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Stufe gerettet, in Len Ihre Mutter mit Ihne« gesprungen, aus Verzweiflung über den Lumpen von einem Vater, der sie in der höchsten Not verlassen, dem Hunger preisgegeben, Weib und Kmd. Fichtner hieß der Schuft, Andreas Fichtner."
Marie fiel dieser Name wie ein Geier an, der seine Krallen in ihr Herz schlug. Sie hatte ihn schon einmal e gehört, eben noch, vor wenigen Minuten.
Ein wirres, hastiges Suchen — da war es schon! Ihr Bräutigam sprach ihn aus.
„Er heißt ja nicht Merkel, Fichtner ist sein Name."
Und Blitz auf Blitz zuckte durch das Pochende Hirn. Jetzt beugte sie sich vor und starrte in das bleiche, abgehetzte Antlitz vor ihr.
„Kennen Sie ihn am Ende schon? Hat er es nicht erwarten können, der verliebte Narr. — Nun denn — ich bin Dein Vater, Marie, Dein verhaßter, verachteter Vater —"
Ein gurgelnder, von dem Taschentuch schlecht nnterdrückter Schrei entrang sich Mariens Kehle.
Sie schwankte, drohte zu sinken. Die Arme Fichtners fingen fie auf.
„Nimm Dich zusammen! Ich habe Eile. Kannst Du mir verzeihen, was ich an Dir, an Deiner Mutter verbrochen? Hassest Du mich noch, jetzt, nachdem Du alles weißt? — Sprich, mein Kind!"
Er näherte sein Antlitz dem ihren.
Da rang sie sich los, aus ihrer Betäubung erwachend, von den Worten „mein Kmd" aus diesem Munde auf- gepeitscht.
„Lasten Sie mich, Lügner!"
Em Stoß traf das Gesicht Fichtners.
Da erfaßte ihn wohl der Wahnsinn der Verzweiflung. Marie fühlte sich von zwei sehnigen Armen um den Leib gepackt, emporgehoben, in das Dickicht gezerrt.
Einen lauten Schrei konnte sie noch auöstoßen, dann drückte sich eine schwere Faust auf ihren Mund.
Fichtner brach ziellos in dumpfem Wahnsinn, tote ein Raubtier mit seiner Beute durch das Dickicht.
Plötzlich sah er sich auf einer weiten Lichtung mitten im Mondlichte.
„Halt!" rief eine Stimme. Zwei Gestalten tauchten auf.
Da kam er zum Bewußtsein seines wahnsinnigen Thuns, mit einem lauten Fluche ließ er das Mädchen zu Boden fallen und floh in weiten Sätzen über den Plan.
„Schieß nicht!" eine Stimme, — feuriges Aufblitzen, — noch eins — Fichtner stolperte vornüber, raffte sich noch einmal auf und fiel dann zu Boden.
Herrmann hatte geschossen.
Der Schrei, der ihn mit Holaus dem Flüchtlinge entgegenführte, dann der Anblick seiner Braut in den Armen des Elenden, hatten ihn alle Bedenken vergessen lassen.
Und jetzt auch sprang er tollwütig, während Holaus auf Marie zueilte, zu dem Gestürzten.
Der erhob sich mühsam, mit den Händen in den Rasen sich krallend. Ein Blutstrom zog sich durch das wachsbleiche Antlitz, das den Nahenden höhnisch angrinste.
„Ich bin's schon — der Fichtner! Narr! Den Brautvater erschießen! Dort! Dort!"
Schwankend totes er auf Holaus, auf deffen Arm gestützt, Marie sich erhob.
„Stehst ihn, ihren Schatz? Marie! Marie! Es geht ans Sterben. Ich klag' Dich an."
Der Verwundete sank zurück auf den Rasen.
Herrmann hielt seine Worte für den Fiebertraum eines Sterbenden.
Da kam Marie heran, von HolauS geführt. Schaudernd vor dem Anblick, barg sie ihr Haupt an seiner Brust.
„Ist er es denn wirklich? Mein Vater?" Holaus nickte mit dem Haupte.
„Ja, er ist es."
