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einheimischer aus, steht aber hinter dem in unseren Gärten gut ausgebildeten im Geschmack weit zurück. Das am häufigsten gekaufte Gemüse ist augenblicklich der Spinat, und die bereits eingetretenen Fröste werden schnell zugunsten des Braun- oder Grünkohls entscheiden, um den in den nächsten Wochen doch schon spärlicher werdenden Spinat zu verdrängen.
Als gute Beigabe zu Grün- oder Braunkohl dienen die in diesem Jahr vorzüglich geratenen Maronen oder Edelkastanien. An Rübenvorräten sind jetzt besonders gut: Teltower Rübchen, Karotten, Kohlrüben in femgelber Färbung, Steckrübchen und rote Rüben oder Beete. Schwarzwurzeln bleiben leider in mäßigem Angebot und werden von Kennern dieses feinen Gemüses immer rasch vom Markt genommen. Für Salat und Zuspeisen ist die Wahl zwischen Rapunze, Kopfsalat und Endivie, die sich vollauf eingebürgert hat und in recht guter Bleichware zu haben ist. Aus der Provence kommen gegenwärtig auch die Artischoken in besserer breitschuppiger Ware. Ueber die Ergiebigkeit der Kartoffelernte sind die Urteile recht geteilt. Im allgemeinen ist eine gesunde, stärkcreiche Kartoffel geerntet. Es besteht leider die Befürchtung, daß diese unentbehrliche Frucht teurer wird als in früheren Jahren.
Für den Fleischmarkt ist eine üppige Zeit angebrochen, er liefert aus allen Klassen des Tierreiches Feinheiten für die Tafel. Hausgeflügel ist in tadelloser Ware auch zu annehmbaren Preisen zu haben. Die Delikateßläden, bereit besuchteste Zeit mit dem Eintritt in die Saison der Soupers und Diners beginnt, bieten im seltenen Hausgeflügel: Deutsche, belgische und französische Poulets, Poularden und Kapaunen, sowie Perlhühner, Puten, Mast - Gänse und Enten. Der Martinstag (11. November) bringt es naturgemäß mit sich, daß der Geflügelmarkt vollständig unter dem Zeichen des Martinsvogels steht, und für lange Zeit von demselben beherrscht bleibt. Es ist nicht bloßer Zufall, daß die Gans um Martini am begehrtesten ist, sie ist um diese Zeit am wohlschmeckendsten. Die junge, zarte, nicht gemästete, aber gut genährte Gans liefert den feinsten Braten. Zur Füllung der Martinsgaus gehört nach germanisch - christlichen Traditionen, ein Sträußchen Beifuß und Majoran, als aromatisches Hebungsmittel des Fettgeschmackes, die seinsteFüllungundBeigabeaber istdieMarone. Ein gut gereinigte, vonHals, Flügeln und Füßen befreite Gans, wird mit einer Mischung von 500 Gramm Aepfeln und 500 Gramm gekochten, abgeschälten Maronen gefüllt, einige Stengelchen Beifuß oder Majoran hineingesteckt und zugenäht. Man legt sie mit der Brustseite nach unten in die Pfanne, gießt V» Liter kochendes Wasser daran, legt eine Zwiebel bei und setzt sie in den Bratofen, der anfangs nicht zu heiß sein darf. Man läßt sie so */» Stunde kochen, dreht sie um und läßt sie unter öfterem Begießen weiter braten, indem man immer wieder etwas Wasser zugießt, wenn es verdampft ist. Unter den Flügeln und um die Keulen herum muß sie öfters mit einer Gabel gestochen werden, damit das Fett gut ausfließt. Die Gans braucht 2 bis 21 2 Stunden zum Garwerden. Zuletzt begießt man sie mit einigen Löffeln kalten Wassers, und läßt sie noch ein bischen braten bis sie recht knusperig wird. Die Sauce wird entfettet, 10 Gramm Liebig's Fleisch- Extrakt daran gethan, wenn nötig noch etwas Wasser angegossen und mit Kartoffelmehl verdickt.
