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//Da hast Du Dir ja ein liebliches Exemplar ausgesucht, die sieht eher aus wie eine Scheuer- als eine Kochfrau".
„Das Aeußere ist auch nicht maßgebend", erwiderte ich verdrießlich, „wenn Du Dir des Abends die Erzeugnisse ihrer Kunst wirst gut schmecken lasten, wirst Du schon anders urteilen".
„Hoffen wir das beste", seufzte er. „Ich wünschte, es wäre erst alles vorüber".
Als ich gegen Abend hin und wieder, wie es einer Hausfrau zukommt, in der Küche nach dem Rechten sehen wollte, komplimentierte mich die Kochsrau jedesmal mit sanfter Gewalt wieder heraus. „Liebe Frau, Sie brauchen sich im geringsten gar nich zu bemühen", meinte sie, „sehen Sie, ich bin schon mitten drin in's Vergnüjen. Der Hase wird gleich in den Bratofen geschoben, länger wie 'ne Stunde braucht er ja nicht, " dabei hantierte sie in fast beängstigender Weise zwischen den Tellern, Schüsseln und Kasserollen umher. Eben balancierte sie einen bis an den Rand gefüllten Topf Milch auf mich zu, da — eine Berührung mit meinem Ellenbogen, ein Stoß, ein Klatsch und die Milch spritzte mir in's Gesicht, feuchtete meinen Hals und zog lange, weiße Sturzbäche auf mein Hauskleid. „Sehen Eie", schrie mich die Kochfrau an, „das kommt davon, wenn Sie sich unausgesetzt in der Küche aufhalten! Wenn Sie fortwährend hier herumstehen, brauchen Sie sich gar nicht zu wundern, wenn Ihnen mal eine Soßiähre über das Kleid gegossen wird!"
Minna stand mit offenem Munde da und horchte, — eine heimliche Schadenfreude leuchtete aus ihren Augen: sie freute sich offenbar darüber, wie mich die Kochfrau behandelte.
„Ju der Ordnung wäre es wohl, daß Sie sich wegen Ihrer tölpelhaften Ungeschicklichkeit entschuldigten", meinte ich ärgerlich, „es schickt sich nicht für Sie ..."
„Tölpelhafte Ungeschicklichkeit, — na nu wird's Tag", stöhnte die Kochfrau, und ihr feistes Gesicht särbte sich Puterrot. „Det laß ich mir nich zweimal sagen, denn pack ich sofort meine sieben Sachen und Sie können ihr bisken Essen alleene zusammen brodeln, — ich halte noch was auf Standesehre".
„So brauchen Sie das nicht aufzufassen", lenkte ich behutsam^ em, hielt es aber doch für das Gescheiteste, die Kuchenthür von außen zuzumachen, der Klügere gießt in solchem Falle immer nach. Bis in das Wohnzimmer hinein aber hörte ich noch, wie diese unverschämte Person mit dem Mädchen sich unterhielt, und ich hörte auch, wie diese in das dröhnende Lachen lustig einstimmte. Das war eine Küchen- Revolution in bester Form.
Mittlerweile war ich mit dem Decken der Tafel zu Ende gekommen. Ich ordnete das Arrangement an. Den Tafel- ich selbst in die Mitte, — es war ein schweres Stück Arbeit, aber ich hatte Angst, daß damit etwas Passieren wnnte. Minna sollte die drei Vasen hereinholen, die ich mit Blumen hatte füllen lassen. „Bringen Sie mir aber eine nach der anderen , befahl ich, „Sie können den kurzen Weg dreimal machen, so viel Zeit haben Sie schon".
Trotzdem, brachte das Mädchen die drei Vasen zusammen angeschleppt, in jeder Hand eine, die dritte schief unter den rechten Arm geklemmt, sodaß das Master bei jedem Schritt auf das Parkett lief.
"Sie sollten doch immer nur eine Vase bringen", rief ich empört, „Sie sehen doch, daß Sie mit dem Wafleraus- gleßen den ganzen Fußboden ruinieren. Kommen Sie doch wenigstens schnell . . ." und ich wollte sie beim rechten Arm ergreifen. Unwillkürlich wollte sie denselben heben, die Vase schwankte ein, zweimal bedenklich vornüber, aber ehe ich zuspringen konnte, — — Kladderadatsch, riß sie das mit Macht ausströmende Wasser zu Boden, auf dem sie krachend zerschellte.
_ //Ungeschickte Person", schalt ich, „das konnte ich mir wohl denken. Diesmal mache ich es aber wahr, was Vase
und Blumen gekostet-haben, wird unweigerlich vom Lohneabgezogen".
