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freundschaft gedankt hatte. Das spätere, ihm so Unerwartete, war schriftlich zwischen ihnen verhandelt worden. Sie hatte ihm stolz betont, daß sie sich nicht in die Familie eindrängen wolle, daß aber Albert jetzt ein freier Mann sei, nicht an Standesrücksichten gebunden, und wenn er erkläre, daß sein Glück in ihrer Vereinigung beruhe, so könne sie keinen Grund finden, der sie, die Albert liebe, hindern könne, ihm anzugehören.
Des alten Herrn Gerechtigkeitssinn gab ihr das zu. Nicht sie trug die Schuld, wenn seines zweiten Neffen Heirat nicht nach den Traditionen der Familie sich gestaltete, und er ließ es sie nicht entgelten. Er willigte darein, daß sie bei diesem großen Familienfest offiziell von ihm selbst den Standesgenossen vorgestellt und ihr damit ihr Platz gesichert werde.
So verlief die glänzende Vermählungsfeier großartig und schön. Man bewunderte die strahlende Braut und ihre prächtige Toilette, die Juwelen, welche sie trug, und den kräftigen Mann an ihrer Seite, der nicht immer auf weichen Polstern geruht hatte, wie sie, und nun doch den Typus eines Standesherrn, wie er sein soll, repräsentierte.
Aber die Herren waren fast einstimmig der Meinung, daß die junge Gemahlin Baron Alberts der geschmückten Braut den Schönheitsrang streitig mache. Mathilde von Trott sah blendend aus in ihrer blaßblauen, silberdurchwirkten Damastrobe und bezauberte und gewann alle Herzen durch ihre Anmut. Man wunderte sich nicht mehr über die Mesalliance.
Als das brillante Feuerwerk losbrannte, und die sprühenden Feuergarben die dunklen Alleen des Parks erhellten, als alles in einem Lichtmeer erstrahlte, und eine leise Musik durch die von Rosenduft erfüllte Luft zu ihnen heraufschwebte, standen die beiden Paare auf dem Balkon. Eine tiefe Bewegung ergriff die Gemüter.
Hertha umarmte Mathilde stürmisch.
„Im Grunde danke ich Dir mein Glück," rief sie, „um Deinetwillen kam er, mein Geliebter, zuerst hierher, und Dein Anblick gab mir den Anstoß zu meinem neugierigen Forschen und war der Anfang meines Interesses."
„Also aus Deiner Neugierde wuchs Deine Liebe heraus," rief ihr junger Gatte lachend, „o Evastochter, wie weißt Du Deine Fehler zu Tugenden umzugestalten!"
GeineinniitzigeK.
Zeichentinte für Pakete. Hierzu werden 65 Gramm Schellack, 65 Gramm Borax, 750 Gramm Wasser und 65 Gramm arabischer Gummi verwendet. Als Farbe dient venetianisch Rot oder Rußschwärze. Lack und Borax werden im Wasser bis zur vollständigen Auflösung gekocht. Dann fügt man den Gummi hinzu und entfernt den Kessel vom Feuer. Ist die Masse erkaltet, so fügt man den Rest Wasser (bis zu 750 Gramm) hinzu und soviel Farbe, bis die richtige Decke da ist. Zum Aufbewahren bedient man sich gut verschlossener Glasflaschen.
KesundHeitspflege.
Giev dir fleißige Körperbewegung im Tempel der Natur und atme langsam in tiefen Zügen ein und aus. Bewegung ist die beste Medizin für den Körper. Sie ist auch der billigste Magenbitter, denn sie macht Appetit. Jeden Tag, selbst bei wenig günstigem Wetter, mache einen Erholungs- und Gesundheitsspaziergang in frischer Luft durch Wald und Flur.
