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frappiert, sondern die Erfüllung aller Hoffnungen zu gewähren scheint, die sich an eine Wiedergeburt, an eine neue Renaissance der Kunst überhaupt knüpfen. So unternimmt es denn Alfred Ruhemann, uns in einem mit intimster Kennerschaft geschriebenen und in Heft Nr. 9 und 10 der illustrierten Familienzeitschrift ,,Vom Fels zum Meer" (Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart) veröffentlichten Aussatz „Die belgische Kunst der Gegenwart" deren Hauptvertreter an der Hand eines reichen und charakteristisch gewählten Bilderschmucks überzeugend vor Augen zu führen. Ein gleiches Interesse erregt ebendort auch die nun bereits bis Abteilung V gediehene Artikelserie „Unser Kunstgewerbe" von Arnold Fromann, welcher uns diesmal mit einer Reihe
von Abbildungen moderner Gefäße und sonstiger Zieraten aus Terra- cotta, Fayence, glasiertem Thon oder Stein bekannt macht. Aus dem übrigen reichen und gediegen illustrierten Inhalt der beiden Hefte nennen wir noch die Artikel „Bei den siebenbürgischen Sachsen" von W. Friedrich; „Die Harzquer- und die Brockenbahn" von Hubert von Trützschler und „Bulgarien in Wort und Bild" von Joseph Beckmann. Im belletristischen Teil, der novellistische Arbeiten von Isolde Kurz, Emil Marriot rc. aufweist, behauptet Gabriel Reuters Roman „Frau Bürgelin und ihre Söhne", eine Erzählung von hohem künstlerischem Werte, durchaus die Führung, und es sei eindringlich auf dieses neue Werk der bekannten Verfasserin von „Aus guter Familie" hingewiesen.
Minz Karneval und sein Kofgaat.
Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmannfaktur, Dresden-X.
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welche die unmöglichsten Pläne
Champagner und Austern.
denn nicht auch in dieser Jahreszeit einmal alle konventionellen Schranken fallen, einmal alle grauen Sorgen verbannt werden und dafür unter Nichtbeobachtung der sonstigen strengen Gesetze unter einer Maske die goldeneFreiheit in übersprudelnder Lebenslust genossen werden? Die Faschingszeit ist sicher für die lebensfrohen Optimisten eine erwünschte Abwechselung im grauen Einerlei des Alltagslebens, und in den Gegenden wo Prinz „Karneval" als ein solcher verehrt und angebetet wird, reden, denken und entrieren die Menschen nichts anderes als „Karneval", und kein Opfer erscheint ihnen groß genug, wenn es für diese Hoheit gilt. Pflicht und ernste Arbeit werden für diese Zeit verabschiedet, und Amüsement und Vergnügen aller Arten treten in den Vordergrund. Welches Bild ließe sich wohl an Farbenreichtum und Originalität dem eines Maskenballes gleich stellen; gleicht dieses Bild nicht einem hervorgezauberten internationalen Märchen? Dieser Wetteifer unter den stolzen Nationaltrachten — wieviel Anmutduft und Grazie bei den wandelnden Blumen — welche Genialität verraten die Gewänder
Die Fastnachtsbälle sind es in erster Linie, denen vornehmlich die lebenslustige, sorgenlose, sprühende Jugend gern ihren Tribut zollt, für geschmiedet, die verwegensten Scherze ersonnen werden. Warum sollten
Domino.