Ihre Stimme rief die letzten Lebensgeister wach in de« Unglücklichen.
„Marie!"
ES war nur noch ein Röcheln. Seine Hand streckte sich verlangend auS.
„Du darfst sie ihm nicht versagen," sagte Holaus.
Und Marie fiel auf die Knie vor dem Sterbenden und ergriff seine Hand.
Ein leiser Druck, und sie entglitt ihr. — Ein letzter Krampf — der Körper Fichtners tag regungslos.
Das war zu viel für Marie, die Besinnung schwand ihr.
(Schluß folgt.)
Warnung vor Hunden?)
------ Nachdruck verboten.
Mancher nennt den Hund seinen treuesten Freund, mit dem er sogar Tisch und Bett teilt, während ein anderer von seinem Hunde allen möglichen Nutzen zu ziehen sucht. So ist man gewohnt, den Hund als einen unentbehrlichen und gemütlichen Hausgenossen anzusehen, man bedenkt aber dabei nicht, daß derselbe in gewisser Hinsicht ein recht zweideutiger Gesellschafter, ja sogar ein gefährlicher Feind deS Menschen sein und werden kann.
Der Hund ist nämlich eine Herberge von allerhand gefährlichen Schmarotzern, welche denselben gelegentlich verlassen und auf Menschen übersiedeln. „Flöhe hat der Hund tote Sand am Meeresrand!" sagt Hans Hubert und har recht damit. Wenn dieselben auch nicht zu den gefährlichen Feinden deS Menschen gehören, so gehen sie doch leicht auf ihn über und belästigen ihn. Schlimmer wie diese sind die Krätzmilben des Hundes, welche gern auf die Haut von Frauen und Kindern übergehen und dort Krätzausschlag verursachen. In den Talgdrüsen des Hundes lebt ferner die Balgmilbe. Sie verursacht am Hunde kleine Geschwüre, welche einen widerlich süßen Geruch verbreiten. Diese Milbe geht auch gern auf Menschen über und verursacht dicke, rote Nasen. Mancher Hundeliebhaber ist wegen seiner roten Nase wohl als Schnapssäufer angesehen worden, während derselbe in Wahrheit diese Auszeichnung des Gesichts seinem Hunde verdankt. Auf dem Hunde wuchert ferner ein kleiner Pilz, der FavuS, welcher bei den Kindern Kopfgrind verursacht. Wie viele Kinder bekommen diese abscheuliche Krankheit dadurch, daß sie mit dem Hunde spielen! Auch die Borkenflechte entsteht durch einen Pilz, dessen Keimkörner von den Haaren des Hundes sich auf dm Menschen übertragen.
Wenn die genannten Parasiten für den Besitzer oft unangenehm werden, so ist der Leib des HundeS, tote Professor Dr. LandriS in Münster sagt, für den Menschen geradezu eine Mörderhöhle ersten Ranges. Im Selbe des Hundes lebt nämlich der Hülsenwurm, dessen reife Glieder sich nach und nach ablöien und nicht selten durch irgend einen Zufall in den Magen des Menschen gelangen. Geistesstörung und Tod sind alsdann die unmittelbaren Fo gen. Und rote leicht wird nicht die Uebertragung, wenn man dem Hunde gestattet, die Teller abzulecken ober wenn man sich Wgar selbst von ihm lecken läßt! Auch der Bandwurm wird vom Hunde auf den Menschen übertragen. Enenso hat die Drehkrankheit der Schafe, über die so manche Lchas- besitzer klagen, ihre Ursache in einer Finne, die ähnlich der ist, welche in der Nase des Hundes haust und dem Menschen den entsetzlichen Tod durch Hydrophobie (Wasserscheu, Tollwut) bringt. Nach Landris sind in den Jahren 1890 bis 1894 in Europa allein 4666 Menschen an dieser entsetzlichen Krankheit gestorben.
Verfasser hat schon wiederholt durch öfstniliche Warnungen die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken gesucht und
*) Aus dem sehr empfehlenswerten Buche: „Michaelis, Grundzüge einer allgemeinen Hygiene," Preis Mk. 2,—, Verlag von Hugo B er- mthler, Berlin.


