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Zusatz von Gewürzen. Das Publikum ist aber derartig an den Geschmack des gelaugten und parfümierten Kakaos ge­wöhnt daß es die Fabrikanten im Geschäftsinteresse nicht für thunlich erachten, ihren Kunden den unaufgeschlossenen entölten Kakao, welcher den intensiven Geschmack der reinen Kakaobohne hat, anzubieten und es vorziehen, an dem alten Fehler festzuhalten. Es wäre hohe Zeit, in dieser Hinsicht Wandel zu schaffen und gegen jenen Uebelstand anzukämpfen, d. h. den Versuch zu machen, eine Umbildung der in Deutsch­land herschenden Geschmacksrichtung herbeizuführen. Bemerkt sei dabei noch, daß man in England und Amerika, wo weit mehr Kakao getrunken wird als in Deutschland, schon längst nur ungelaugten oderunpräparierten" Kakao kennt.

Kost und Logis.

Die Grundbedingung für das körperliche und geistige Wohlbefinden des Menschen ist die geregelte Lebensweise. Die Wahrheit dieses Satzes, so schreibt dieBäcker- und Konditor Ztg.", wird uns auf Schritt und Tritt klar beim Anblick der verschiedensten Passanten der Straße. Das Fabrik- mädchen z. B., welches infolge seinerFreiheit" mehr Ver­kehr" übt und dazu dennötigen" Putz sür ihren Arbeits­lohn kauft, hat selten zu warmer Kost Geld übrig, es fristet sein Dasein mit Kaffee, Brot oder gelegentlichen Mahlzeiten, während das Dienstmädchen in erster Reihe gehörige Nahrung erhält in regelmäßigen Pausen und in richtiger Menge. Des­halb wacht sie einen frischen, gesunden Eindruck, während das Fabrikmädchen oft hohlwangig und bleich aussieht und viel weniger Kräfte besitzt.

Einsichtsvolle Eltern, welche ihre Söhne zur Schule oder in solche Lehren schicken, wo Kost nicht geboten wird, geben mit Vorliebe die Söhne in volle Pension. Das heißt, sie mieten sie in Familien ein, wo sie neben der Woh­nung alle Mahlzeiten erhalten. Dadurch werden die jungen Leute, welche oft schonbärtig" sind, bewahrt vor Nahrungssorgeu. Mag der Herr Sohn ruhig ohne Geld sein, warum verstand er die Einteilung nicht besser, mag er also warten bis wieder Zahltag ist: gegen den Hunger ist er ja geschützt, das nötigste hat er, nämlich Kost und Logis.

Den vollen Wert dieser ordnungsmäßigen Lebensweise er­faßt man, wenn man liest, wie der Kreisphyflkus Dr. Schilling in der Zeitschrift sür Medizinalbeamte sich darüber ausläßt. Es ist da die Rede von den sogenannten Sachsengängern, welche infolge ungenügender Nahrung schwach und siech find. Dr. Schilling beklagt es, daß die Leute vom Arbeitgeber nicht die warme Kost erhalten. Das ist die Folge davon, daß die Leute vollen Lohn verlangen und erhalten.

Ferner heißt es da,manches Unglück, herbeigeführt durch die Maschinen (landwirtschaftliche) usw., würde ver­hütet, wenn die Leute nicht so ermüdet wären". Sie sind eben aus Mangel an richtiger Kost zur Arbeit zu schwach.

Die gleiche Bemerkung kann man im Leben oft wachen. Nehmen wir die Bäckerlehrlinge her, welche bei ihrem Meister in Kost und Logis sind, so haben wir dem Alter nach im Durchschnitt kernige Burschen vor uns, obwohl viele von ihnen schlecht genährt in die Lehre traten. Gleichalterige Lehrlinge, z. B. Schreiber, welchesich selbst beköstigen", sehen dagegen wie Spinnen aus.

Das ganze menschliche Leben läuft ja auf die Er­nährungsfrage hinaus. Wenn wir auch nicht leben, um zu essen, so essen wir doch, um zu leben. Also wer leben will, muß richtig essen. Wer das nicht in seiner Familie haben kann, thut gut, das regelmäßige Kostwesen zu nehmen, wo er es findet.

GsineinniWges.