An Wildpret Bietet der Handel in erster Linie Hasen, billig und gut, auch Rehwild, Hirsch und Wildschwein. Hirschfleisch hat fast gleichen Preis mit Rindfleisch und läßt sich gleich diesem in verschiedenster Weise zubereiten, z. B. sind Rouladen von Hirschfleisch besonders wohlschmeckend. l*/i Kilo Hirschfleisch wird in handgroße Stücke geschnitten, geklopft, mit Salz, Pfeffer und Brot bestreut, mit feingewiegter Zwiebel und 125 Gramm ebenfalls gewiegtem Speck bestrichen, zufammengerollt und in 100 Gramm Butter braun gebraten. Alsdann giebt man 20 Gramm aufgelöstes Liebig's Fleisch-Extrakt hinzu und läßt das Fleisch weich schmoren. Die Sauce verdickt man mit saurer Sahne, die mit Mehl abgequirlt ist.
Das Wildgeflügel ist durch Rebhühner, Krarnmetsvögel, Schnepfen, Hasel- und Birkhühner vertreten.
Fische sind im offenen Markthandel nur in mäßiger Auswahl vorhanden, während sie in den Handlungen in reichster Sortenfülle vertreten sind.
Austern und Kaviar sind jetzt hochfein. Kaviar kommt in fast salzfreier Ware in den Handel, leider nur zu teuer. Ein guter Fastengenuß sind frische Pfahlmnscheln, die nur einige Minuten in Salzwaffer, dem etwas Kümmel und Petersilie beigefügt wird, zu kochen brauchen, und dann delikat schmecken, am meisten zarten Krebsen im Geschmack ähneln.
Litterarisches.
Die „Deutsche Romanbiblioihek" (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt) hat ihren neuen, 28. Jahrgang mit drei besonders fesselnden Werken eröffnet. In seinem Roman „Svante Ohlsen" giebt Franz Rosen lebendige Schilderungen aus den norwegischen Hochlanden, die mit prächtiger Lokalfarbe eine reich bewegte Handlung verbinden; den Kaukasus hat Stanislaus Lucas zmn Schauplatz feiner romantischen Erzählung „Die beiden Kosaken" erwählt, und in der Weltstadt Paris spielt sich der spannende Künstlerroman „Die Eidechse" ab, worin Agnes Gräfin Klinckowström neben der pikanten Schilderung des Milieus zugleich geistvoll die Frage des Frauenstudiums behandelt. Eine große Zahl von Romanen und Novellen der ersten Autoren werden sich, wie aus dem Prospekt zu ersehen, den genannten, spannend geschriebenen Werken anreiheu. Der modernen Lyrik ist auch im neuen Jahrgange
wieder ein Breiterer Raum gewährt, und in der Abteilung „Mosaik" finden wir eine heitere Plauderei über den angeblich im November bevorstehenden Weltuntergang. Angesichts dessen, was die „Deutsche Romanbibliothek" für ihren Abonnementspreis (vierteljährlich [13 Nummerns 2 Mk., jedes 14tägige Heft 35 Pfg.) bietet, kann sie ohne Ueber- treibung die billigste deutsche Romanzeitung genannt werden. Das erste Heft sendet jede Sortiments- ober Kolportage-Buchhanblung auf Verlangen ins Haus.
