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(Nachdruck verboten.)
Die Kochfrau
Von Lina Fabian.
barung . . .
Ich bestellte also für Donnerstag eine Kochfrau: nicht zu alt, adrett, bescheiden, perfekte Köchin. Vier Mark für den Abend, freie Beköstigung, und das übliche „mit nach Hause nehmen". Ich erhielt umgehend die Versicherung, daß meinen Wünschen in jeder Hinsicht entsprochen werden würde,
nachmittags werde die Kochfrau zur Stelle sein.
— — — Als am Donnerstag früh mein Mann nach dem Bureau ging, gab er mir noch die ihm nötig dünkenden Verhaltungsmaßregeln bezüglich der Kochfrau.
„Sei ohne Sorge", beruhigte ich ihn, „ich verstehe mit derartigen Leuten umzugehen. Außerdem kommt die Frau erst nachmittags, bis dahin habe ich Deine guten Ratschläge schon längst wieder vergessen".
„Das glaube ich gern", brummte er, „in der Vergeßlichkeit hast Du eine ungeahnte Größe erreicht", — damit ging er und überhob mich so einer Antwort, die sicher Hand und Fuß gehabt haben würde.
Kaum hatte er die Korridorthür geschlossen, als heftig geschellt wurde. Minna hatte ich zum Schlächter geschickt, sodaß mir nichts übrig blieb, als selbst zu öffnen. Der Briefträger wahrscheinlich . . . Ich hakte die Kette los und öffnete ahnungslos. Schon wollte ich die Hand nach dem Briefe ausstrecken, als die Thür durch einen scharfen Druck
achteten Tochter des Armenhausbewohners, des elenden, halb verkommenen Invaliden aus dem amerikanischen Kriege. Er legte ihr seinen Namen, seine Zukunft, sein ganzes Leben zu Füßen, und ein Gefühl des Stolzes ließ Elsies HerMhöher schlagen. Sie wußte, daß der Rittmeister es ernst meinte. Sie kannte ihn zu gut, als daß sie an Heuchelei seinerseits denken konnte- sie wußte aber auch, welcher Umstand seine Sinnesänderung hervorgebracht hatte, sie kannte seinen Ehrgeiz und durchschaute ihn, daß er hoffte, sich durch eine Verbindung mit ihr der Gunst des Herzogs und der Herzogin
. noch mehr, als es jetzt schon der Fall, zu versichern. (Fortsetzung folgt.)
müssen".
Da ich nicht Lust hatte, dieses Thema weiter zu erörtern, meinte ich: „Nun, es giebt also garnierte Brödchen, Suppe, Zander mit Butter, Hasenbraten und Nachtisch. Vorbereitet habe ich alles, Minna holt die letzten Zuthaten, so daß Sie sich langsam an die Arbeit machen können. Es wird Ihnen doch alles gelingen?"
„Du meine Jüte", antwortete sie fast mitleidig, „ich bin in der Küche aufgewachsen, gelernt habe ich in die besten Hotels und jetzt koche ich bei die feinsten Herrschaften. Mißraten is mir in meinem Leben noch nie nichts und wenn's mal vorgekommen ist, so war's ganz selten. Also dadrüber brauchen Sie sich keine Kopfschmerzen zu machen, meine Standesehre geht mich über alles".
Da jetzt das Mädchen zurückkam, hielt ich es für daS Geratenste, das Feld zu räumen, denn der Eindruck, den die Kochfrau auf mich gemacht hatte, war nicht übermäßig günstig---
Was ist denn das für 'ne alte Schachtel, die draußen in der Küche herumlungert?" fragte mein Mann, als er mittags nach Haus kam.
„Das ist die Kochfrau", erklärte ich etwas gedrückt.
„Die Einladungen kannst Du nun also ausschreiben", erklärte ich meinem Mann, „so daß wir nur noch die Frage
sie sich Plötzlich, indem sie sich umblickte, Dienstmädchen?"
„Die ist einholen gegangen", erklärte ich.
„Na, das is man gut", atmete sie erleichtert auf, „bei langweilige Kochen muß man jemand haben, mit dem sich was erzählen kann".