Maschinenteile vor Rost zu schützen. Will man blanke Maschinenteile vor Rost schützen, so bestreiche man diese mit einer Lösung von Wachs in warmem Terpentinöl. Die angewendete Menge Wachs muß so groß sein, um mit dem Terpentinöl eine ziemlich steife Masse zu bilden. Der Ueberzug ist kaum sichtbar und muß von Zeit zu Zeit er­neuert werden.

Auffrischung alter in Golvrahmen eingesatzter Oelgemälde. Man reinige mit frischem Wosser und weiche« Lappen das ganze Bild, bestreiche mit weichem Pinsel das Gemälde mit Dammarlack, welcher mit etwas Terpentinöl verdünnt wird. Nachdem dieses getrocknet, nimmt man soge­nannte Wasservergoldung, befeuchtet diese mit Wasser und streicht die Rahmen an. Beide Artikel sind in jeder besseren Drogerie zu haben/ letzteres wird auch oft auf Mssen und Märkten ausgeboten. Für 20 Pfennig Dammar­lack und für 30 Pfennig Wasservergoldung lassen sich fünf bis sechs große Bilder erneuern.

Kesundheitspffege.

Schnupfen, Husten re. würde weniger vorkommen, selbst die böse Grippe würde die Menschheit weniger quälen, wenn man nach dem Aufenthalt im Freien zur rauhen Jahres­zeit eine Tasse Bouillon von Liebigs Fleisch-Extrakt zu sich nimmt, eine Stärkung, die nur nützen kann, nie schadet!

Gegen Jnflnenza. Ein gutes Hausmittel gegen Influenza soll das Psifferminzöl sein, welches namentlich durch seinen Gehalt an Kampher die Herzthätigkeit fördern soll. Ein rechtzeitiges Klystier mit Wasser, welches Zimmer­temperatur hat, soll die Influenza ungemein abkürzen. Da­neben ist der Genuß von Obst, namentlich Bratäpfeln, sehr zu empfehlen. Bratäpfel sind überhaupt ein ausgezeichnetes Schutzmittel gegen viele Krankheiten, welche der Winter mit sich bringt.

Wie behauvelt mau Frostbeulen uuv Frost- wuuden? Man bepinselt sie mit einer Mischung von 20 Gramm Kollodium, 5 Gramm Jodtinktur und zwei Tropfen 01. Ricini. i ie entzündeten Glieder sind in gleichmäßiger Wärme zu halten. Offene oder eiternde Frostwunden wischt man ein- bis zweimal täglich mit sommerwarmem Wasser. Nach vor­sichtigem Trocknen wird die Wunde jedesmal nut feinge- pulverter Borsäure bestreut und gegen Zutritt von Staub verbunden. Wenn sich sogenanntes wildes Fleisch zeigen sollte, so kann anstatt Borsäure ein- bis zweimal Jodoform für P/s bis 2 Stunden aufgcstreut werden.

Gegen eine rote, erfrorene Nase. Ein vorzügliches Mittel gegen eine rote, erfrorene Nase ist eine Salbe, die man sich aus geschabter, trockener Kreide und Leinöl selbst bereiten kann. Man streicht dieselbe auf ein Leinwandläppchen und legt sie tagsüber öfter frisch auf. Ein allabendliches Einreiben der Nase mit Karbolsalbe ist auch von vorzüglicher Wirkung/ mehrere Monate fortgesetzt, beseitigt dieselbe den Frost und die damit verbundene Röte vollständig.

Kür die Küche.

Steinpilze auf russische Art. Bereitungszeit eine Stunde. Die erforderliche Menge der Steinpilze wird geputzt, in Stücke geschnitten, gewaschen und mit 70 Gramm Butter, 15 Gramm Liebigs Fleisch Extrakt, in einer Kasserolle 15 Minuten geschmort. Mit einem Löffel Mehl bestäubt, überfüllt man sie mit einem viertel Liter saurem Rahm, würzt sie mit Salz und Pfi ffer und läßt sie nach und nach vollends weicbdämpfen, falls die Sauce zu dick werden sollte, noch einen Löffel Rahm zugcbend. Man liebt es, dies vor­zügliche Gemüse in kleiner, silberner Kasserolle, oder in einem Silberrand anzurichten.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.