Nachdruck verboten.

Die Armenhausprinzessin.

Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

Die Oberhofmeisterin Gräfin Bittenfeld empfing die Generalin und Elsie.

Sie werden in Ihrer Hoheit eine edle, hochherzige Frau kennen lernen, mein liebes Kind," sprach die Gräfin er­munternd zu Elsie.Sie werden Ihre Hoheit erfreuen, wenn Sie ohne Scheu und Furcht vor Ihre Hoheit treten."

Elsie verbarg ein leichtes Lächeln. Sie fühlte keine Scheu und Furcht mehr, seitdem sie die dunklen Augen des Fürsten in flammender Begeisterung auf sich ruhen gefühlt, seit sie sein Lob vernommen und seinen warmen, innigen Händedruck empfunden.

Sie befand sich in einer geistig gehobenen Stimmung- sie war entschlossen, das Höchste zu erreichen und sie traute sich die Kraft zu dem Kampfe, zu dem Siege zu. Auch die mahnenden Worte der Generalin, deren klugen Augen die Gefahr nicht verborgen blieb, welche Elsie bedrohte, ver­mochten ihren Mut, ihr Selbstvertrauen, ihren festen Ent­schluß nicht wankend zu machen. Stolz erhobenen Hauptes trat sie an der Seite der Oberhofmeisterin in das Gemach der Herzogin.

Eine grünliche Dämmerung umfing sie. Die hohen Fenster des nach dem Parke hinausgehenden Gemaches waren durch Palmen und breitblätterige Pflanzen halb verhüllt, so daß das Tageslicht nur gedämpft fin das Zimmer fallen konnte.

Im ersten Augenblick unterschied Elsie keine Einzelheit. Sie verbeugte sich tief vor einer in einem Sessel ruhenden, schwarzgekleideten Frauengestalt und vernahm wie aus weiter Ferne die Worte der Gräfin Bittenfeld:

Ich habe die Ehre, Eurer Hoheit, Fräulein Elsie Han­necken vorzustellen, über deren musikalische Begabung ich Euer Hoheit berichten durfte."

Eine weiche, mild-ernste Stimme von wunderbarem

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fs> ist mit Meinungen, die man wagt, wie mit Steinen, die man voran im Brett bewegt: sie können geschlagen werden, aber sie haben ein Spiel eingeleitet, das gewonnen wird. Göthe.

Wohlklang entgegnete:Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, mein Kind. Treten Sie näher!"

Eine schmale, blasse Krankenhand streckte sich Elste ent­gegen, die sie ergriff und sich tief verbeugend küßte.

Erst jetzt hatten sich ihre Augen an die grünliche Däm­merung gewöhnt, und sie sah in das gütige, blasse Antlitz der Fürstin, zugleich aber auch in das dunkle Auge des Herzogs, der neben dem Sessel seiner Mutter stand und Elsie er­mutigend zulächelte.

Mein Sohn hat mich auf Ihren Gesang neugierig gemacht, mein Kind," fuhr die Herzogin freundlich fort.Sie sind noch sehr jung achtzehn Jahr, wie man mir sagte in diesem Alter eine fertige Künstlerin zu sein, ist sehr selten. Nur dem Genie gelingt es, sich so frühzeitig zur Höhe der Kunst emporzuschwingen. Ihre Jugend ist traurig gewesen, hat man mir erzählt, aber das Leben ist lang, und besser trübe Erfahrungen in der Jugend, als ein freudloses Alter. Darf ich Sie bitten, mein Kind, mir einige Lieder zu fingen?"

Welche Lieder befehlen Eure Hoheit?"

Einfache Lieder von Schumann und Schubert sind mir die liebsten."

Tie Oberhosmeisterin führte Elsie zu dem Flügel, neben dem ein Professor der Herzoglichen Musik - Akademie stand. Zwei Damen der Herzogin, Fräulein von Prangen und Fräulein von Homberg, blätterten leise in den auf dem Flügel liegenden Noten.

Elste war durch die leidensvolle Gestalt der fürstlichen Dulderin tief ergriffen. Blitzartig schoß ihr der Gedanke durch die Seele, wie wertlos doch alle, selbst die glänzendsten Aeußerlichkeiten dieser Welt seien doch im nächsten Augen­blick begegnete sie dem aufleuchtenden Blick des Herzogs und aller Kleinmut, alle Aengstlichkeit waren aus ihrer Seele, ihrem Herzen verschwunden.

Lautlose Stille herrschte in dem halbdunkleu Gemach. Nur durch das Fenster zur Seite des Flügels ergoß sich ein breiter Lichtstrom, umflutete die schlanke Gestalt der Sängerin und ruhte mit verklärendem Schein auf ihren goldenen Locken.

Glockenrein klang Elsies Stimme durch die Stille; der Professor, welcher sie begleitete, nickte oft zustimmend mit dem Haupte und blickte begeistert zu seiner Schülerin empor.

So herrlich, so innig, so schmelzend und rein hatte Elste noch niemals gesungen.

Als sie geendet, blieb sie mit gesenktem Haupt am Flügel stehen.