Dienstag den 12. Dezember.
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er Vater straft sein Kind und fühltet selbst den Streich; Die Härt' ist ein Verdienst, wo dir das Herz ist weich. Rückert.
Nachdruck verboten.
Pygmalion.
Novelle von Anton Frhr. von Perfall.
(Fortsetzung.)
Auf der kleinen, von wildem Wein umwachsenen Veranda vor dem Hause brannte die Flamme unter dem Theekessel und beleuchtete das Antlitz Mariens, welche wiederholt von ihrer Arbeit aufsah, wohl um nach ihm auszublicken.
Lange betrachtete er sie, hinter einem Baum verborgen.
Wenn sie ahnte, welches Gewitter eben über ihrem unschuldigen Haupte gestanden — Nein! Lieber auf alles verzichten, als diese Ruhe auf immer stören. Oft spähte sie eifrig in die Nacht hinaus, dann schüttelte sie wieder das Haupt und versank in tiefes Nachdenken.
Sie spähte nach ihm — sie dachte an ihn! Oh, mit seinem Glücke war es noch lange nicht zu Ende, und es gab noch ein anderes, reineres, als er sich ausgemalt.
Dann kam Frau Opel — wie es schien, mit einer Nachricht, welche Marie auf das höchste beunruhigte. Er zweifelte keinen Augenblick, welche Nachricht es war. Kaum hatte sie sich wieder entfernt, trat er vor. Der Sand knirschte unter seinen Füßen.
Marie fuhr mit einem Schrei auf und floh gegen die Thür.
„Marie, ich bin eö, Dein Vater!" rief Holaus.
Da blieb sie stehen, die Hand auf das Herz gepreßt, sich an den Thürpfosten haltend.
„Ich dachte, es wäre der schreckliche Mensch. Frau Opel erzählte mir eben davon. Haben sie ihn auch wirklich verhaftet?"
„Bis jetzt noch nicht."
„Nicht? Oh, wie froh wäre ich gewesen."
„So hart kannst Du sein, Du, meine herzensgute Marie?"
„Ja, diesem Menschen gegenüber könnte ich es sein, das fühle ich. Ich fürchte und hasse ihn. Er muß ein schweres Verbrechen begangen haben. Ich fühlte e- ordentlich, wenn er mir in den Weg trat."
„Ich glaube, Du gehst in Deiner Aengstlichkeit zu wei t er ist wohl harmloser, (als er ausfieht. Indes kannst Du Dich beruhigen, er wird sich nicht mehr blicken lassen bei uns."
„Ich weiß nicht- aber ich werde die Angst nicht mehr los. Jetzt erst recht nicht. Warum hast Du auch diesen Menschen ausgenommen. Franz erzählte mir, Du kenntest ihn von früher. Ist es so?"
Wieder ruhte der forschende Blick auf ihm.
,,^a, allerdings. Was heißt „kennen?" Ich erinnere mich, ihm einmal irgendwo begegnet zu sein, wo, weiß ich selbst nicht mehr. Indes, was kümmert Dich der Mann?"
Er sprach es verweisend. „Ich denke, wir hätten heute abend Wichtigeres zu besprechen, Marie, morgen gehe ich auf das Standesamt, dann giebt's kein Ueberlegen mehr, dann bist Du so gut wie unter der Haube. Ja wohl!"
Er lachte gezwungen.
„Hast Du denn gar nicht ein wenig Angst, Du Furchtsame?"
„Offen gesagt, ich bin herzlich froh, wenn alles vorüber. Dieser Zustand wäre mir länger unerträglich."
„Dieser Zustand? Das ist mir neu. Was ist denn das für ein Zustand? Ein sehr erfreulicher doch?"
„Ja, gewiß — aber doch — ich kann das nicht so sagen. — Es liegt mir wie Blei auf der Brust, ich werde nicht froh. Sag', was Du willst, der Mensch hat es mir angethan mit seinem bösen Blick. Ich kann es mir nicht anders erklären."
„Lächerlich, was hat der Mensch mit Deiner Heirat zu thun, ein armer, gehetzter Teufel, wie es Tausende giebt- nicht schlechter, nicht besser. Weiß Gott, was Dir die Opel alles eingeschwätzt. Auch ich habe ihn beobachtet, ist aber altes Wcibergeschwätz, weiter nichts. Setzen wir uns, wir kommen nie mehr so zusammen. Morgen bist Du schon mehr Frau, als Tochter —"
„Das werde ich nie sein, Papa, nie —"
Sie schenkte den Thee ein.
„So? Damit wird aber Franz nicht einverstanden sein. Der Mann will Dich ganz besitzen oder gar nicht. Geht auch nicht anders. Das ist das Gesetz der Natur, dem wir uns alle fügen müssen."
„Oh, das wäre ein ungerechtes Gesetz. Wie kann ich mir eine Liebe aus dem Herzen reißeu, dir doch die ältere ist, die mit mir aufgewachsen, nur, weil eine neue mir das thörichter Weise gebieten will, die mein Wesen lange nicht so durchdringt."
„Thut sie das nicht?" fragte HolauS hastig. „Ja,


