Ausgabe 
11.7.1899
 
Einzelbild herunterladen

387

und:Warum willst Du nicht?" drängte Martha. Sie ließ sich nicht mit halben Gründen abftnden.

Dorothea erwiderte nichts. Eine Weile blickte sie stumm vor sich hin,- dann, ohne die Kinder anzusehen, das forschende Auge auf Ziel gerichtet, sagte sie langsam und leise wie vorhin:

Nun wohl. Wenn Euch soviel daran liegt, und wenn der Herr Rechtsanwalt die Inschrift schön und wahr findet so sagten Sie doch?"

(Fortsetzung folgt.)

Die Diät bei fieberhaften Krankheiten.

Den hervorragenden Aerzten des Altertums und des Mittelalters konnte es ebensowenig entgehen, wie den modernen Aerzten, daß schwere und langdauernde Fieber die Kranken oft bis zu wahrer Erschöpfung herunter bringen, ja durch Abmagerung zum Tode führen,- aber man wagte bis in unser Jahrhundert nicht, Fiebernden etwas anderes als Mehlsuppen oder gar bloßes Wasser zu reichen, weil man durch die Heiz­kraft der Nahrung das Fieber zu erhöhen fürchtete. Erst in den letzten Jahrzehnten ist ein Umschwung eingetreten, und die Wahrheit hat sich Bahn gebrochen, daß reichliche Er­nährung in geeigneter Form den Gewichtsverlust des Fiebern­den vermindert, und, ohne zu schaden, die Aussichten der Ge­nesung bessert. Die Besonderheiten des fieberhaften Prozesses, auf welche die Ernährung Rücksicht zu nehmen hat, sind folgende: Die Körpertemperatur ist erhöht, der Appetit fehlt bei starkem Durste, der Mund ist trocken, der Magensaft im Versiegen, die Thätigkeit des Magens herabgesetzt, das Herz ist geschwächt, die Nervenfunktion leidet, die Stickstoffaus­scheidung ist außerordentlich erhöht, die Kohlsensäureabsonderung wenig verändert. Alle diese Fiebererscheinungen werden durch die im Blut kreisenden Bakterien hervorgerufen. Wie nun Professor Lehden, der berühmte Berliner Kliniker, der sich seit dreißig Jahren mit der Ernährung im Fieber beschäftigt hat, in derTherapie der Gegenwart" auseinandersetzt, soll die Ernährung so eingerichtet werden, daß keines der Fieber- shmptome dadurch gesteigert wird- im Gegenteil soll dahin gestrebt werden, dieselben durch das Fieber möglichst günstig zu beeinflussen. Es erfordert also der Zustand des Mundes und des Magens, daß die Nahrung der Fiebernden flüssig sei, daß sie stets vor dem Genüsse aufgekocht und daß sie immer nur in kleinen Einzelgaben dargereicht werde. Mit Rücksicht auf die erhöhte Körpertemperatur sei sie stets abge­kühlt. Die Flüssigkeitszufuhr soll reichlich sein, um die Thätigkeit der Nieren anzuregen, zugleich aber auch, um die Infektiösen Gifte in möglichster Verdünnung zur Ausscheidung zu bringen, den Körper gleichsam auszuwaschen. Die Herz- thätigkeit soll durch die Darreichung alkoholischer Getränke angeregt werden. Die wichtigste Aufgabe ist aber, dem ge­steigerten Gewebezerfall, welcher bei länger anhaltendem Ge­webezerfall geradezu das Leben gefährdet, entgegenzuwirken. Von den Nahrungsmitteln, welche geeignet sind, den Fiebern­den gereicht zu werden, kommt in erster Linie die Milch in Betracht. Da sie dünnflüssig, leicht sterilisierbar und durch mannigfache Zusätze noch nahrhafter gemacht werden kann, so ist sie als ideales Fiebernährmittel zu bezeichnen. Wenn ein Fiebernder reichlich Milch verträgt, so ist auf Grund dieser Thatsache die Aussicht auf Genesung besser, als wenn er sie nicht verträgt. Bei der Darreichung der Milch kommt aber alles darauf an, langsam vorzugehen, mit kleinen Mengen zu beginnen, allmählich dieselben zu steigern und erst, wenn größere Mengen gut vertragen werden, den Versuch des Zu­satzes von anderen Substanzen zu wagen. Im Beginn des Fiebers ist die Einzelmenge der Milch 100 Gramm, welche vier- bis fünfmal am Tage dargereicht wird. Abwechselnd hiermit werden Wasser, Limonaden, Suppen, ab und zu auch

