Ausgabe 
11.4.1899
 
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liebten Mannes. Die Hände streckte sie flehend ihm ent­gegen, und auf ihren zuckenden Lippen schwebte der letzte Ton des Liedes wie der verhallende Seufzer eines Sterbenden. Ihre Kraft war zu Ende ihr Herz drohte, zu zerspringen, sie wankte, taumelte und sank bewußtlos zu Boden.

Klara von Hennersdorff, der Bürgermeister und mehrere andere Personen eilten herbei, die Zusammensinkende auf­fangend. Die Menge ließ sich nicht mehr zurückhalten. Sie drängte zur Bühne. Sie rief, sie weinte, sie lief, um Hilfe zu holen. Und in all dem Wirrwar stand der Fürst gleich einer Statue da und starrte auf die ohnmächtige Gestalt, als sehe er ein Traumbild der Märchenwelt, eine Erscheinung aus der überirdischen Welt.

Man brachte Elsie fort. Der Bürgermeister war der Ver­zweiflung nahe. Das Konzert, sein schönstes Fest-Programm, war grausam zerstört. Er fuhr sich mit dem Taschentuch über die schweißtriefende Stirn, er fuchtelte mit dem Tuch in der Luft umher, ohne zu wissen, was er that. Der Orchesterdirigent nahm diese Bewegung als Zeichen, daß er fortfahren sollte, er hob den Taktstock, ließ ihn wieder fallen und durch den Saal brausten die ersten Akkorde der Weber'- schenAufforderung zum Tanz".

Der Herzog erwachte aus seinem Traum. Mit ver­wirrtem Lächeln blickte er um sich, sein Blick traf das auf­merksam auf ihn gerichtete Auge des Freiherrn von Hannecken. Er zuckte ein wenig zusammen, er wußte sich beobachtet - seine Miene verfinsterte sich und in befehlendem Tone sprach er:

Erkundigen Sie sich, Excellenz, wie es der Dame geht!"

Excellenz knickte gehorsam und demütig zusammen und eilte davon.

(Fortsetzung folgt.)

G-ineßniMtzigeG.

Gesundheitspflege.

Gegen Kopfschuppe« empfiehlt sich eine Mischung von Franzbranntwein mit geriebenen Zwiebeln zu gleichen Teilen, welche man wöchentlich einmal auf die Kopfhaut einreibt. Dadurch werden nicht nur die Schuppen bekämpft, sondern auch der Haarwuchs wird bedeutend gefördert und das Aus­fallen der Haare gehindert.

Humoristisches.

Ans Kommando gewöhnt. Sie:Männe, ich finde, daß mein neues Reitpferd ausgezeichnet zu meinem Temperament paßt". Er:Das finde ich auch, liebe Frau, es hatte nämlich früher ein Regimentskommandeur geritten".

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Zartfühlend. Freund (zum jungen Poeten):Warum hast Du die Gedichte gerade unter dem NamenMeier" veröffentlicht? . . . Denke nur, wie viele brave Menschen dadurch in einen falschen Verdacht kommen können!"

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Ein schüchterner Herr. Dame:Wie schüchtern find doch manche Herren! Begegne ich kürzlich einem hübschen jungen Manne, lasse absichtlich mein Taschentuch fallen, er hebt's auf und behält's!"

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Kindlich. Vater (beim Frühstück):Pfui, ein faules Ei!" Fritzchen:Nicht wahr, Papa, das hat ein faules Huhn gelegt!" *

Redeblume. Student (zu seinen"? Eltern):Unser Professor hat die Gewohnheit, über ein Thema xmal zu

sprechen, diese Woche reitet er zum Beispiel fortwährend auf dem Schwert des Damokles herum."

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ErsterGedanke. Anny:Denk' Dir, unsere Freundin Bertha will später Chemie studieren". Fanny:Das stelle ich mir großartig vor . . . so in die tiefsten Geheimnisse der Schönheitsmittel eindringen zu können!"

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Die Gnädige: Aber Melanie! Schon seit einer Stunde schreit der Kleine, und Sie lesen ruhig einen Roman! Die Bonne: Oh, Madame, es geniert mich gar nicht ich bin schon daran gewöhnt.

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Aus dem Aufsatz einerhöhern Tochter". Die Giraffe hat einen langen Hals,- sie ist der Schwan der Wüste!"

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Daher. A.:Der Studiosus Süffel hat sich ja auch ein Rad mit Pneumatikreifen gekauft!" B.:Ja, der pumpt so riesig gern!"

Ein Berliner Theaterdtrektor vermißt bei der Dekorationsprobe ein Eisbärenfell. Er befragt deswegen den Inspizienten, und dieser erklärt, es sei überhaupt kein Etsbärenfell vorhanden.Ach bewahre!" ruft der Herr Direktor,natürlich ist eins da- es sind sogar zwei Eisbärenfelle da, ein weißes unfein braunes!"

Sehr freieUebersetzung. Goldsteiner jr.:Vater­leben, was heißtVideant consules! Goldsteiner sen.: Sieh nach de Konsolches!" *

Aus dem juristischen Examen. Professor: Kann einer, der geistig nicht normal ist, einen Vertrag abschließen?" Kandidat:Jawohl, einen Ehevertrag!" * * $

Richter:Wie alt sind Sie?" (Die Zeugin schweigt.) Richter:Antworten Sie schnell! Je länger Sie zögern, desto ältern werden Sie sein!"

Dame (zu einem Mädchen, das sie engagieren will): Ich würde vierzig Franks pro Monat geben . . . aber sagen Sie: haben Sie Kinder gern?" Mädchen:Wenn gnädige Frau noch zehn Francs darauflegen ja!"

(Münchener Jugend.)

Litterarisches.

Der Arzt als Hausfreund. Ein treuer und zuverlässiger Ratgeber bei den Krankheiten eines jeden Alters und Geschlechts. Von Dr. S. Ruppricht. Elfte, nach den neuesten Fortschritten der Wissen- schäft umgearbeitete Auflage. Vollständig in 12 Lieferungen a 25 Pfg. (Glogau, Verlag von Karl Flemming.) Die große Verbreitung, die dieser vortrefflicheRatgeber bei den Krankheiten eines jeden Alters und Geschlechts" bisher gefunden hat, beträgt über 75 000 Exemplare. Mit dieser elften Auflage ist ein ganz neues Werk geschaffen; denn das Buch hat gegen srüher eine vollständige, den Anforderungen der Gegen­wart im weitesten Sinne Rechnung tragende Umarbeitung erfahren. Das in echt volkstümlichem Tone gehaltene Buch will seine Leser be­lehren, wie man sich vor Krankheit zu schützen hat. Es will Auskunft geben über die Maßregeln, die zu treffen sind, ehe ein Sachverständiger zur Stelle sein kann. In dieser Beziehung wird das Buch namentlich den Landbewohnern ein unentbehrlicher Freund und Ratgeber sein, da sie in Krankheitsfällen oft erst in meilenweiter Entfernung einen Arzt finden. Daß der Verleger bei der neuen Auflage die Form der Lieferungsausgabe gewählt hat, wird man ihm allgemein Dank wissen, denn 25 Pfg. für ein solches Hest ist ein Preis, den jeder erschwingen kann. Die vorliegende erste Lieferung zeichnet sich durch eine ansprechende Aus­stattung und sauberen, klaren Druck aus, das Inhaltsverzeichnis belehrt über den reichen Inhalt des Buches. Wir können denRuppricht", der durch jede Buchhandlung zu beziehen ist, allen Familien, namentlich aber den Bewohnern des Landes auf das wärmste zur Anschaffung empfehlen.

Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.