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em Gott hartes Brot gibt, dem gibt er scharfe Zähne.
Sprichwort.
Nachdruck verboten.
Die Sünden der Väter.
Roman von Osterloh.
(Fortsetzung.)
VI.
Dorothea war im Zimmer ihres Gatten geblieben, vor ihr der geöffnete Schreibtisch, die Fächer herausgezogen, der Inhalt durcheinander geworfen im vergeblichen Bemühen, Geld oder Geldeswert zu entdecken. Die Päckchen mit Briefen hatte Ziel zartfühlend beiseite geschoben, und doch kam es Dorothea vor, als seien sie dadurch entweiht worden. Mit welch' ängstlicher Sorgfalt hatte ihr Mann über seine Briefschaften gewacht! Ihrem Hausfrauentriebe folgend, holte sie zunächst ein Wischtuch und begann den Staub von den Blättern zu entfernen.
Im mittelsten Fache obenauf lag Leonhards Schreibmappe, dabei der Federhalter, mit dem er zuletzt geschrieben. Sie brückte ihn verstohlen an ihre Lippen. Dann öffnete sie die Mappe. Sonderbar! Da lag ein angefangener Brief an sie selbst gerichtet.
„Meine liebe, teure Dorothea! Ehe ich zum
Hier brach es ab. Sie war doch gar nicht verreist gewesen, seit Jahren nicht. Und die Tinte glänzte noch ganz frisch! Daneben ein Brief, den er dem Datum nach am Tage seiner Abreise erhalten haben mußte. Er war von Olaf Nansen.
„Hochgeehrter Herr Rechtsanwalt!
Lieber väterlicher Freund!
Bitte, vergessen Sie mich ja nicht vor Ihrer Abreise. Ich komme sonst in große Verlegenheit —"
Dann eine Anfrage wegen eines von Leonhard verwalteten Hauses und zuletzt ein Zettel ohne Aufschrift in einer ungeschickten, verschnörkelten Frauenhandschrift, unorthographisch und liederlich.
„Warum habe ich das Geld noch nicht bekommen? Ich muß es haben- (das „muß" war dreimal unterstrichen) sonst schlägt mich dieser Mensch tot. C."
War das vielleicht ein Gläubiger, der Mann, der totschlagen wollte."
Die geschäftlichen Briefe fanden sich nicht hier. Die waren in der Expedition, nach den Anfangsbuchstaben geordnet, in Fascikel geheftet. Hier gab es nur Privatmitteilungen, Karten von seinen Freunden, ihre eigenen Briefe. Einer davon vor Jahren, da sie einmal im Bade gewesen war, noch uneröffnet!
Und hier wieder die schnörkelige, ungleichmäßige Hand» schrift mit dem langgezogenen C als einzige Unterschrift — noch ein solcher Brief — noch einer — ein ganzer Stoß — Zettel und Briefe!
Mit zuckendem Munde und weitgeöffneten Augen las sie zwei, drei, ein halb Dutzend der Blätter. Was war denn das? Träumte sie? Sie griff sich nach dem Kopfe, um sich zu überzeugen, daß sie wache. Es war ja nicht möglich, was sie da schwarz auf weiß vor sich sah. —
„Liebes Leochen! — mein Schnuckelchen" und wie die kosenden Anreden alle hießen, und darunter: Es küßt Dich, oder es umarmt Dich C. oder auch einmal der Name ausgeschrieben Clariffe, dazwischen bisweilen ein anderer Name in einer anderen Schrift, eine Marie, eine Rosa- aber das C. kehrte am häufigsten wieder. Da war eine Verabredung zu einem gemeinsamen Theaterbesuche, Dank für das süße oder das großartige Geschenk. Ein paarmal tauchte der Name von Ziel auf- „Als wir uns gestern bet Ziel trafen“ oder aber: „Du kannst versichert sein, daß ich Konradchen nichts verrate. Der gute Junge braucht nicht zu wissen—"
Sie suchte nach dem Datum, aber es fehlte. Nicht eines der Blätter zeigte die Jahreszahl, höchstens einmal den Wochentag. Dem Papier und der verblichenen Schrift nach mochten die Briefe vor sehr langer Zeit geschrieben seineinige davon zerfielen fast bei der Berührung. Gewiß Erinnerungen aus der Junggesellenzeit. Es würde ihr lieber gewesen sein, er hätte sie nicht so sorgfältig aufbewahrt, aber der Gedanke beruhigte sie doch. — Trügerischer Trost!
„Also Deine Frau ist noch krank- Du hast noch Ferien- um so besser."
„Ihr Name in diesen Briefen erwähnt! pfui! — Sie stößt die zartfarbigen Blätter von sich, als ob sie fürchte, sich durch diese Berührung mit ihnen zu besudeln. Sie mag nichts mehr lesen- sie weiß genug, mehr als genug! Dann reckt sie den Kopf in die Höhe, nach Atem ringend, der aufquellende Ekel droht, sie zu ersticken. Plötzlich schreckt sie auf. Leonhard ist eingetreten. Er hat sie nicht hier zu finden erwartet, weil kein Licht im Zimmer ist. Soll ich eine


