Ausgabe 
12.11.1899
 
Einzelbild herunterladen

652

jucken kann man oft auch mit Erfolg Schwefel anwenden. Zum äußeren wie inneren Gebrauch übergießt man 2 Lot Schwefelmtlch mit 1 Liter kochendem Wasser, läßt es 24 Stunden stehen und seiht es dann ab. Innerlich nimmt man täglich hiervon ein bis zwei Eßlöffel voll. Thee von wilden Stieß Mütterchen ist ebenfalls ein gutes Hausmittel gegen Flechten und andere Hautkrankheiten.

Ziergarten und Klumenpflege.

Die Edelblume des Novembers ist das Chrysanthemum indicum, die indische Goldblume, in ihren verschiedenen Formen und unzähligen Sorten. Diese Goldblume ist eine Staude, die im Herbst bis auf den Wurzclstock abstirbt, der frostfrei und nicht vollständig trocken überwintert wird. Im Frühjahr hell gestellt, entwickeln sich bald junge Triebe, die abgeschnitten und als Stecklinge verwendet werden. Aus solchen Stecklingen zieht man im Laufe des Sommers die stattlichen Prachtpflanzen, die jetzt in vollem Flor stehen. Ein Standort im Freien, Zurückschneiden im Anfang, später Entfernen der schwachen Triebe, mehrfaches Umsetzen, Auf­binden, reichliches Düngen, Bewässern und Spritzen gehören zur guten Kultur. Riescnblüten erzielt man dadurch, daß jedem Triebe sämtliche Knospen bis aus die stärkste genommen werden, der dann aller Saft zugeht. Die jetzt blühenden Goldblumen lassen sich trefflich zur Dekoration von Winter­gärten und kühlen Wohnräumen verwenden. Die abge­schnittenen, langstieligen Blumen liefern in den trüben Novembertagen der Hausfrau das schönste Material zur Ausschmückung der Blumenvasen.

Jür die Küche.

Karpfen in Rotwein. Zehn Personen. Bereitungs­zeit »/, Stunden. Zuthaten: 2% Kilo Karpfen, 125 Gramm Butter, i/a Liter Rotwein, Liter Essig, 20 Gramm Salz, Zucker nach Geschmack, 15 Gramm Liebig's Fleischextrakt, 2, mit je 2 Nelken besteckte Zwiebeln, einige Pfeffer- und Gewürzkörner, ein Lorbeerblatt, eine geschälte halbe Zitrone, scheibig geschnitten und entkernt, eine etwa 3 Zentimeter breite Schwarzbrotrinde. Beim Töten des Karpfens wird das Blut desselben in dem Essig aufgefangen und gequirlt, den Fisch schuppt und wäscht man, spaltet ihn in Hälften und schneidet ihn in Stücke. Nachdem man den Boden der Kasserolle mit Salz, Gewürz und den übrigen angegebenen Zuthaten bestreut hat, legt man zuerst die Fischköpfe, dann die übrigen Teile hinein, füllt so viel Rotwein auf, daß diese vollständig bedeckt sind und läßt den Karpfen etwa/4 Stunde kochen, das in wenig Wasser aufgelöste Liebig's Fletschextrakt und zuletzt den Essig hinzugebend. Sobald der Fisch genügend weich geworden ist, nimmt man ihn mit einer Schaumkelle aus der Brühe, gießt diese durch ein Sieb, giebt sie in die Kaflerolle zurück, schmeckt sie mit Zucker ab, erforderlichen Falles auch noch Salz beifügend, kocht sie rasch auf und richtet sie mit dem Karpfen an.

Litterarifches.

Die Wasserheilmethoden und ihre Errungenschaften. Auf dem Gebiete der Wasserheilmethode ist seit ihrem ersten Empor­keimen durch Kneipp viel geleistet aber auch viel gesündigt worden. Die Wasserheilanstalten, Doktoren, Pfuscher entstanden wie Pilze. Als Kneipp starb, glaubten seine Feinde, daß man auch seine Heilmethode zu Grabe tragen würde, allein das Gegenteil trat ein, je mehr die Aerzte gegen das Wasser kämpften, desto größer wurde die Hochflut, und zuletzt ergaben sich die Medizinmänner und heilten auch mit Wasser; ja ein großer Teil bildete sich zu Spezialisten für Wasserkuren aus. Auch der Buchhandel that sein möglichstes, um die einzelnen Schichten des Volkes schnell mit der Art und Weise dieser Heilmethode bekannt zu machen. Allein es kam zu Auswüchsen schlimmster Art. Leute bte nie Verleger waren, die vom Buchhandel recht wenig wußten, fabrizierten Werke für Wasserheilmethoden in furchtbarem Umfange, den schlechten Inhalt mußten einig- Bilder, die ja nur dem Sinnenkitzel dienen, verbessern, dazu ein ins Ange fallender Einband, und dann ging

