Ausgabe 
12.9.1899
 
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Nachdruck verboten.

Schuldig. .

Erzählung von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

Wir wollen sehen," sagte, das Kind ein wenig von sich schiebend, die Kommrrzienrätin.Hast Du Fräulein von Kressen gesagt, daß Du mit mir darüber reden wollest"

Erschrocken hob Hermine die kleinen Hände empor: Wo denkst Du hin, Mama! Sie darf nicht wissen, daß ich gehorcht und geplaudert habe, beides verbietet sie immer so sehr! Aber ich hab' es gut gemeint. Bitte, bitte, sage ihr nichts!"

Nein, nein, ich verspreche es Dir. Aber nun geh, Her­mine, ich bin sehr angegriffen und muß ruhen!"

Das kleine Mädchen gehorchte- das Ruhebedürfnis der Mutter mußte jedoch nicht allzu groß sein. Sie sprang auf, machte wie vor dem Besuche des Dr. Corbus wieder Wan­derungen durch das Zimmer, blieb zuweilen stehen, legte nachsinnend die Hand an die Stirn und murmelte halblaut vor sich hin:

Geld soll ich ihr geben ich ihr" sie lachte in­grimmig vor sich hin.

Aber sie braucht Geld, sie kommt nicht aus mit dem, was sie hat. Ob er ihr giebt?"

Sie wird ihn nicht darum angehen. Sie ist dazu viel zu klug. Wenn sie"

,/Ha!" rief sie jetzt so laut, daß sie über den Ton der eignen Stimme erschreckend zusammenfuhrso so könnte es gehen. Das das ist meine Rettung!"

Sie schellte jetzt der Kammerjungfer, begab sich in ihr Ankleidezimmer und ließ sich für den Mittagstisch ankleiden, wo sie in besonders guter Stimmung erschien. Selbst Hans und Felicitas hatten sich heute ihres Wohlwollens zu er­freuen.

1888.

W ach' dir's doch deutlich, daß das Leben Zum Leben eigentlich gegeben! Nicht soll's in Grillen, Phantasieen Und Spintisiererei entfliehen:

So lang' man lebt, sei man lebendig!

Goethe.

VIII.

Dem in einem vornehm aussehenden, grau getünchten Hause der Burgstraße befindlichen sehr geräumigen Geschäfts­lokal des Kommerzienrats Helldorf war von außen wenig anzumerken von der Bedeutung, welche die Firma besaß, wie von den Summen, die hier allmonatlich umgesetzt wurden.

Ueber dem durch eine einfache Glasthür gebildeten Eingang nach der Straße stand in wenig auffälligen Lettern Konstantin Helldorf, Bankgeschäft". Keine Auslage von Gold und großen Scheinen in den Fenstern erzählte von den vorhandenen Geldvorräten und reizte die Begehrlichkeit der Vorübergehenden, sämtliche Fenster waren vielmehr durch grüne Vorsetzer vor jedem neugierigen Blick gewahrt.

In einer langen Flucht von Zimmern, deren Thüren offen standen, saßen sorgfältig gekleidete ältere und jüngere Herren an Doppelpulten emsig über ihre Arbeit gebeugt. Gedämpft fiel das Sonnenlicht durch die oberen Fenster­scheiben, man hörte nichts als das Kritzeln der Federn und das Summen einzelner Fliegen, die trotz aller Vorsicht doch ihren Weg in dieses wohlbehütete Reich gefunden hatten.

Mußte einer der Comptoiristen sich von seinem Sitze erheben, um einen Einblick in die an den Wänden aufge­hängten Kurszettel zu thun oder eins der Bücher herbeizu­holen, so ging er leise, auf den Zehen, um möglichst wenig Geräusch zu verursachen,- hatte einer an den andern eine Frage zu richten, so geschah dies im Flüsterton, und in gleicher Weise wurde die Antwort erteilt.

Sorgten die älteren Prokuristen und Buchhalter dafür, daß in dem Bankgeschäft vonKonstantin Helldorf" allezeit ein seiner Vornehmheit und Bedeutung angemessen gehaltener Ton herrschte, so befleißigte man sich eines solchen doch ganz besonders während der Stunden, wo man den Chef in seinem Privatkontor wußte, und trotzdem schien an einem Vor­mittage zu Anfang des Juni die Stille noch tiefer als sonst zu sein.

Früher als es sonst seine Gewohnheit, war Kommer­zienrat Helldorf in seinem Kupee angekommen, hatte freund­lich grüßend, aber doch augenscheinlich mit anderen Dingen beschäftigt, die Säle und Zimmer durchschritten, sich nur ganz kurze Zeit im Zimmer des ersten Prokuristen und im Kassenlokal aufgehalten und sich dann in sein Privatkontor begeben, wo er sich schon längere Zeit aufhielt, ohne daß, wie sonst, einer der Angestellten zu ihm gerufen worden wäre.

So ruhig man sich äußerlich verhielt, so lebhaft beschäf­tigte alle Welt sich innerlich mit der Frage, welches große