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ehren und Gasten
4 Leert Keller und Kasten. Gasten und Zehren Will öfter beschweren.
Alter Spruch.
Nachdruck verboten.
Schuldig.
Erzählung von F. Arnefeldt.
(Fortsetzung.)
„ Nicht so laut, Balthasar", bat sie angstvoll.
„Ich denke, Du hast alle Lauscher entfernt".
„Ich kann die Dienstboten nicht fortschicken. Wenn sie Dich hörten!"
„Nun, wie Du befiehlst, sprechen wir leise", sagte er, seine Stimme dämpfend, mit hämischem Lächeln. „Warum will fie nicht? Hast Du mich ihr nicht als sehr reichen Mann, als eine höchst begehrenswerte Partie geschildert?"
„Das habe ich", antwortete die Kommerzienrätin und senkte unwillkürlich die vor Scham errötende Stirn.
„Nun, und ich dächte, ich wäre doch auch noch ein ganz ansehnlicher Mann!" fuhr er fort, während er vor den Spiegel trat und fich mit wohlgefälligen Blicken musterte.
„Das giebt sie alles zu, aber sie sagt, sie könne Dich nicht lieben, — ihr Herz sei nicht mehr frei!"
Wieder stieß er einen häßlichen Fluch aus. „Wer ist der Glückliche?"
„Das weiß ich nicht!" rief die Kommerzienrätin, und ihr Gesicht verzog sich zum Weinen, „ich habe ihr ja das Geständnis nur mit Mühe und Not abgepreßt. „Aber ich ahne — ich weiß es".
„Wer denn?" fragte Dr. Corbus gespannt.
„Mein Gatte — mein Konstantin. Ihr Dichten und Trachten ist darauf gerichtet, sich an meine Stelle zu setzen!" Sie brach in ein heftiges Schluchzen aus.
Dr. Corbus betrachtete sie voll Staunen und hielt nur mit Mühe einen Ausbruch der Lachlust zurück. Sich näher an ihr Ohr beugend, flüsterte er dann: .Fürchtest Du, fie halte für Dich ein Pülverchen bereit? Man hat Beispiele —"
„Schweig!" rief sie aufschnellend und ergriff seinen Arm.
Innerlich von der Albernheit ihres Verdachtes fest über
zeugt, hielt er es doch für seinen Zwecken förderlich, sich anzustellen, als ob er ihn nicht für ganz unbegründet hielte und sagte deshalb:
„Da bewundere ich nur, daß Du das Mädchen im Hause behältst".
„Ach, ich habe schon zehnmal auf dem Punkte gestanden, fie zu entlassen", bekannte fie, „ich habe es mir aber immer überlegt, daß sie mir hier, wo ich sie unter Augen habe, noch weniger gefährlich ist, als wenn ich fie gar nicht mehr beobachten kann".
„Keine üble Taktik!" nickte Dr. Corbus. „Eine bessere wäre freilich noch, Du verheiratetest sie an einen Mann, der mit ihr in die Ferne ginge".
„O, wie gern!" rief sie, die Hände faltend.
„An mich zum Beispiel. Du schlügest da zwei Fliegen mit einer Klappe und würdest gleichzeitig auch mich los". Er hatte schon wieder seinen überlegenen, spottenden Ton angenommen.
„Wenn sie doch aber nicht will!"
„Sie dahin zu bringen, ist Deine Sache, und ich erwarte das ganz bestimmt von Dir, meine liebe Eugenie', sagte er; Miene und Stimme hatten jetzt etwas Drohendes. „Eine kluge Frau wird doch Mittel und Wege finden, solch junges Mädchen zu zwingen!"
Hätte Felicitas den Blick, der diese Worte begleitete, sehen können, fie würde gewaltig aus ihrer ruhigen Sicherheit aufgescheucht worden sein. Die Kommerzienrätin verstand ihn und neigte bejahend das Haupt. Es entstand ein Stillschweigen von einigen Minuten; die Dame hielt nachfinnend den Kopf in die Hand gestützt und starrte mit den dunklen Augen auf den Teppich, als wolle fie dessen Muster auswendig lernen. Corbus ging im Zimmer auf und ab. Endlich begann sie wieder:
„Ich möchte wissen, was sie Dir so begehrenswert macht".
„Ihre Schönheit trägt die Schuld daran!" antwortete Corbus in Ton und Haltung einen berühmten Schauspieler in der Rolle des Richard III. kopierend. „Sie gefällt mir. Bin ich etwa zu alt für den Johannistrieb?"
„Nein, nein", entgegnete schnell und bereitwillig die Kommerzienrätin, fügte jedoch zögernd hinzu: „Dennoch begreife ich Dich nicht. Was willst Du mit dem ganz armen Mädchen?"
„Das laß' meine Sorge sein".
„Ich verstünde es, wenn sie Dir ein großes Vermögen zubringen könnte, aber —"


