Ausgabe 
12.3.1899
 
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(Nachdruck verboten.)

Die Armenhausprinzessin.

Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

VIII.

Dasfabelhafte Glück" derArmenhaus-Prinzessin" erregte in allen Schichten der kleinen Residenz das lebhafteste Aufsehen.

Wie der Name aus der armseligen Jugend Elsies be­kannt geworden war, vermochte eigentlich niemand zu sagen.

Zuerst flüsterte man ihn spöttisch in den Kreisen des Osfizierkorps - von diesem ging er in die Künstlerwelt des Städtchens über und verbreitete sich dann mit,Blitzesschnelle durch die ganze Stadt. Fräulein von Prangen und Fräu­lein von Hamberg, die beiden Gesellschaftsdamen der Her­zogin, nannten Elfte mit keinem anderen Namen mehr in ihren vertraulichen Gesprächen untereinander und mit den übrigen Damen des Hofes und der Gesellschaft. Die Ober­hofmeisterin Gräfin Bittenfeld rügte allerdings anfangs diese spöttische Bezeichnung derVorleserin Ihrer Hoheit der Frau Herzogin-Witwe", unter welchem Namen Elsie in dem Etat des Hofstaates geführt wurde, aber bald gewöhnte auch sie sich an die Benennung, die sie dem alten Oberhof­meister Seiner Hoheit, dem Baron von Trautenstein gegen­über, lächelnd als durchaus zutreffend bezeichnete.

Sie glauben nicht, Excellenz," flüsterte sie dem Baron während eines intimen Abendcercle der Herzogin zu,welch' ein Hochmut in diesem Mädchen steckt. Rittmeister v. Hannecken hat recht, wenn er in diesem wilden Reis seines Stammes das amerikanische Blut entdeckt zu haben meint, Ihrer Hoheit der Frau Herzogin beugt sie sich aber sonst niemandem selbst mir nicht. Neulich versuchte ich ihr einige Vor­schriften in Bezug auf Haltung, Kleidung und dergleichen

1899.

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fie gesunde Kraft der deutschen Volksseele giebt uns die Zuversicht, daß sie dem Ansturm des auf fremden Boden erwachsenen, ihrem innersten Wesen feindlichen Naturalismus, der die Wurzeln deutschen Denkens, deutscher Litteratur und deutscher Kunst zu untergraben sucht, siegreich begegnen wird, ohne an dem besten Teile des deutschen Geistes, dem Idealismus, Schaden zu erleiden. Adolf Rosenberg.

zu geben, da blickte sie mich mit einem Lächeln an einem Lächeln, Excellenz, das fast impertinent zu nennen war."

Excellenz lachte sehr belustigt auf.

Meine teuerste, gnädige Gräfin," meinte er flüsternd, indem er sich zu der alten Dame niederbeugte,wenn man solchen Schutz genießt, wie unser Armenhaus - Prinzeßchen, darf man schon ein wenig impertinent sein."

Dabet blinzelten Excellenz pfiffig mit den kleinen Aeug- lein nach Sr. Hoheit dem Herzog hinüber, der sich eben wieder angelegentlich mit Elsie unterhielt, nachdem diese soeben ein Lied beendet und sich von dem Flügel erhoben hatte.

Die Gräfin warf das Haupt mit dem wohlfrisierten, schneeweißen Haupthaar in den Nacken.

Excellenz wollen doch nicht sagen, daß Hoheit ein tieferes Interesse für dieses Mädchen empfindet?"

Excellenz kicherten in sich hinein, klemmten das Monocle in das rechte Auge und blickten die Oberhofmeisterin mit spöttischem Lächeln an.

Aber, gnädigste Frau Gräfin, davon habe ich kein Wörtchen gesagt! Steht unser Armenhaus-Prinzeßchen nicht unter dem Schutz der Frau Herzogin? Wie sollte ich mich erkühnen, von einem anderen Schutz zu sprechen?"

Wieder kicherte die lustige, alte Excellenz gar spöttisch und boshaft.

Die Gräiin wurde purpurrot vor Zorn über sich selbst, daß sie ihre Gedanken so unvorsichtig verraten und wandte sich ab, ohne die pfiffige Excellenz einer Entgegnung zu würdigen.

Elsie selbst vernahm von dem Flüstern des Spottes, des Neides, der Bosheit und auch des Mitleids rings um sie nichts. Wohl begegnete sie hin und wieder einem kalt forschenden, beobachtenden Blick, einem leichten malitiösen Lächeln, einer kühlen Zurückhaltung in Miene und Haltung, aber ihr Glück, ihre innere Befriedigung waren zu groß, als daß sie auf diese Aeußerungen einer geheimen Gegner­geachtet oder Wert gelegt hätte.

Mit inniger Verehrung und kindlichem Vertrauen legte sie sich an die rührende Gestalt der fürstlichen )erin an, welche ihr wiederum mit mütterlicher Liebe Zärtlichkeit entgegenkam. Kein Tag verging, daß Elsie Stunden lang der kranken Fürstin vorlesen, Vorspielen Vorsingen mußte. Ost auch spät in der Nacht, wenn .ichkeiten aller Art den Hof und die Gesellschaft in den erfüllten Sälen des Schlosses oder in den Salons des s der Stadt versammelt hielt, weilte Elsie bei der