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Ende in Armut und Zurückgezogenheit zu verkümmern. Sie hielt sich für viel zu schade dazu. Waren ihre Augen nicht dazu geschaffen, ein Haus zu erleuchten bis in den letzten Winkel? Klang ihr Lachen nicht hell genug, um die trübseligsten Grillen zu verscheuchen? Sie tarierte sich nicht niedrig: und sie that wohl daran.
Eine „gute Partie« erhoffte sie für sich, eine vernünftige reiche Heirat — ihr Herz, das war ja tot, gestorben mit dem Liebsten. So recht vielen Menschen gedachte iie cs in einem angenehmen Hause hell und warm zu machen. Und wieviel Bedrängte wollte sie unterstützen, wieviel Betrübte trösten und — und — wie viel aussichtslose junge Künstler durch Aufträge erfreuen!
Nebenbei spielte sie eifrig in der Lotterie — vielleicht ließ sich auch das große Los einmal erwischen.
Fräulein Jutta glaubte eben mit dem zähen Vertrauen erfolgreicher Spieler an ein endliches Gelingen. Und zerrann schließlich ihre Hoffnung — was that's! Sie hatte dann die Vorfreude gehabt, die lange, lange Vorfreude!
Die Zeit flog dahin, Jahr um Jahr verrann. Fräulein Jutta setzte unermüdlich in der Lotterie, erneuerte pünktlich ihr Los — kam aber höchstens mit dem Einsatz heraus. In Wirklichkeit schien ihr das große Los kaum bestimmt zu sein.
Doch die gute Partie, die machte in der That Anstalten, sich ihr zu nähern — und eine solche ist ja schließlich auch ein großes Los für ein armes, aussichtsloses und bereits im zweiten Lenz stehendes Mädchen.
Ein stattlicher, von mehr als reichlichen Zinsen lebender Herr fing an, Wohlgefallen an Juttas hellen Augen, an ihrem frischen Lachen, an ihrem ganzen Wesen zu finden. Wie er sich poetisch ausdrückte, sonnte er fich in ihrer Nähe — und sie, nun sie malte sich's aus, wie viele junge Künstlerherzen höher klopfen würden, wenn sie erst all der Aufträge für Bilder und Statuen teilhaftig sein würden, die ihnen zugedacht waren — Jutta nahm sich's ganz fest vor, diese „gute Partie« zu machen.
Aber diese Sache zog sich bedenklich in die Länge. Herr Raimund Bastian sonnte sich nun bereits seit zwei Jahren, und den jungen Künstlerherzen war es immer noch nicht vergönnt, höher zu schlagen. Schändlicherweise that er sogar einmal irgendwo den Ausspruch, daß es für einen reichen Mann nicht vorsichtig wäre, ein armes Mädchen zu wählen. Man könne da nie wissen, ob echte Neigung vorhanden sei.
Natürlich beeilte sich eine liebenswürdige sogenannte Freundin diesen Ausspruch Fräulein Jutta zu übermitteln. Fräulein Jutta nahm die Kunde durchaus gelassen auf. Nur ihre Augen veränderten sich, färbten sich dunkel, als siele künstliches Licht hinein. Um ihren Mund aber huschte die allerliebste kleine Schlange und bog sich vergnügt, als fühle sie sich recht wohl gebettet auf den weichen, vollen Lippen.
Mit derselben Freundlichkeit wie bisher begegnete Fräulein Jutta ihrem vorsichtigen Verehrer, mit Eifer und Pünktlichkeit erneuerte sie stets ihr Los.
Und als die Zeit kam, studierte sie eifrig die Gewinnlisten. —
Ein so recht launenhafter Frühsommertag war's. Sehr zeitig schon hatte sich ein kurzes grollendes Gewitter entladen: danach lachte der Himmel blau und hell.
Herr Raimund Bastian hatte sich bei Fräulein Jutta melden lassen, um sich zu sonnen. —
Sie ließ ihn in ihr einfaches, helles Zimmerchen bitten, aber nicht wie sonst kam sie ihm entgegen auf leisen Sohlen, mild und freundlich.
.. Sie saß da in ihrem Stuhl am Fenster, als seien ihr die Füße abgeichlagen, ihre Augen schimmerten grünlich unter den ihr Gesicht umtanzenden Sonnenstrahlen.
