finden.

Darum auf zu« Weh« für Gott und Vaterland!

Eine Anzahl von bayerischen Gemeinden hat sich jüngst in dieser Sache mit einer Petition an den Reichstag gewandt. Je mehr solche Petitionen einlaufen, um so eher ist Aussicht vorhanden, daß der Notschrei des deutschen Volkes und der deutschen Landwirt­schaft über die Ausrottung dieser ebenso zierlichen als nützlichen Tiers bei den maßgebenden Stellen Gehör und Berücksichtigung findet.

Darum ihr deutschen Gemeinden von Stadt und Land, helfet mit zur Rettung der Vögel, indem Ihr Euch unserer Petition ohne Säumen anschließt und eine Petition folgenden oder ähnlichen Inhalts nach Berlin sendet:

An den hohen deutschen Reichstag!

Vogelschutz betr.

Unterfertigte Gemeinde-Verwaltung schließt sich der Petition der Gemeinden Adelzhofen, Egenhofen und Genossen vom 8. Januar ds. Js., betreffend Vogelschutz, in vollem Umfang an. (Ort und Datum.) Mit aller Hochachtung

(Gemeindestegel und Unterschrift.)

Auf zur Wehr! Gott, dem Schöpfer der Vogelwelt, zur Ehre, dem gesamten deutschen Vaterland zum Nutzen!

Redaküon: S. Burkhardt. Druck und Berlag der Brühl'schen Universitäls-Buch- und Strindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.