Der neue Rockschnitt ist die Losung des Tages! Man schreibt und spricht davon, findet ihn bald so, bald anders, immer aber ziemlich unklar beschrieben; denn gesehen hat jhn noch keiner! D. h. bis zum Erscheinen der neuesten Nummer der im Verlage von Franz Lipperheide, Berlin, erscheinenden Modentvelt (nicht zu verwechseln mit „Große Modenwelt" und „Kleine Modenwelt"), die nicht die altberühmte, klassische Modenzeitung wäre, wenn sie nicht dem bevorstehenden Mode- Umschwung, so unerwartet er kommt, bereits Rechnung trüge! „Der" neue Rockschnitt existiert übrigens gar nicht, sondern es handelt sich vorläufig um verschiedene Experimente senfationslnstiger Pariser Schneiderkünstler, aus denen sich eine populäre Form erst entwickeln muß. Die meiste Aussicht auf Erfolg dürfte zunächst der Faltenrock haben — vor allem für die leichten Ball- und Gefellfchaftsstoffe —, und so bringt die Modenwelt ein reizendes jugendliches Ballkleid in dieser Form. Der übrige Inhalt an einfach praktischer, wie eleganter Garderobe für Erwachsene und Kinder, an Schnittmustern, Handarbeiten, Unterhaltung und Belehrung entspricht dem Ruse dieses Weltblattes, dem es trotz der vielfachen Konkurrenz gelingt, feinen Abounentenkreis von Tag zu Tag sich erweitern zu sehen. Einen besonderen Reiz übten sicher auch die verschiedenen interessanten Preisausschreiben aus.
Kollektion Hartleber». Eine Auswahl der hervorragendsten Romane aller Nationen. Achter Jahrgang. Vierzehntägig erscheint ein Band, eleg. geb. 75 Pfg. Jährlich 26 Bände: bisher Band 1 bis 4 vom VIII. Jahrgang ausgegeben (A. Hartteben's Verlag in Wien.) Der achte Jahrgang der „Kollektion Hartleben" hat kürzlich zu erscheinen begonnen und liegen bisher vier Bände vor. Das Programm desselben umfaßt, soweit bisher festgestellt, folgende hervorragende und interessante Romane: Bd. I.—III. Pont Aest, Rens de. Eine vornehme Ehe. — IV. Orzeszko, Elise. Der Australier. — V.—VI. Savage, Henry. Die gefangene Prinzessin. — VII. Bülow, Baronin Paula. Ohne Herz. — VIII.—IX. Rovetta, Girolamo. Das Idol. — X. Benedek, Ellek. Anna Huszar. — XI.—XII. Fleming, M. A. Vom Sturm getragen. — XIII.—XIV. Mairet, Jeanna. Die Studentin. — Zu unserer lebhaften Befriedigung können wir bestätigen, daß die Beliebtheit der Kollektion Hartleben in der Zunahme begriffen ist. Sowohl das Publikum als auch die Presse heben bei jeder Gelegenheit die Vorzüge der hübschen, handlichen Ausstattung und die abwechslungsreiche Wahl der verschiedenen Stoffe hervor, bei welcher jeder Geschmacksrichtung Rechnung getragen wird.
Humoristisches.
Kindlich. „Sage, liebe Mama, ist der Herr, der Dich vorhin begrüßte, wirklich ein Schwede gewesen?" — „Ja gewiß, Kind; aber warum zweifelst Du daran?" — „Weil er so jung aussah, es gibt doch nur alte Schweden!"
DiumautrSisei.
Nachdruck verboten.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben b b b, e e e, h h h h, 1, m, n n, o, r r r r, g, t, u u u, y derart einzutragen, daß die einzelnen Wörter der Reihe nach folgendes ergeben:
i. Einen Buchstaben.
2. Türkischen Titel.
3. Werkzeug.
4. Scheuen Vogel.
5. Gefährliche Naturerscheinung.
6. Ein Kunstwerk.
7. Einen Buchstaben.
Die wagerechte und senkrechte Mittelreihe haben die gleiche Bedeutung.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer:
(Mit a, b, e, d werden die vier Farben bezeichnet; also a = Eichel Treff; b — Grün, Pique; c — Rot, Coeur; d = Schellen, Carrean-' X — Aß; v — Unter, Bube, Wenzel; D = Dame, Ober.) Im Skat lagen aA unb c A. Vorhanb hatte b 8, b 7, c Z, c 8 c 7, d K, d D, d 9, d8, d 7; Mittelhand den Rest. Verlauf des Svieles- 1. V. dK. M. bA. fi. dZ = — 25.
2. M. o v. H. cK. V. oZ — — 17
3. B. dl). M. bZ. H. d A = — 24.
Sa. = — 66.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