- n.,«20“8 ~ toa6 ist geschehen —?" rief Herr Raimund
Bastian ihr entgegen.
Da hob sie den Kopf, ihre geraden, schwarzen Brauen zitterten, um ihren Mund flog ein Lächeln.
»34 hab' das große Los gewonnen,« sagte sie laut und klar. „Ohne Teilung. Ich hab' hoch gesetzt, ein ganzes Los gespielt.«
Er fuhr zurück, Verlegenheit in den Zügen. Er runzelte die Stirn. Nun war's ihm nicht recht, daß sie reich war! Sich und ihr suchte er einzureden, daß er heute gekommen sei, um ihre Hand zu bitten.
„Fräulein Jutta,« sagte er finster, „diese Nachricht verschließt mir den Mund. Ich muß mich entfernen, — ich — ich kann Sie nun nicht Wiedersehen.«
Jetzt erhob sie sich doch. „Ich habe Sie für meinen Freund gehalten, — und Sie haben kein Vertrauen zu mir? Wenn ich Sie nun bitte, zu bleiben, zu sprechen?«
Er zögerte auf der Schwelle. „Jutta, Sie müssen's ahnen, weshalb ich komme. Machen Sie mir die Sache leicht —"
Klar und fest, mit offenem Blick schaute sie ihn an. „Sie wollten mir Ihre Hand bieten —"
„Sie bitten, mein Leben zu durchsonnen! Jutta, nehmen wir an, alles sei geblieben wie es gestern war — nehmen wir an, Sie seien noch arm und wären mir ein klein wenig gut —«
Die kleine Schlange huschte um ihren Mund. „Nehmen wir das an. Sie sind ja reich, warum sollt' ich auch nur voraussctzen, daß Sie etwa nur Geld heiraten könnten? Meine Ueberzeugung ist sogar, daß Sie das niemals thun würden.«
»Niemals, wiederholte er überzeugt.
Da streckte sie ihm die Hand hin.' „Was hindert uns also, glücklich zu sein?«
Die Sonne sandte blitzende Strahlen herein — in tiefem 33Iau leuchteten Juttas Augen, sie dachte an alle die jungen Künstlerherzen, die nun bald höher schlagen würden.--
Und mit lang verhaltner Glut küßte Herr Raimund Bastian Juttas Lippen, so daß das Schlänglein erschrocken entwich.
* *
Die Verlobungskarten wurden versandt — gleich einer ansteckenden Krankheit brach der Neid aus.
Am dritten Tage nach der Veröffentlichung des Verlöbnisses trat Jutta ihrem Bräutigam mit einem schelmisch-kläglichen Lächeln entgegen.
„Raimund," brachte sie zögernd und verlegen heraus, „Raimund — ich — ich hab' Dir ein Geständnis zu machen. Las mit dem großen Los, das ist ein Irrtum von mir gewesen, ich hab' mich um eine Sieben geirrt —um eine böse Sieben." Sie legte die Hand auf seine Schuller. „Aber Dir ist's vielleicht lieber so — Du warst ja förmlich zornig an dem Vormittag, als ich Dir mein unverhofftes Glück mitteilte. Eigentlich wolltest Du mich ja gar nicht mehr, weil ich plötzlich reich geworden war. Erinnerst Du Dich?"
Er erinnerte sich — und er faßte sich.
„Ich hab' in jedem Falle das große Los gezogen —" entgegnete er mit etwas steifer Galanterie--
Sie wandte sich ab und lachte und freute sich des Schnippchens, das sie dem vorsichtigen Herrn Raimund Bastian geschlagen — — —
Aber gut sollte er's doch bet ihr haben —!
Geineinnütziges.
Kesurrdyeitspflege.
Man sollte die Kinder recht frühzeitig durch Bäder, kalte Abwaschungen und Abreibungen, durch Schwimmen, Turnen, Spiele im Freien usw. möglichst zu kräftigen und abzuhärten uchen, damit sie etwas aushalten lernen, und falls sie erkranken, die nötige Kraft besitzen, die Krankheit zu überstehen.
Klettenwnrzel gegen Flechte« läßt man am besten von Landleuten frisch graben. Gegen Flechten und Haut-