„Dazu dürfte wohl keine Zett sein", entgegnete ich etwas scharf. „Ja, und warum haben Sie denn dieses
. . Ich hatte mir, offen gestanden, eine Kochfrau anders
des Kochens zu erledigen hätten". I vorgeftellt, schmuck r, sauberer, jünger. Aber auf das AuS-
„Wir" ist nicht übel, lachte er, „das Kochen ist doch I fe^en. fQm e§ ja am Ende nicht an, die Leistungen gaben den
ausschließlich Deine Sache, ich habe in der Küche bekannter- I Ausschlag. „Warum kommen Sie denn schon so früh, ich
maßen nichts zu suchen. Mitessen will ich ja ganz gerne, I ^atte Sie doch erst für den Nachmittag bestellt? fragte ich
aber kochen, — brrr!" mißtrauisch.
„Kein Mensch verlangt von Dir, daß Du kochen sollst, I „^otte doch", antwortete sie harmlos, „ich bin das von Du bist ja nicht einmal imstande, Dir Deinen Thee aufzu- I mejncr Kundschaft so gewöhnt, und trinke bet die Herschaftens brühen", antwortete ich spöttisch, „aber ein Abendessen für immer 0(e^ früh Kaffee mit. Thee oder Kakao schaffens ein Dutzend Personen vermag ich mit Minna allein nicht I aHerbtng§ auch, aber bet Thee muß ich schon um die Rumherzustellen, ich muß unter allen Umständen für diesen Tag ^sche bitten. Aber sagen Sie mal, Madamchen", unterbrach eine Kochfrau bestellen". I rte sich plötzlich, indem sie sich umblickte, „haben Sie denn
„Na, weißt Du", meinte er und zog die Stirn in Falten, I £e(n
„mit 'ner Kochfrau soll das so 'ne Sache sein. Von den I Kochfrauen habe ich schon ganz schaudervolle Geschichten I
von außen vollends aufgestoßen wurde und sich eine kleine kugelrunde Person, mit einem Handkorbe bewaffnet, der ungeheuerliche Dimensionen aufwies, in den Korridor schob. Sie drängte mich nicht gerade sehr höflich zur Seite und nahm ohne weiteres ihren Weg nach der Küche, wo sie pustend, stöhnend und nach Atem ringend auf einen Stuhl sank. „Alle Wetter", schallte es in mein Ohr, „wenn ich gewußt hätte, daß das drei Treppen hoch wäre, hätte ich mir die Sache noch überlegt, — das geht mir zu sehr über die Puste".
Nachdem ich mich von meinem nicht geringen Erstaunen etwas erholt hatte, fragte ich: „Ja, wer sind Sie denn eigentlich, was wollen Sie denn hier?"
Ein wieherndes Gelächter dröhnte mir entgegen. „Wer ich bin, hahahaha, was ich hier will, hahahaha", — sie konnte sich erst nach geraumer Zeit von dem Lachkrampf erholen. „Sie haben mir doch bestellt, ich bin ja die Kochfrau, die Müllern", dabei schob sie den Riesen-Handkorb mit einem derben Fußtritt unter den Küchentisch.
gehört ..." I das
„Ach was, Stammtisch-Räubergeschichten", fertigte ich I man ihn kurz ab, „da haltet Ihr Euch immer über unser Kaffee- I ckränzchen auf, aber was an Eurem Stammtisch zusammen- I cin)a0 „cu, u»u ......... —
geklatscht und getratscht wird, das ist wahrhaftig schon nicht I Korb-Ungeheuer mit hierher geschleppt?" mehr schön. Das verfängt aber bei mir nicht, ich brauche I „Das brauche ich, denn her zu hab' ich meine Sachen auf das Kneipengeschwätz nicht zu hären, ich weiß, was ich I na$ Haus zu pack ich das Essen rein. Ich bin
zu thun und zu lassen habe: ich bestelle mir eine Kochfrau I engagiert mit der Bedingung, daß ich mir die Reste mit und dabei blelbt's". I nach Hause nehmen darf".
„Meinetwegen nimm Dir gleich ein Dutzend Kochfrauen , I „9Zun, so viel wird bei uns wohl nicht übrig bleiben,
knurrte er, offenbar ärgerlich über die wohlverdiente Ab- I Sie den ganzen Korb füllen können".
Weisung, die ich ihm hatte zuteil werden lassen. Denn was I „Ach", lachte sie, „das kann man nicht wissen. Ich bin
am Stammttsche erzählt wurde, war ihm die reine Offen- | ^0R be{ Herrschaften gewesen, wo der Korb nicht einmal ausgereicht hat, da hab' ich noch ein Packet extra machen


