(Nachdruck verboten.)

Die kleine Sulu.

Seeroman von Clark Russell.

(Fortsetzung.)

Zweites Kapitel.

Ich erfahre Neuigkeiten.

Der Wirt vomWeißen Hirsch" war ein achtbarer junger Mann mit guten Verbindungen in der Stadt und Besitzer einer Dacht von fünf Tonnen, in welcher ich oft mit ihm eine Kreuzfahrt in der Bai gemacht hatte.

Wir kannten einander sehr genau, und als er mich die Stufen zum Gasthaus hinaufsteigen sah, kam er mir entgegen und bewillkommnete mich so herzlich, daß ich darüber den Empfang bet meiner Stiefmutter beinahe vergaß.

Sein Name war Transom. Er hatte gerade augenblick­lich viel zu thun, wie er mir sagte, wollte sich aber, so­bald er fertig sei, zu mir setzen und erzählen, was sich die beiden letzten Jahre in der Stadt zugetragen habe. In­zwischen gab er mir in freundschaftlicher Weise zu verstehen, daß ein saftig Stück geschmortes Rindfleisch im Hause wäre und ich gute Bedienung bei den Kellnern finden würde.

Ich ging zuerst auf das mir angewiesene Zimmer, machte mich etwas sauber und begab mich dann wieder herunter. Da ich mich in einer Stimmung befand, in welcher man am liebsten allein ist, war es mir sehr angenehm, das Gast­zimmer leer zu finden. Das tief herunterreichende Bogen­fenster dieses Zimmers gestattete einen weiten Blick über den Hafen und die hinter ihm fich ausbreitende See. Es lag eine ganze Anzahl. Schiffe verschiedener Größe und Tackelung vor Anker, darunter auch einige Schraubendampfer und Fluß­fahrzeuge. Eine Menge Menschen strömte bei dem Fenster vorbei und am Hafendamm entlang, wo eine Neger-Gesell­schaft einen dichten Haufen von Matrosen und Mädchen mit ihren Liedern entzückte. Auch Flöten, Geigen und Harmonikas

Lormtag den 9 April

1899.

ThÜ

IDMuhm thut sich leis und schüchtern kund, Verpflanzt sich durch Berufner Mund Und nicht durch Druckerpressen. Trcibt's die Reklame noch so bunt,

Die Tagesgröße bläht sich und Ist morgen schon vergessen!

Zoozmann.

erklangen- eine leichte Seebrise trug die Töne vom Hafen aus herüber, zuweilen vermischt mit dem Chorgesang der Matrosen beim Ueberholen der Kabel.

Ich fühlte mich sehr niedergeschlagen- die fröhliche Menge und die Musik diente nur dazu, meine Traurigkeit zu ver­schärfen. Ich saß und dachte an meinen Vater: woran er wohl gestorben sein mochte, ob er während seiner Krankheit eine gute Pflege gehabt haben möge, wie er dazu gekommen sei, diese Frau zu heiraten, und was sie vorher gewesen sein möge.

Diesen trüben Gedanken wurde ich durch Transom ent­rissen, welcher kam, mich einzuladen, auf seinem Zimmer eine Pfeife mit ihm zu rauchen und ein Glas zu trinken. Ich nahm diese Einladung freudig an, folgte ihm und setzte mich in der behaglich eingerichteten Stube an ein offenes Fenster, welches auf einen wohlgepflegten Garten blicken und den Duft von Rosen und Geißblatt hereinströmen ließ.

Nachdem wir zunächst über dies und jenes geplaudert hatten, erzählte mir Transom die Geschichte von meines Vaters Heirat.

Ich weiß mehr davon, als irgend ein anderer in der Stadt," sagte er,und das kam so: Nachdem Sie abgesegelt waren, kam Ihr Vater oft hierher, saß ganz allein, rauchte und trank sein Glas- es war im Winter, wo wenig Gäste verkehrten. Eines Abends rauchten wir wieder eine Pfeife zusammen, da sagte er:Transom, haben Sie in der Kirche wohl zufällig einmal zu mir herübergesehen?"

Oh ja, das kam wohl öfter vor."

Haben Sie dabei manchmal eine Dame neben mir bemerkt?"

Ja, Mistreß Parson."

Ganz recht," sagte er, mich sonderbar ansehend und dabei ein Auge zukneifend.

Ist sie nicht eine Schneiderin?" fragte ich.

Gewiß, und was für eine!" entgegnete er.Ich sage Ihnen, mein Junge, sie versteht es, eine Weste zu wenden und einen Rücken einzusetzen, so fest, daß der stärkste Mann nicht imstande ist, eine Naht zu platzen- sie arbeitet bester als irgend ein Schneider. Neulich verehrte sie mir eine Weste- das war doch freundlich von ihr, nicht wahr?'

Als er dies gesagt hatte, blinzelte und zwinkerte er so schlau mit den Augen, daß ich lachen mußte. Er stimmte ein und zwar so herzlich, daß ihm die Thränen über die Backen liefen und er sich am Tabakrauch so verschluckte, daß er einen ordentlichen Krampfanfall von Husten bekam. Als dieser vorüber war, fragte er mich, während ihm immer noch