der irgend ein Symbol versinnbildlichenden Gestalten. Was die Toi- lettensrage dieser Zeit betrifft, so kann eigentlich von Fragen und Be- denken im gewöhnlichen Sinne doch keine Rede sein, da hier die Fantasie ohne Grenzen walten kann. Wurde bei den konventionellen Balltoiletten der größte Wert auf kostbare Stoffe, zarte Farben derselben und gewählte Arrangements gelegt, so fallen hier diese Gesetze gänzlich fort, und nur Originalität, launische Einfälle, fröhliche Scherze suchen sich bei der Anordnung dieser Toiletten zu übertreffen, oft auch ohne Rücksicht auf Stoff, Farbe und Arrangement. Je origineller geschickte Hände eine solche Toilette verfertigen, um so besser gefällt sie; allerdings muß auch die eigentümlichste eine bestimmte Idee verwirklichen, um nicht statt originell, lächerlich zu erscheinen. Die Nationaltrachten der meisten Nationen erscheinen fast in jedem Jahre wieder aus der Bildfläche, ebenso die historischen Trachten, und die, welche ein Symbol verkörpern; desgleichen die schon erwähnten „wandelnden Blu
men" aller Arten. Als in dieser Saison wahrscheinlich besonders gewählte Nationaltrachten werden wir sicher die durch die Staats- und Wissenschaftsereignisse in den Vordergrund getretenen der Chinesen, Eskimos, und Egypter zu Gesicht bekommen. Die Nationaltrachten der Chinesen lassen jedenfalls, was
Blumenkörbchen, als ausgeschnittene Taille
Mannigfaltigkeit der Farben, Zusammenstellung und Anordnung der Stoffe betrifft, nichts zu wünschen übrig und können hier, vereinigt mit künstlerischem Geschmack, wirklich pikante Kostüme geschaffen werden. Die verschiedenen Nationaltrachten überhaupt sind stets sehr beliebteKostüme und empfehlen wir daher die uns am hübschesten erscheinenden der Griechen, Schweden, Russen, Holländer; die anmutigen Trachten der Berg- und Alpenbewohnerinnen. Dann werden in den letzten Jahren noch bevorzugt die als ein- zelneBlüten erscheinenden duftigen Toiletten der beliebtesten Pflanzen. Solche von bestimmter, nicht zu winziger Form eignen sich für diese reizenden Toiletten sehr, und denke ich zuerst an die Rose, die allerdings jetzt, nach französischen Berichten ihre Herrschaft als „Königin der „Blumen", der geruchlosen Kamelie abgeben soll. Ferner lassen sich für diese Zwecke verkörpern die Schwertlilie, Lotosblume, Sonnenrose, Stiefmütterchen, Schneeglöckchen, Springauf, Mar
guerite und Mohnblume. Für
eine besonders zierliche Figur empfehlen wir ein Toilette gedacht und zwar so, daß die natürlich
Harlekinette.
durch ein Bandgeflecht, das Körbchen darstellend und der fußfreie Rock mit Bouquetts aller Blumenarten und Bändern behängt wird. Diese letztgenannten Blumentoiletten eignen sich, ihrem Charakter entsprechend, vorwiegend für leichte graziöse Figuren, auch Kinder, die durch ihre Erscheinung den Reiz des Blumenhaften noch erhöhen. — Eine wichtige Rolle bei einem Maskenballe spielen natürlich auch diejenigen Toiletten, die in althergebrachter Weise bei jeder derartigen Belustigung vertreten sind. Wir rufen ins Gedächtnis zurück den stets so beliebten Dominoanzug, die reizenden Schmetterlingstoiletten, die verkörperten Reklame - Spieltoiletten. Die der vier Elemente, Wasser, Feuer, Erde, Lust lassen sich ebenfalls nach beliebiger Auffassung vortrefflich verkörpern, desgleichen die allegorische Gestalt der Nacht. Ferner eignen sich vorzüglich für Fastnacht auf das Postwesen sich beziehende Toiletten. — Und nun zuguterletzt die kühnsten Schöpfungen
dieser Art, die unbedingt dem Charakter Marguerite der Faschingszeit entsprechen und somit dem
Prinzen Karneval die Krone aufsetzen; es sind die der männlichen und weiblichen Gigerl, der Harlekinette; die an den Anzug eines Clowns erinnernden grell zweifarbigen Kostüme der Pierette, bei deren Anblick man das Schellengeläute des Karnevalstrubels zu vernehmen glaubt.
Ein recht fescher Anzug für Kostümfeste läßt sich Herstellen, indem man als Motiv irgend welche pikante Genüsse wählt, und zu charakterisieren sucht, wie z. B. Champagner und Austern, womit man namentlich der Herrenwelt als sehr „geschmackvolle" Figur erscheinen wird.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen-