Sich auf leichte Weife zu erwärmen, dafür giebt es ein einfaches, wenn auch wenig bekanntes Mittel, das wir für die kalte Jahreszeit unseren Lesern hiermit zur Beachtung empfehlen. Es besteht darin, daß man mit geschlossenem
Munde einen langen, tiefen Atemzug thut und'dies wiederholt, bis die Wärme zurückkehrt, was durchaus nicht lange dauert. Tiefes Atmen befördert den Kreislauf des Blutes und führt ihm frischen Sauerstoff zu. Das Blut strömt frei bis in alle Ausläufe der Adern und erzeugt auf diese Art eine größere Wärme. Auch allerlei beginnende Nebel und Erkältungen werden durch regelmäßig wiederholtes, tiefes Atmen verhindert.
Rheumatischen Gestchtsschmeez mit Zahnweh verbunden, vertreibt man, wenn man die Wange mit einem Gemisch von Wachholderöl und Tafelöl einreibt (3 Teile Wachholderöl, 1 Teil Tafelöl).
Gegen übelriechenden Achselschweitz sind häufige Waschungen mit verdünnter Salicylsäurelösung anzuwenden. Nach jeder Waschung wasche man die gewaschene Stelle sorgfältig ab und pudere sie mit Salichlstreupulver ein.
Mr die Küche.
Billige nnd nahrhafte Pflanzenkost. Auf Grund neuester Untersuchungen verlangen wir heute von jedem guten Nahrungsmittel, daß dasselbe reich an Eiweiß sei und sowohl dieses, wie die Kohlehydrate, z. B. Stärke, Zucker rc. in leicht verdaulichster Form enthalte. Diesen Anforderungen vermochte bisher nur die Fleischkost gerecht zu werden, die leider wegen des immerhin noch teuren Preises nicht jedermann in ausreichender Menge zugängig ist. Die pflanzliche Nahrung besitzt zwar die zum Aufbau und zur Erhaltung des menschlichen Organismus nötigen Stoffe oft in noch reichlicherer Menge; aber in ihr finden sich die Nährsubstanzen, zumal das Eiweiß, in so dichter Umhüllung der löslichen Zellhaut, daß ste vom Körper gar nicht ausgenutzt werden können. Selbst wenn solche Gerichte vor der Aufnahme gekocht werden, vermag sie der Organismus nicht gehörig zu verwerten. Diesem Uebelstande ist in den letzten Jahren durch die Herstellung der „Quäker Oats' abgeholsen worden. Dieselben bestehen aus feinstem Weißhafer, der durch ein eigenartiges Quetschverfahren von der unverdaulichen, die Nährstoffe einschließenden Hülle vollkommen befreit ist und nunmehr einen angenehmen, bisquitartigen Geschmack besitzt. Die Quäker Oats haben denselben Nährwert, wie das Fleisch, sind aber nur den dritten Teil so teuer als letzteres, weshalb sie sich auch bereits allgemein eingebürgert haben. Sie sind frei von jedem Staub oder irgend welcher Verunreinigung, da sie nur in geschlossenen Paketen in den Handel kommen. Brei und Suppen von „Quäker Oats", zumal an Stelle des Morgenkaffees, sind wegen ihres hohen Nährwertes und angenehmen Geschmacks besonders für Magenleidende, Rekonvaleszenten und Kinder außerordentlich zu empfehlen.
Hrrmsmstisches.
Au f der Post. „Ich möchte mich beschweren! — Jetzt warte ich mit dem Telegramm schon 10 Minuten auf Beförderung." — Schalterbeamter: „Lieber Herr! Darauf warte ich schon seit 10 Jahren."
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Beim Drogisten. „Für wieviel willst Du
Insektenpulver, Kleiner?" „Für Vatern) Muttern und mich." * •
Nicht s o schlimm. Ehemann (jungvermählt): „Nun, wie gefällt Dir mein Weibchen?" — Freund: „O, ich glaubte immer, Du hättest .viel mehr Schulden gehabt. __________
Literarisches.
Die belgische Kunst der Gegenwart beansprucht neben der deutschen, niederländischen und skandinavischen zweifellos das höchste Interesse, da sie nicht nur durch den Reichtum an bahnbrechenden Talenten und den lebendigen Wettstreit zwischen der Malerei und der Bildhauerkunst