„Nein, so was!" mischte sich da die Kochfrau, die schleunigst herbeigekommen war, ein, „je feiner die Herrschaften sind, desto mehr wird kaput geschlagen. So'n armes- Dienstmädchen hat's ooch nich so übrig . . ."
„Ich habe Sie um Ihre Ansicht gar nicht gefragt", rief ich außer mir, „halten Sie also Ihren Mund und gehen Sie in die Küche!"
„Det stimmt", entgegnete sie nach einer Weile, „gefragt haben Sie mir noch nich Aber das kann ja auf Gegenseitigkeit beruhen: ich werde Ihnen auch nich erst fragen . . ."
Ich empfand es als eine wahre Erlösung, als mein Mann wiederkam. Er war von dem Arrangement der Tafel durchaus befriedigt. „Wie steht's denn sonst?" fragte er. „Ist alles soweit parat? In einer halben Stunde werden die ersten Gäste sicher hier sein".
„Oh", erwiderte ich, indem ich mich räusperte, „ich meine wohl . . . „ich denke sicher .... Ich werde mal Minna fragen".
Ich klingelte,- nach einer längeren Pause erschien das Mädchen. „Ist die Kochfrau mit allem fertig?" fragte ich möglichst harmlos.
Minna schien sich eine ganze Weile zu besinnen. „Die Kochfrau is schon seit ’n er halben Stunde nach Haus gegangen", antwortete sie dann mit malitiösem Lächeln.
„Nach Hause gegangen?" dehnte ich.
„Ja mott'" bestätigte Minna.
Schreckensbleich stürzte ich nach der Küche: die Kochfrau war verschwunden, ihr Riesenkorb auch. Von den garnierten Brödchen waren die mit Kaviar und Lachs belegten ziemlich alle geworden, vom Zander und Hasen fehlten die besteck Stücke, Apfelsinen, Knackmandeln und Rosinen waren stark mitgenommen.
„Wo ist denn das alles geblieben?" fragte ich mit tonloser Stimme.
„Det hat die Kochfrau in ihren großen Korb gepackt", meinte Minna mit der gutherzigsten Miene der Welt. „Damit is sie denn los gegangen — sie meinte, sie wäre mit'S „nach Hause nehmen" angaschiert — und da sie keinen Lohn gekriegt hat . . ."
„Ihr habt zusammen unter einer Decke gesteckt" kreischte ich, „Sie freche Person packen morgen Ihre Sachen und scheeren sich aus meinem Hause ..." — einer Ohnmacht nahe sank ich auf einen Stuhl.
„Det paßt sich scheen", hörte ich das Mädchen noch sagen, „ick hält' ja so wie so jekündigt, die Kochfrau hat mich nämlich heut als Wollongtärin angaschiert. . . ."
Das neue Frühjahrs - Kostüm ist augenblicklich die große Parole unserer Damen. Die Schneiderin ist schon seit Wochen bestellt, und die neueste Nummer der „Modenwelt" (nicht zu verwechseln mit „Kleine Modenwe t" und „Große Modenwelt") kommt gerade recht um die alle Wünsche und Bedüfnisse befriedigende Auswahl an Vorlagen zu vervollständigen. Was die Mode in reger Emsigkeit für die kommende Saison vorbereitet, hier tritt es uns entgegen in reizvollen Gestalten — darunter eine liebliche Braut, — künstlerisch vollendete Gruppenbilder, die das Auge erfreuen, die ihren unschätzbaren praktischen Wert aber erst durch die genauen Beschreibungen und mustergiltigen Schnitte erhalten Und wer die Mühe scheut, diese von der Schnittmuster-Beilage abzunehmen, der enthält auf Bestellung den Naturgrößen Schnitt nach persönlichem Maß lediglich gegen Erstattung der Spesen (30 Pfg.) gebrauchsfähig übersandt. Das ist gerade augenblicklich, wo die Mode so überraschend neue Formen vor allem für Röcke, Aermel und Umhänge bringt, eine nicht hoch genug anzuschlagende Erleichterung. Der Garderobe für Damen reihen sich in gleicher Vortrefflichkeit die besonderen Blätter für Kmdermoden, Handarbeiten^ Unterhaltung und Belehrung auf sämtlichen Gebieten des häuslichen Lebens an. Das Beste von allem ist der „ModenweltE gerade gut genug für ihre Leserinnen, — kein Wunder daß dieselben es ihr durch treue Anhänglichkeit lohnen!
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


