Ausgabe 
11.5.1899
 
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bald ihre beschwichtigende Wirkung, und die Eröffnungsfeier verlief in schönster Harmonie.

Am kommenden Sonntag sollte die Preisverteilung statt­finden. Während der Woche hielt die Jury täglich stunden­lange Sitzungen ab. Man hantierte mit Kinderwagen, man prüfte die Brustweite, schlug das Zentimetermaß um einige hundert Kinderwaden, kurz man war so ernsthaft beschäftigt, wie dies bei einer so ernsthaften Ausstellung nur möglich sein kann. Als es dann zur Abstimmung kam, ergab sich, daß nicht weniger als dreißig Mütter für würdig befunden wurden, als Besitzerinnen der schönsten, gesündesten, feistesten, liebenswürdigsten, appetitlichsten, gepflegtesten und wohl genährtesten Kleinen mit der großen goldenen Medaille prämiiert zu werden. Aber welches Wunder nahm man wahr? Sämtliche dreißig Mütter wohnten in der Müller­straße, indes die Bewohnerinnen der übrigen Stadtteile, der Frauenstraße, der Herrengaffe, der Prinzen- und Jägerstraße und wie sie alle heißen, höchstens der bronzenen Medaille würdig erkannt wurden, schirmte über der Müllerstraße der Glanz der goldenen.

Woher kam das? Hatte hier ein Engel Wunder ver­richtet? Wehte in der Müllerstraße eine gesündere Luft als in den anderen Windrichtungen der Residenz? Gab es hier Höhenklima oder Seeluft oder Fichtennadelduft? War der Nährstoff, den in dieser gesegneten Straße das Fleisch, die Milch, das Gebäck hatte, ein unvergleichlich höherer oder lebte hier eine eigene Race, gesünder als die anderen, sich und der übrigen Menschheit zum Entzücken?

Indes die Komitee-Mitglieder staunend über dieses Wunder diskutierten, nahm der kleine rothaarige Apotheker Mehlmeyer bedächtig eine Prise, meldete sich zum Worte und sprach:Hochverehrte Herrschaften ß Was Sie als ein Wunder ausposaunen, ist das Ergebnis eines höchst natür­lichen Vorganges, über welchen Ihnen mein tüchtiger und findiger Agent Semmelmeier die besten Auskünfte geben kann. Meine Apotheke befindet sich seit einem Vierteljahre in der Müllerstraße, und dem tüchtigen Semmelmeier ist es gelungen, die meisten Parteien dieser Straße zum Konsum des neuesten amerikanischen Hafermehlproduktcs zu bestimmen: Sie essen Quäker-Oats und geben ihren Kindern zum Frühstück, Mittag- und Nachtmahl davon. Nahrhafter als Fleisch, ein köstliches Mittel für Suppen und Saucen, ausge­rüstet mit sechzehn Prozent Eiweiß (Hört! Hört! rief die wohlgelaunte Schulrätin dazwischen) ist es zum Zaubermittel geworden, das so viel Müttern der Müllerstraße die Anwart­schaft auf die goldene Medaille für Kinderernährung gesichert hat. Esset Quäker-Oats! Das ist mein Rezept, effet es einfach mit Waffer und Milch oder mit Zuthaten von Brühe, Eiern, Zucker, Wein! Das ist mein Allheilmittel, das schafft einen blühenden Nachwuchs!

Und die Versammlung beschloß einmütig, die große goldene Medaille dem Erfinder des Quäker-Oats zuzu­erkennen. Er wird in den nächsten Tagen per Kabel davon verständigt werden.

Gemeinnütziger.

Iür die Küche.

Preisausschreiben für Damen! Für Einsendung der besten Rezepte zu Mehlklößen, Kartoffelpuffern und Pfann­kuchen, zubereitet unter Anwendung von Dr. Oetker's Back­pulver, sind zehn Preise ausgesetzt ä 100 Mk., im Gesamt­werte von 1000 Mark. Die Rezepte müssen eingesandt sein bis zum 1. Juli 1899. Die näheren Bedingungen erhalten die Damen gratis von den Firmen, welche das echte vr. Oetker's Backpulver ä 10 Pfennig führen oder direkt vom Apothekenbesitzer.

vEnifehtes.