diese Heuschreckenplage hinaus und leerte des Volkes Taschen. Geheilt wurden wenige, aber gestorben sind Tausende durch Schuld dieser Industrie. Die wirklich guten Bücher, die für das leidende Publikum auch Wert hatten, verschwanden fast vollständig. Eine neue Anordnung auf dem Gebiete des Wasserkurierens sollte uns von Berlin kommen. Dort er­schien ein Buch: Dr. Thiermann die Reform der Kneipp'schen Wasserheilmethode. (Verlag Hugo Bermühler, Berlin SW.) Zum crstenmale wurde ich auf dieses Buch durch die Altonaer Zeitung aufmerksam, die in ihrer Kritik das Buch weit über die marktschreierisch angeborenen ähnlichen Werke stellte. Der Inhalt des Buches bewährte sich in der That so, daß ich es in meinen Bekanntenkreisen empfahl, und darauf von vielen Seiten anerkennen hörte, daß die in dem Buche angeführten Verordnungen großartige und überraschende Heilerfolge er­zielten, was ich im Interesse der leidenden Menschheit nachzuweisen bereit bin. Dr. Thiermann, der seinerzeit in Wörishosen Assistenzarzt war, ist ein Spezialist der Wasserheilknrm. Er hat seine Reformen für die Wasserheilkur in mehr als zehnjähriger Praxis gründlich durchgeführt und solange geändert, bis er sie nach allen Richtnngen hin erprobt ge­funden hat. Der Verfasser hat das Wasserheilverfahren zu einer Kur herangebildet, die auch wasserscheue und sehr verwöhnte Patienten nicht nur gerne durchmachen, sondern die sie als eine große Wohlthat empfinden und keinen Grund mehr haben, Kuren zu gebrauchen, die wohl dem Erfinder Geld, aber dem Kranken keine Gesundheit bringen. Wir finden in seinem Buche als erstes Kapitel eine Erklärung der Grundstörungen im menschlichen Körper und hierauf eine alles erschöpfende Beweis­führung, daß nur eine naturgemäße Heilweise, wie solche das Wasser giebt, diese Grundstörungen wieder beseitigt. Sodann folgt die Er­klärung, in welcher Weise das Wasser zu Heilzwecken angewendet werden muß. Der zweite Teil des Buches behandelt die Erkennung und Heilung, der Krankheiten des Menschen überhaupt. Es ist dies in sehr verständ­licher und übersichtlicher Weise geschehen. Der Arzt giebt zuerst eine ausführliche Beschreibung der Symptome jeder Krankheit und hierauf die zur Heilung notwendigen Behandlungsmethoden, die sich genau unterscheiden je nach dem Grade der Krankheit. Unterstützt beim Auf­suchen der einzelnen Krankheiten werden wir durch ein dem Buche beigegebenes Register. Wir können getrost behaupten, daß die auf wirtschaftlicher Basis beruhenden Reformen Thiermanns das Wasser­heilverfahren in richtige Bahnen geleitet haben, und daß es ihm gelungen ist, der Schul-Medizin dadurch eine große Bresche zu schlagen, eine Er­rungenschaft, auf die die Anhänger der Naturheilmethode stolz sein können. Wir müssen Kneipp dankbar sein, daß er uns den Weg ge­zeigt hat, der unsere Krankheiten ans natürliche Weise zur Heilung bringen kann, aber wir müssen Thiermann als unseren Erretter preisen, daß er es zu seiner Lebensaufgabe machte, der leidenden Menschheit auf Grund wissenschaftlicher Basis den Führer zu verschaffen, der uns diesen Weg auch erfolgreich betreten läßt. Ich kann nur wünschen, daß dieses Buch, das übrigens einen sehr müßigen Preis (3 Mark) hat, sich recht viele Freunde erwirbt.

Berlin, Bergmannstr. 105. T. Zuhr.

Schachaufgabe.

(Nachdruck verboten.)

a b c d e f g h

a b c d e f g h

8

8

6

6

5

Weiß.

Weiß setzt mit dem vierten Zuge matt.

Auflösung folgt in nächster Nummer.

Auflösung des Namenrätsels in voriger Nummer:

Hildegard Hedwig Selma Else Alwine Adelheid; Helene.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.