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Stimme.
sinnige Liebe aus dem Herzen reißen konnte!
Dann fühlte sie, daß sie ihm gehörte, für alle Zeit und Ewigkeit! Dann fühlte sie, daß auch er, der so weit, weit über ihr stand, sie liebte! Sie las es in seinem Auge, sie vernahm es in den Worten seiner leicht vibrierenden Stimme, sie empfand es an dem warmen, wenn auch flüchtigen Druck seiner Hand — sie fühlte es und sie jauchzte in der Tiefe des Herzens beseligt auf, um in den einsamen Stunden der Nacht wieder Thränen der bangen Sorge, der Verzweiflung zu weinen.
Elsie kämpfte einen schweren Kampf.
Niemand durfte ahnen, was in ihrem Herzen vorging.
nierte. Ich bitte Sie deshalb um Verzeihung, ich habe jetzt Ihren wahren Wert erkannt, ich liebe Sie, Elsie, wahr und treu und hier bitte ich Sie, werden Sie mein Weib!"
Hoch aufatmend, mit glänzenden Augen und zuckenden Lippen stand der junge Offizier vor Elsie, der armen, ver-
Elsie, ich habe niemals geleugnet, daß ich Sie hochschätze, daß ich Sie verehre, daß ich Sie — liebe!"
Sie senkte den Blick. Da war das Wort, das sie ge
fürchtet, von dem ihr gebangt hatte!
„Haben Sie keine Antwort auf mein Geständnis?" fragte er eindringlich, indem er sich zu ihr niederbeugte und versuchte, einen Blick ihrer Augen zu erhaschen.
Da sah sie groß und ernst zu ihm auf. „Sie vergessen die „Armenhaus - Prinzessin," entgegnete sie mit fester
„Ach, lassen Sie doch das thörichte Wortl" rief er ärgerlich. „Elsie, ich war ein Thor, daß ich nicht sofort Ihren Wert erkannte, wie ich von der ersten Stunde an, in der ich Sie sah, von Ihrer Schönheit entzückt war. Ich glaubte, Sie wollten sich der Bühne widmen, ich sah sie schon von all dem eitlen, bunten Flttterkram des Theaters umgeben und ich meinte, daß Sie nicht anders seien, als alle die anderen Damen vom Theater und ich — restg-
Mrstin und verscheuchte die Traurigkeit von der Stirn, aus . Niemandem konnte sie sich anvertrauen, wollte sie nicht das der Seele ihrer Herrin durch ihre Lieder. I einzige Gluck verlieren, in seiner Nahe wellen zu dürfen.
Die Herzogin sandte dann selbst die den Dienst thuenden Sie bangte vor der Entdeckung ihres Geheimnisses und schrak Hofdamen fort - nur eine alte Kammerfrau wachte im Vor- I zusammen, wenn die klaren, grauen Augen des Rittmeisters Ammer, während Elsie bei der gütigen, kranken Fürstin I von Hannecken forschend, leicht spöttisch und doch mit einer Lttt, ' y gewissen Teilnahme auf ihr ruhten.
Wird es Ihnen auch nicht zu einsam, zu still bei mir I Der Rittmeister suchte sich Elsie in der lebten Zeit einsamen, kranken, alten Frau, mein liebes Kind?" fragte mehr und mehr zu nähern. Hatte er sie früher tm Hause dann wohl die Herzogin, zärtlich die blonden Locken Elsies I seiner Eltern mit spöttischer, neckischer Galanterie behandelt, streichelnd. „Sie sind jung, schön und reich begabt- Ihr so zeigte er jetzt eine gewisse ehrerbietige Haltung, welche Herz sehnt sich gewiß hinaus in den Glanz des Lebens, und Elsie anfangs belustigte, nach und nach aber mit geheimer ich halte mein kleines, armes Singvögelchen fest in der I Sorg- erfüllte. Der Rittmeister verfolgte augenscheinlich dumvsen Krankenstube." I einen Plan: er umlauerte Elsie mit forschenden Blicken, er
Dann kniete Elsie vor der Fürstin nieder und küßte 1 suchte die Gelegenheit, mit ihr allein zu sein, sie in ein in- die armen, schwachen, hageren, blaffen Hände, und Worte I timeres Gespräch zu verwickeln und zeigte einen unverholenen des Dankes, der Liebe, des Vertrauens quollen über ihre I Mißmut, wenn Elsie ihm auswich.