Sehr ehreuvolle Anerkennung hat anläßlich der schwedischen Polar-Expedttion von 1898 die Akademie der Wissenschaften in Stockholm dem Liebig-Compagnte's Fleisch- Extrakt und dem Fleisch-Pepton der Compagnie Liebig gezollt. Das betreffende Attest lautet: Schwedische Polar-Expedition von 1898. Akademie der Wissenschaften zu Stockholm, Februar 1899. Während der schwedischen Polar-Expedition tut Jahre 1898 wurden sowohl Fleisch-Extrakt als -Pepton der Liebigs Extract of meat Company benutzt, und daß dieselben, ihrem schon befestigten Ruf gemäß sich in allen Beziehungen von Prima Beschaffenheit zeigten, in Verwendung besonders bequem waren und auf den Organismus eine stärkende und anregende Wirkung ausübten, ist es mir ein großes Vergnügen bezeugen zu können. Stockholm, im Februar 1899, A. G. Nathorst, Professor.

Ein Stammgast. Gast:Sie kennen jene Dame wohl schon von früher her?" Hotelier:Jawohl. Ah, das ist eine alte Kundschaft. Sie kehrt auf ihren Hochzeits­reisen jedesmal bei mir ein".

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Ein Jünger Aegir's.Mein Sohu soll Wein­händler werden".Also liegt seine Zukunft auch auf dem Wasser".

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Ganz derselben Meinung. Leutnant:Veilchen­thal, warum soll der Soldat nicht mit der Putzjacke über die Straße geh'n?" Veilchenthal:Recht haben Se, Herr Leutnant:Warum soll er nich?!"

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Arzt:Sie sollten jeden Morgen vor dem Frühstück ein Bad nehmen". Dame:Ich steh' aber immer erst nach dem Frühstück auf".

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Er:Was würdest Du thun, wenn ich Dich jetzt küßte?" Sie:Stelle mir keine solchen Fragen, George, Du erregst nur meine Neugier".

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E r:Du verlangst schon in einem fort Geld und immer Geld". Sie:Ja, weil ich nie welches bekomme".

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Ethel:Glaubst Du nicht auch, daß Madges Haar gefärbt ist?" Mabel:Nein, bestimmt nicht". Ethel: Woher willst Du es wissen?" Mabel:Weil ich dabei war, wie sie sich's gekauft hat". (Münch. Jugend.)

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Boshaft.Wissen Sie kein passendes Buch für meine Nichte, die Sängerin?"Schenken Sie ihr doch: Der gute Ton in allen Lagen!" (Fl. Bl.)

Litteravisches.

Die Etappen auf dem Wege von der Kindheit ins Leben sind, soweit sie in der Volks- und Kunstmusik ihren Ausdruck gefunden, haben, besonders glücklich zur Darstellung gekommen in Joseph Kürschners ».Frau Musika" (Berlin, Hermann Hillger Verlag Lieferungsausgabe, 20 Hefte a 60 Pf. nebst 2 prächtigen Einbanddecken gratis). Wir berichteten darüber bereits bei Erscheinen des 17. Hefts, die eben erschienene 18. Lieferung enthält die Forsetzung des Kapitels, dessen Entwickelung wieder einigermaßen die Titel der Unterabteilungen charakterisieren mögen. Es sind: Kanons, Der Winter kommt, Kinder­symphonie, Morgenlieder, Abendlieder, Sonntagslieder, Erbauliches für der Woche Lauf, Schluß der Woche, Konfirmation, Heilige Kommunion,. Heimat und Vaterland. Jedes dieser letzten beiden Hefte übt einen un­sagbaren Zauber auf jeden aus, klingt doch aus ihnen die ganze Wonne und Glückseligkeit der schönen, unvergeßlichen Jugendzeit.

Redaktion: ®. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch» und Tteindruckerei (Pietsch Erben) in Meßen.