Ausgabe 
9.9.1899
 
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kommen bin, meinen Schein einzulösen. Du glaubtest schon .Dich jeder Verpfltchlung ledig, hieltest mich für gestorben und verdorben, wiegtest Dich in Sicherheit!"

Ach nein, ich hatte keine ruhige Stunde", seufzte ste. Du siehst ja, welche Ruine ich geworden bin".

Alles aus Sorge für mich, Du zärtlichste der Basen?" versetzte er grausam.Es giebt nun einmal zwischen Himmel und Erde Dinge, die nicht verjähren!"

Ich weiß es", lispelte sie und wischte sich mit dem Taschentuche die kalten Schweißtropfen von der Stirn.Ich bin in Deiner Gewalt, Du solltest sie nicht so mißbrauchen".

Aber wer thut denn das?" entgegnete er wie ver­wundert und ergriff ihre eiskalte Hand, die.er streichelte. Was will ich denn weiter von Dir als einen kleinen Anteil an dem Reichtum, den Du ohne mich"

Mit einer Kraft, die er der hinfälligen Frau nicht zuge­traut hätte, entriß sie ihm ihre Hand und schrie, alle Vorsicht vergessend, ganz laut:Schweig still!"

(Fortsetzung folgt.)

Schwämme.

Ein Männlein steht im Walde Auf einem Bein Und hat auf seinem Haupte Rot Kapplein klein.

Sobald der Spätsommer da ist, und die oft in wunder­schöner Farbe glänzenden Pilze ihre Köpfchen aus dem Moos­boden herausstrecken, da beginnt auch schon die Chronik der Unglücksfälle. In Galizien in der Nähe von Lemberg sind vierzehn Arbeiter durch ein Gericht Schwämme vergiftet worden, neun von ihnen sind tot! Wie die Irrlichter der Sümpfe, so locken die Schwämme Kinder und Erwachsene, welche, unerfahren, nicht selten durch Not getrieben, diese gefährlichen Kinder der feuchten Erde einsammeln und essen, ins Verderben. Viele Pilze sind freilich das wissen ja doch alle aus Erfahrung nicht nur unschädlich, sondern gehören zu den beliebtesten Gerichten unserer Küche. Die Gefahr liegt in der Schwierigkeit der Unterscheidung. Es ist eine eigentümliche Sache, daß just die Giftschwämme und Giftschlangen von ihren harmlosen Verwandten, wenigstens auf den ersten Blick hin, so wenig Abweichendes in der Gestalt, in der Farbe und in der Zeichnung aufweisen, daß schon die erfahrensten Kenner durch die Aehnlichkeit getäuscht wurden. Und beinahe muß man sagen, daß die Gefährlich­keit des Schwammgiftes der des Schlangengiftes nicht nach- giebt. Ja, wahrscheinlich ist die Zahl der von Kreuzottern Gebissenen, welche mit dem Leben davonkommen, größer, als die Zahl derjenigen, welche eine Fliegenschwamm-Vergiftung vhne Schädigung überstehen. Nicht alle Giftschwämme wir­ken in der gleichen Weise. Die einen treffen das Herz und das Nervensystem- andere rufen die schwersten Störungen im Magen und Darm hervor- ja, es giebt solche, deren Gift direkt die roten Körperchen des Blutes aussaugt, und infolgedessen Gelbsucht, Krämpfe, Delirien und so weiter erzeugt. Dies ist bei der nicht genügend heiß behandelten und mangelhaft getrocknetenLorchel" (Morchel) der Fall. Um diesen tiefkastanienbraunen Schwamm zu genießen, muß man ihn in heißem Wasser, in welchem die giftige Säure löslich ist, brühen, dann trocknen lassen nnd dann das Brüh­wasser vor der Zubereitung für den Tisch gründlich entfernen.

Wie schützt man sich nun vor dem Genuffe giftiger Schwämme? Das ist die wichtige Frage. Es handelt sich aber nicht nur um den Schutz, sondern auch um die genaue Kennt­nis aller guten Pilze, da erwiesenermaßen unsere Städte und Dörfer jährlich Millionen der wohlschmeckendsten und nahr­haftesten Schwämme in ihrer unmittelbaren Nähe, oft neben den täglich betretenen Wegen, in den Waldungen, auf Triften, Heiden und Wiesen verderben lassen. Und vielleicht geschieht dies weniger aus Furcht vor möglicher Verwechslung mit

