Nachdruck verboten.
Gesühnte Schuld.
Roman von Alexander Römer.
(Schluß.)
Ihr Vormund legte jetzt seine Hand schwer auf ihre Schulter.
„Da Du selbst so entschieden gewählt hast," sagte er, „so will ich Deiner Wahl meinen Segen nicht versagen, Hertha, und ich hoffe, daß Dein Vater, der das Schützeramt für Dich in meine Hände legte, mir darob nicht zürnen wird. Wenn Dir dieser Mann die Schuld seiner ersten Jugend gebeichtet hat, die ihm ein schweres Leben schuf, so bekenne ich hiermit in dieser Stunde, daß er nach meiner menschlichen Einsicht diese Schuld gebüßt und bezahlt und sich zu einem starken, tüchtigen Manne emporgearbeitet hat. Ich war hart gegen Dich, Hans," er wandte sich zu seinem Neffen und reichte ihm die Hand, die dieser bewegt ergriff, „ich konnte meiner Natur gemäß nicht anders sein, aber wie ich damals gerecht zu sein wünschte, will ich es auch heute sein. Mein Mund spricht Deine Ehre rein von jenem Fehl. Das Gesetz weist Dir,. sobald Du Dich als mein ältester Neffe auswetsest, den Besitz von Trautdorf nach meinem Tode zu, Du wirst meine Schöpfungen weiter führen, wie ich jetzt hoffe und glaube, in meinem Geist und Sinn. Ich lege getrost dereinst am Ende meiner Tage die Arbeit meines Lebens, und jetzt schon das Glück meines Mündels in Deine Hände."
„Onkel! ich danke Dir — ich glaubte nie eine solche Stunde zu erleben." Hans von Trott griff nach der Hand seiner Braut, er war tief erschüttert.
„Uebrigens —" seine Kehle war so gepreßt, daß er kaum weitere Reden vorzubringen vermochte, „Albert — er wird genesen — er wuchs in der festen Hoffnung auf, Dein Erbe zu sein — ich gab ihm vor Jahren mein Wort — ich hielt damals jede Möglichkeit für mich ausgeschlossen, daß Du mich je würdig erachten könntest —"
Hertha sah ihm mit leuchtenden Augen in das bleich gewordene Gesicht.
Sonntag den 12. Februar
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JagEt ns're Erde ist nur ein Stern unter den Sternen und wir, aus ihm, sollten nicht auch durch ihn uns vorbereiten zur An- schauung der Welt und ihres Schöpfers und Meisters?
C. Ritter.
„Ich weiß das," entgegenete Baron Jobst kurz, „Albert hat mir gebeichtet. Er giebt Dir selbstverständlich Dein übereilt gegebenes Wort zurück. Ihm fehlt das Erstgeburtsrecht des Blutes und des Geistes. Er will seiner Liebe folgen, eine Dame bürgerlichen Standes heimführen, der ich meine Achtung nicht versage, die aber nicht zur Herrin auf der Standesherrschaft taugt. Ich alter Mann beuge mich in Demut den Fügungen einer höher» Macht und danke dem Herrn, dessen Gnade groß war über uns allen."
Aus Herthas Augen perlten zwei große Thränen, sie beugte sich über die Hand des Alten und küßte sie dankbar und ehrfurchtsvoll. Hans folgte ihrem Beispiel. Dann warf Hertha den Kopf zurück und atmete tief. „Oh! Ihr Verschwiegenen !" sagte sie. „Ich löste nicht aus eigener Macht das große Geheimnis, dem ich mit allen Listen nachspürte. Hans — Hans von Trott, ein älterer Bruder Alberts, von dem nie gesprochen war. Darauf konnte ich nicht verfallen. Aber nun — wie herrlich werden wir zusammen leben —"
»Ja, zusammen, wenn es euch recht ist," fiel Baron Jobst lebhafter ein, seine Züge hatten sich aufgehellt, in seinen Augen lag ein jugendlicher Glanz- jetzt erst, nachdem er die Ueberraschung überwunden hatte, quoll ihm die Freude über diese Verbindung empor, und er fand, daß die beiden sehr gut zu einander paßten. „Nehmt Euren Heimatsitz auf Trautdorf, füllt mir das öde Haus mit frischen, fröhlichen Stimmen."
„Mr. White! Haben Eure Gnaden nun eine Heimat gefunden? Haben Eure Gnaden noch Gelüste, nach Amerika zurückzugehen?" Hertha knixte vor dem Geliebten und sah ihm übermütig lachend in die ernsten Augen.
„Nein, Zauberin! Deine Liebe hat mich rein gewaschen, Deine Liebe hat mir das verlorene Paradies wieder erschlossen."
Er küßte sie.
„Oh, Lu großer, starker Mann, Du badetest Dich selbst im Kampf des Lebens durch die eigene Kraft rein. Mir bist Du fortan Vorbild, Richter und Gewissen, und ich will sehr auf meiner Hut sein, damit um Dich in Zukunft nur Sonnenschein sei."
Fünfzehntes Kapitel.
Zwei Monate später, im Juli, im Rosenmond, prangte Schloß Trautdorf in ungewohntem Festesschmuck. Solch ein Leben und Treiben hatte man, seit die jetzige Generation denken konnte, dort nicht erlebt. Innen und außen war alles mit Rosen bekränzt, die Festons und Guirlanden schlangen stch auch in der Allee, durch welche die Gäste zum