Bouillon, als Frühgetränk Kaffee oder Thee, ab und zu kleine Mengen Wein gegeben. Die Gesamtflüssigkeitszufuhr soll von Anfang an nicht unter 3 Liter betragen. Die meisten Fieber­kranken sind leicht auf einen Tageskonsum von 2 Liter Milch zu bringen, manche nehmen mit Lust 3 bis 4 Liter. Ist die Milch gut vertragen worden, so kann man sie im weiteren Verlauf des Fiebers nahrhafter machen, indem man Sahne oder Michzucker, oder beides zugleich zur Milch hinzumischt. Man beginnt im Verhältnis 900 Milch und 100 Sahne; vom Milchzucker werden eventuell 50 Gramm auf 1 Liter Milch verwendet.

Es kommt nun manchmal gar nicht selten vor, daß die Milch, wie von manchen Gesunden, auch von Fieberkranken nicht vertragen wird. Dann versuche man verschiedene Kunst­griffe, um die Milch dennoch verträglich zu machen. Man gebe eine Mischung von Milch mit Thee, Kaffee oder Chokolade, man reiche Milchmehlsuppen (mit Hafermehl, Reis­mehl oder Legumtnose oder Mondamin bereitet), man mische Milch mit Baldrianthee oder Pfefferminzthee, oder Kümmelab­kochung, oder man setze Cognac zur Milch hinzu. Wenn über den schlechten Geschmack der gekochten Milch geklagt wird, bediene man sich des Härtelschen Verfahrens, die Milch in langhalsigen Flaschen unter Paraffinverschluß zu kochen, um so den Luftzutritt zu verhüten; auch saure Milch kann versucht werden. Man verwende auf die Bemühungen, mit der Milch zum Ziele zu gelangen, die größte Geduld, denn das Schicksal der Fieberkranken kann von dem Resultat ab­hängen. Verursacht die Milch trotz alledem immer wieder Magen- und Darmstörungen und ist man gezwungen, auf sie zu verzichten, so muß man Mehlsuppen als Hauptbestandteil der Fieberdtät darreichen. Selbstverständlich ist hierdurch auf keine Weise der Nutzeffekt der Milchnahrung zu erzielen. Die Suppen macht man nahrhafter durch kleine Zusätze der eiweißhaltigen Nährpräparate (Peptone, Somatose, Nutrose, Tropon); man kann ihnen auch Gelbei zusetzen, abwechselnd mit den Suppen reicht man Bouillon, Kaffee, Thee und Fruchtsäfte.

Feste Nahrung wird Fiebernden gewöhnlich nicht dargereicht. Doch wird man hier und da gezwungen, davon Gebrauch zu machen, wenn Milch nicht vertragen wird und Erschöpfung bevorsteht. Dann ist die Nahrung so fein wie möglich zu zerkleinern und versuchsweise in kleinsten Einzelporttonen zu reichen. Geschabtes Fleisch, Kartoffelpüree, weiche, leichte Gemüse kommen in Frage. Die für das Fieber gewählte Diät ist in den ersten Tagen der Entfieberung noch unver­ändert beizubehalten. Erst drei bis vier Tage danach be­ginnt man die Ernährung reichlicher zu gestalten, je nach dem Zustande des Verdauungsapparates geht man früher oder später zu festen Speisen über, indem man die zarten Fleischsorten bevorzugt; je kräftiger sich der Patient fühlt, desto mehr geht die Diät zu den normalen Verhältniffen über.

Besondere Beachtung verdient die Art der Nahrungs­zufuhr, selbst bei schweren Fiebern ist der Comfort der Er­nährung, die Sauberkeit der Darreichung und die Sauberkeit der Gefäße nicht zu vernachlässigen.

VermMchtes.

Wie man vorwärts komme« kann. Die nach­folgenden Ausführungen stammen von einem Manne, der mit klarem Blick und Hellem Verständnis in die Dinge dieser Welt hineingeschaut hat. Es ist der am 31. Januar 1892 ver­storbene, berühmte englische Prediger Spurgeon (geb. 19. 6. 1834). In seinenReden hinter dem Pflug", die er alsPflüger Hans" geschrieben hat, findet sich ein Schatz von guten, praktischen Ratschlägen, wie wir leben und han­deln sollen. Er schreibt:

Das große Geheimnis des guten Fortkommens heißt: Tüchtig arbeiten. Trägheit bringt nichts als Lumpen und