Ausgabe 
11.4.1899
 
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Dienstag den 11. April.

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RZMM

Geschmeidig, aber fest,

eschmeidig sei und lern' dich fügen Der^phäre, die dich als Beruf umgiebt! Der Störrige stößt sich an hundert Ecken

Und prallt zurück, statt daß er vorwärts geht. Die Menschen liebel sie sind deinesgleichen Nur Liebe fesselt sie an dich nicht Starrsinn.

Die Bäume, die sich biegen, bricht der Sturm nicht, Und schweigt er, steh'n sie aufrecht wie zuvor;

Doch fügst du dich, bleib in der Wurzel fest, Und bleib im Boden, dem du sngestammtl Nachgiebig, aber stark sei, wo es gilt! Nur daß du bleibest, was du bleiben sollst! Dein eigen und dein Ich aus Tod und Leben!

Franz Graf Pocci.

(Nachdruck verboten.)

Die kleine Lulu.

Seeroman von Clark Russell.

(Fortsetzung.)

Drittes Kapitel.

Der Hafen von Bayport.

In dem schönen Bett des Gasthauses hatte ich einen gesunden Schlaf. Als ich erwachte, blieb ich noch eine halbe Stunde liegen und überließ mich meinen Gedanken. Dabei konnte aber nichts Gutes herauskommen; ich stand also aus, wickelte mir zwei Handtücher zusammen und ging mit diesen unter dem Arm den Quai entlang bis zum Sandufer, wo ich mich auszog, um mich durch ein Schwimmbad zu er­frischen.

Als ich hierbei, nach etwa einer Meile, an eine Boje kam, bemerkte ich den Kopf eines Menschen und fand, daß ich einen Gefährten hatte. Derselbe rief mir zu: ob wir zurück um die Wette schwimmen wollten.

Ich bin dabei," antwortete ich, als wir in einer Linie waren, legten wir los. Es war ein herrlicher Morgen, und die See glatt wie ein Teich, so recht geeignet für solch ein Vergnügen- bald aber bemerkte ich, daß mein Genosse zwei Fuß schwamm, während ich einen zurücklegte. Da gab ich den Scherz auf, erklärte mich für geschlagen und nahm mir Zeit.

Die Bewegung in dem herrlichen Master that mir wohl,

die düstere Stimmung, welche sich meiner bemächtigt hatte, als ich wach im Bett lag, wich allmählich von mir; ich empfand Freude an der schönen Natur um mich her, an dem Anblick der steilen Klippen, die in der Morgensonne glänzten, an den rot bedachten Häusern und dem Wald von Masten der im Hafen liegenden Schiffe.

Als ich zu dem Platz zurückkehrte, an welchem meine Kleider lagen, sah ich meinen Schwimmgefährten am Strande aus- und abgehen, um sich in der Sonne zu trocknen. Während ich mich anzog, kam er dann zu mir und richtete einige artige Worte an mich, die ich erwiderte, im übrigen beachtete ich ihn aber nicht besonders, obwohl ich nach seiner Redeweise und seinem Aeußeren einen Seemann in ihm vermutete.

In das Gasthaus zurückgekehrt, legte ich zunächst meinen neuen Anzug an und ging dann ins Gastzimmer hinunter. Ich war in der richtigen Laune zu frühstücken, weiß aber der Kuckuck wie es kam, mein Appetit anstatt ein angenehmes Gefühl zu sein erfüllte mich mit einem gewiffen Unbehagen. Er war wie ein Finger, der auf meine Börse deutete; er war wie eine Stimme, die mir ins Ohr raunte;Jack, Hunger kostet Geld, und dein Geld ist knapp; nimm dich in acht, Schiffsmaat, sonst könntest du einmal Hunger haben, aber nichts zu brocken und zu beißen."

Das war unangenehm, trotzdem aber bestellte ich mir ein Frühstück und verzehrte es auch nach der gehabten Be­wegung mit wahrhaftem Genuß.

Zur Unterhaltung nahm ich mir eine Lokalzeitung und las die Gerichtsverhandlungen: Joseph Leek belangt Michael Dowe wegen dreizehn Schilling Zinsen von einem Pfund Sterling, welches besagter Leek dem besagten Dowe auf sieben Wochen geliehen hatte.Herr Gott, wie langweilig," dachte ich und suchte nach interessanteren Dingen in dem Blatt, so einen kleinen Mord oder dergleichen, als die Thür sich öffnete und meine Schwimmbekanntschaft in Begleitung einer Dame cintrat.

Da niemand weiter im Zimmer war, den ich hätte ansehen können^ so betrachtete ich mir die beiden. *

An mancherlei Zeichen erkannte ich nunmehr ganz sicher, daß der Mann ein Seemann war, ich sah das an seiner Kleidung, seinem Gang und sonstigen Eigentümlichkeiten, die eben nur ein Seemann bemerkt. Sein Gesicht trug jene rötliche Farbe des Sonnenbrandes, die gut aussehenden Männern kleidsam ist, und er sah wirklich gut aus. Dagegen war der obere Theil seiner Stirn, da, wo die Mütze ihn schützte, frauenhaft weiß. Den unteren Teil des Gesichts deckte ein