Ausgabe 
10.8.1899
 
Einzelbild herunterladen

Donnerstag den 1V. August.

Mch-«NL'l>enbl

AutechaltungsblalljnmlöSi^encr^eigeriEenmlAnzeiW

C &9

to

D AnlechalluWblM M iGießemrAnseizer Oenemi-All;eM)

2S

r

MH

i

A

ULM

W

*)ü>nbt}cH' i. Ci

M^W

WHj.

W nd

^äfi^rtTyTtir

!a!»Imm..«

w

ur die sich im Gefühl verwandt,

Begegnen sich im Wählen, ®xS^ EL schlingt sich ein geheimes Band

Um gleichgestimmte Seelen. M. Greist

(Nachdruck verboten.s

Die Sünden der Väter.

Roman von Osterloh.

(Fortsetzung.)

Wäsche," murmelte sie.Du mußt auch Wäsche mit­nehmen!" Und wieder im Dunkeln holte sie herzu, was sie brauchte. Leonhard stand unthätig, unbeweglich dabei/ nur einmal, als die große Rolle sich nicht in den Riemen, den sie darum befestigen wollte, fügte, rief er:Schnell, Mutter, schnell!" Ihr zu helfen, daran dachte er nicht.

Endlich war es ihr gelungen.

Du solltest Dich umziehen," schlug sie vor.

Nein, nein, ich habe keine Zeit"

Aber einen Mantel"

Ja, einen Mantel."

Dann schloß sie ihm die Thür auf. Sie tasteten sich die Treppe hinunter, und auch die Hausthür öffnete sie. Mit flüchtigem Lebewohl eilte er an ihr vorüber.

Leonhard! nicht einen Kuß zum Abschied?" klang es ihm nach mit gebrochener Stimme aus gebrochenem Herzen.

Er wandte sich um, ließ seinen Packen zu Boden gleiten, schlang seine Arme um Dorotheas Hals und küßte sie mit inbrünstiger Dankbarkeit.

Mutter, liebe, gute Mutter! ich danke Dir, vergteb mir"---

Im Wohnzimmer fand Frau Andree Martha so, wie sie sie verlassen hatte, in namenlosem Schmerze vor sich hinstarrend.

Wie konntest Du uns das anthun, Mutter?" fragte sie nach einer Weile tonlos.

Ich?!"

Ja Du. Du lehrtest unS, den Bater lieben und ver­ehren, als sei er ein höheres Wesen, so lange ich denken kann. Du hast uns absichtlich getäuscht."

Ich!"Bin ich nicht selbst getäuscht worden," wollte sie hinzusügen/ aber sie schwieg. Ihre Tochter hätte sie ja

doch nicht verstanden, hätte kein Mitgefühl gehabt für die Kämpfe, die sie allein hatte durchkämpfen müssen.

Wann hast Du das erfahren?" forschte Martha, kurz und streng.

Dorothea erhob ihr Haupt mit Würde.

Darüber, mein Kind, bin ich Dir keine Rechenschaft schuldig," erwiderte sie ernst.ES steht Dir schlecht an, Steine zu werfen auf die, die für Dich sorgten von Kind­heit an und die Dir wahrlich nichts als Gutes erwiesen haben. Wenn ich Deinem Vater verziehen habe, so ist ihm verziehen, und kein anderer hat ein Recht, ihn zu schmähen, am wenigsten seine Kinder. Du bist noch jung und uner­fahren, vielleicht lernst Du später milder denken."

Schon einmal war ihr eine ähnliche Lehre gegeben worden, aber sie mochte nichts davon wissen.

Nein, hoffentlich nicht," sagte sie hart. Plötzlich sich aus dem Gedankengange, in den sie sich verstrickt hatte, herauswindend, fragte sie hastig:

Wo ist Leonhard?"

Fort."

Wohin?"

Ich weiß es nicht," antwortete Dorothea. Und dabei erst kam es ihr zum Bewußtsein, daß sie nicht einmal den Versuch gemacht hatte, zu fragen, wohin Leonhard sich wenden wolle. Er mußte fort. Das war ihr so natürlich, so selbst­verständlich erschienen fort Und jetzt erst fühlte sie, daß diesesfort" ihn ihr geraubt hatte für ewig, daß dieses fort" einen Abschied in sich schloß ohne Wiedersehen.

XXV.

Zu ungewohnt früher Stunde am nächsten Morgen stellte sich Marthas Bräutigam ein, wie immer in tadelloser Haltung, die schwarze Kravatte sorgfältig geknüpft/ nur um den Mund einen Zug von Mißbehagen und Verlegenheit. Er hatte nach den beiden Andreeschen Damen fragen lassen und wendete sich zunächst an seine Schwiegermutter.

Ich bitte vor allen Dingen um Entschuldigung, daß ich so zeitig störe," begann er, ohne Marthas brennende Augen und Frau Andrees bleiche Wangen zu bemerken. Allein ich mußte, ohne Zeit zu verlieren, Rücksprache mit Ihnen nehmen, Ihnen miteilen oder Sie vielmehr fragen" Er stockte.Gestern abend war Leonhard bei mir," setzte er dann kurz hinzu.

Der Aufschrei, mit dem die beiden Frauen diese Nach­richt aufnahmen, belehrte ihn, daß sie über alles unterrichtet seien.