q.” " ' j Auf die Dauer vermochte Elsie auch ihre Taktik des
Nein, es wurde ihr nicht zu einsam in dem großen, I AuSweichens nicht aufrecht zu erhalten. Das Leben an dem weiten Schloff-, den hallenden Korridoren, den glänzenden I kleinen Hofe und dem Schlosse führte den Adjutanten des Sälen, dem lauschigen Turmzimmer, das man ihr als Herzogs und die Vorleserin der Herzogin fast täglich zu- Wohnzimmer etngeräumt, und den verschneiten, vielver- I sammen, und so war es denn Elfte auch ganz willkommen, schlungenen Wegen des großen Parkes, der sich in den Hoch- als sie an einem der ersten schönen Früh ingstage auf einem wald verlor, welcher sich hinter dem Schlosse emportürmte. I Spaziergang im Schloßpark dem Rittmeister begegnete und Es wurde ihr nicht einsam in der glänzenden Gesellschaft I an dem Aufleuchten seiner Augen bemerkte, daß er entschlossen des Hofes, inmitten der reichen und vornehmen Damen, die I war, diese Gelegenheit zu benutzen, um eine Aussprache mit kühlem Stolz auf den armen, niedrigen Eindringling herbeizuführen. , r
herabsahen, inmitten der ordengeschmückten, glänzenden Herren- | „Darf ich Ste imf Ihrem Spaziergang beglei en, weit, die sie mit süßlicher, halb spöttischer Galanterie um- Cousine?" fragte er, höflich grüßend.
schmeichelte, inmitten der glanzvollen Hoffeste, inmitten der I „Mein Spaziergang tst bald beendigt, entgegnete sie. einsamen, stillen Stunden und am Tage am Krankenbett „Indessen, ich sehe, «ie haben mir etwas z» sagen, ich will ihrer hohen Gönnerin. Ihnen Rede und Antwort stehen. Also sprechen Sie!"
Es wurde ihr nicht einsam - sie fühlte sich nicht allein, Sie sah ihm fest in die Augen, aber in ihren Wangen
denn immer und überall fühlte sie ein dunkles Auge, leuch- stieg eine feine Röte, empor und ihre Stimme zitterte leicht,
tend auf sich ruhen, immer und überall sah sie eine hohe I Er atmete tief auf.
männliche Gestalt, immer und überall — selbst in den stillen I „Ich sehe," fuhr er fort, „daß Sie mich endlich anhören
Stunden der Nacht und dem lauten Lärm der Feste ver- I wollen, Cousine, und ich bin Ihnen dankbar dafür.
nahm sie den warmen, innigen Tonfall der leise aufjubelnden „Sie nennen mich jetzt immer Cousine - früher war Stimme: „Auf Wiedersehen — auf baldiges Wiedersehen!" I ich Ihnen nur Klein-Elsie. Hat meine Stellung bei Ihrer
Außer der Herzogin besaß Elsie keine Freundin- außer I Hoheit Sie vermocht, unsere Verwandtschaft anzuerkennen? dem alten General von Hannecken keinen Freund. Aber auch | „Sie thun mir unrecht, Elsie. Ich habe diese Verwandt- mit diesen Freunden konnte sie nicht darüber sprechen, was 1 schäft niemals verleugnet. Ich bin stolz darauf, aus dem ihr Herz so stürmisch bewegte, was den Inhalt ihres ganzen 1 Stande der freien Bauern dieses Landes entsprossen zu sein, Lebms ausmachte. ich bin stolz darauf, daß meine Vater die Anerkennung ihrer
Sie empfand aber auch nicht das Bedürfnis der Aus- Verdienste, ihrer Tapferkeit gefunden haben, welche rn dem spräche. Sie bebte vor der Berührung ihres Geheimnisses I adligen Namen, den ich führe, zum Ausdruck kommt. Der zurück, das sie selbst sich ihrem Herzen nicht zu offenbaren I Mut, die Tapferkeit, die freie, adlige Gesinnung haben auch I Sie geerbt, obgleich Sie noch den einfachen Namen unseres
B Sie wußte anfangs selbst nicht, daß es die Liebe, die | gemeinsamen Ahnen^ tragen. Doch das nur^ nebenbei. — erste, aufflammende, heiße Liebe des zum Leben erwachten Weibes war, was sie auf den Gipfel des Glückes erhob, was sie oft in den Abgrund banger Zweifel stürzte.
Sie durfte sich ja dieser Liebe nicht hingeben- diese Liebe war Wahnsinn, war Sünde! Aber sie besaß die Kraft nicht, diese Liebe aus ihrem Herzen zu reißen, so oft sie es auch versuchte. Wenn er, dessen männliche Schönheit, dessen bezaubernde Güte, dessen edle Gesinnung ihr Herz bezwungen, wieder vor ihr stand, wenn sein dunkles Auge flammend tu stummer Bitte, sehnend in stillem Kummer, auf ihr ruhte, dann fühlte ste, daß keine Macht der Welt ihr diese wahn-