giftigen, als aus vollständiger Unkenntnis. Das beste ver­mag in solchen Dingen natürlich nur der Unterricht der Jugend zu leisten. Der Junge oder das Mädchen, welches die Elementarschule verläßt, sollte ebenso gut die giftigen und die eßbaren Schwämme kennen, als es die Birnen, Aepfel und Zwetschen unterscheidet. Die Schwierigkeit in dem Falle ist ja eine geringe, weil die Zahl der Schwämme, welche hier in Frage kommen, ja nicht groß ist und weil der Lehrer in den meisten Gegenden immer genügendes Material zur Belehrung findet. Diese durch gute Abbil­dungen zu unterstützende anschauliche Unterweisung müßte aber nichts Halbes, sondern etwas Ganzes sein. Was das Kind über diese Sache zu Hause lernt, hat fast gar keinen Wert- denn es handelt sich dabei zumeist um alberne Volks­mittel, welche man sogar schwarz auf weiß in den beliebtesten Kochbüchern lesen kann. In alten Zeiten waren alle Schwämme verdächtig, welche neben verrosteten Nadeln oder Eisen oder neben faulem Tuch oder neben Schlangenhöhlen und Löchern oder insonderheit unter Bäumen, die schädliche Frucht tragen, wachsen." Man denkt heute nicht viel vernünftiger, und es läßt sich mit Bestimmtheit aussprechen, daß das starke Ver­trauen auf solche volkstümliche Prüfungsmittel eine große Zahl der Vergiftungssälle auf dem Gewissen hat. Ueberall ist beispielsweise bei den Hausfrauen, Köchen und Köchinnen die irrige Ansicht verbreitet, es seien alle giftigen Pilze daran zu erkennen, daß ein silberner Löffel oder eine weiße Zwiebel oder Eiweiß braun, schwarz oder bleifarben anlaufen, sobald ste beim Kochen der Schwämme in Berührung mit dem in denselben vorhandenen Gifte kommen. Das ist grundfalsch. Nicht das Schwammgift war in solchen Fällen die Veran­lassung zu Bräunung oder Schwärzung, sondern der Umstand, daß sämtliche, auch die eßbaren Schwämme, sobald sie aus­gewachsen sind, derartige Verfärbungen Hervorrufen. Alle zu alten Pilze entwickeln nämlich, gleich anderen eiweißhal­tigen Stoffen, bei der entsprechenden Wärme Schwefelwasser­stoff, der eben jene schmutzigen Farben hervorzurufen vermag. Es giebt also junge Giftschwämme, bei welchen eine Ver­färbung nicht eintritt, und alte eßbare Schwämme, bei welchen sie eintritt. Der silberne Löffel und derlei Er­kennungsmittel sind also ein total unzuverlässiger Schutz.

Andere wiederum schwören Stein und Bein, daß das Gelbwerden des auf Schwämme gestreuten Salzes unbedingt die giftige Natur verrate oder daß die lebhafte Farbe und die klebrige Oberfläche sichere Kennzeichen seien. Auch dies find wertlose Glaubensartikel unserer Küchen. Fast alle diese Regeln, welche sich auf die leichte Unterscheidbarkeit der unschädlichen Schwämme beziehen, haben so viele Ausnahmen, daß just in ihrer Anwendung die größte Gefahr liegt. Da giebt es eben nur einen Weg einzuschlagen und das ist die durch Schwammsammlungen und Bücher erworbene genaue Kenntnis der eßbaren und der schädlichen Pilze. Als ein ganz vortreffliches, klar und übersichtlich verfaßtes Büchlein möch­ten wir das von Professor v. Ahl es bei I. F. Schreiber in Eßlingen a. N. unter dem TitelAllgemein verbreitete eßbare und schädliche Pilze" erst kürzlich in zweiter Auflage erschienene Werkchen empfehlen. Die guten farbigen Tafeln, die zahlreichen praktischen Winke des Autors nebst der nach allen Richtungen hin schönen Ausstattung werden es vielen, die sich für den Gegenstand interessieren, zu einem ange­nehmen, nützlichen Besitze machen. Anders als auf dem Wege des Studiums läßt sich in unserer Frage ein nennens­wertes Ziel nicht erreichen. Es herrscht wohl auch die Ansicht, daß allzuweiche oder zähe, sich in schwarzen Brei auflösende, mit scharfem oder widrigem Geruch und Geschmack begabte Schwämme zu verwerfen seien. Viele eßbaren Schwämme sind indes, wie der Verfasser des eben erwähnten Buches bemerkt, sehr weich, andere nähern sich dem leder­artigen Zustande. Solch lederartige Pilze, welche gegessen werden, finden sich zum Beispiel in Kärnten. Die schlanken Glocken der Mistpilze zerfließen zwölf Stunden nach ihrem Hervortreten auf unseren Wiesen zu einem schwarzen, tinten-