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?urch Feld und Wald zieht still der Todesreigen, Und falbe Blätter zeichnen seine Spur;

Sein Schritt geht langsam, und sein Lied heißt Schweigen Doch zitternd hält den Atem die Natur.

Ach, immer wieder ließ ich mich bethören, Wenn keck der Frühling seine Fiedel strich, Wenn sich beim Klang von seinen Schmeichelchören Ein neues Hoffen in die Seele schlich.

Und wieder singt's vom Sterben wieder wieder,

Und dann nach kurzer, kühler Winterrast Die Melodie des Lebens wieder wieder, Des Hoffnungsliedleins selig-tolle Hast.

Und wieder wieder wahnsinnvolles Wieder!

Und flösse auf dies Wechseleinerlei

Der Erde nicht ein himmlisch Leuchten nieder, Riß ich der Seele Saiten jäh entzwei. Karl Weitbrecht.

Nachdruck verboten.

Der Gylfenhof.

Eine Erzählung von P. D i t f u r t h.

(Fortsetzung.)

Wie gern wäre jetzt Renata eine Stunde allein geblieben, aber sie mußte nach dem Ghlfenhofe. Falkners erwarteten jeden Tag den Heimgang des Konsuls, und er selbst hatte sie zu sehen verlangt- da durfte sie nicht zögern.

Der Kranke begrüßte, wie es schien, mit wirklicher Freude den Besuch. Die letzten Tage über hatte er fast gar nicht gesprochen, außer notwendigen Antworten, aber die Seinen merkten, daß sein Geist wie befreit aufatmete, er war ruhig und vollständig klar. Er sprach auch jetzt nicht viel und hörte, ob mit oder ohne Interesse, wußte man nicht, zu, was Charlotte über Renatens Aufenthalt in M. fragte. Es war ja nicht viel Erzählenswertes zu berichten, Renata hatte dort mehr empfunden.

Charlotte ging hinaus, und das junge Mädchen blieb mit dem Kranken allein. Ihr war wieder bange ums Herz, wie das letzte Mal. Der Konsul schloß die Augen und Renata glaubte, er wolle schlafen. Sie griff nach der Bibel, Charlottens stillem Gesellschafter bei den Nachtwachen. Ach, sollte denn das Gebet der armen Frau nicht Erhörung finden? Wenn sie selbst doch nur etwas dazu beitragen

dürfte, die Todesstunde des alten Mannes zur seligen Heim­fahrt zu machen. Sie schlug das heilige Buch auf, und ihr Blick haftete am 126. Psalm:Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird."

So deutlich stand ihr mit einem Male das Bild ihrer Mutter vor Augen, auch sie war eine Gefangene gewesen . und dahingegangen mit Weinen. Mehr als je hatte sie ja heute ihrer Eltern gedenken müssen. Hatte wohl auch auf ihrem Leben der Fluch einer unvergebenen Schuld geruht?

Sie bemerkte nicht, wie die großen Augen des Konsuls sich geöffnet hatten und unverwandt an ihr hingen.

Lesen Sie doch," sagte er nach einer Pause.

Und sie begann mit unsicherer Stimme:Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, werden wir sein wie die Träumenden." Die Stimme wurde nach und nach fester und klang deutlich durch das Krankenzimmer.

Charlotte trat geräuschlos wieder ein und blieb still, auch als Renata geendet.

Die Hände des Konsuls lagen gefaltet auf dem Deckbett, er sah Renaten erwartungsvoll an.

Ja so, es ist wohl noch nicht Abend," sagte er und hob die Rechte an die Stirne-Charlotte spricht da immer das Vaterunser." Er lege müde den Kopf auf die Seite. Charlotte sah mit freudigem Staunen nach ihm hin, sie hatte geglaubt, er hörte gar nicht, wenn sie den Abendsegen las. War doch wohl Gottes Hand über diese verhärtete Seele gekommen?

Ich will das Vaterunser beten," sagte Renate,der Abend ist nicht weit."

Er legte die Hände wieder zusammen und sah aufmerksam in ihr gesenktes Gesicht. Als sie zur fünften Bitte kam: Bergieb uns unsere Schuld, wie wir vergeben unfern Schuldiger»," da bewegte sich mehrmals nickend langsam der ehrwürdige weiße Kopf. Charlotte sah es wohl, und auch Renata hatte es gemerkt.

Ich will schlafen," sagte der Konsul mit verschleierter Stimme, und Renata verließ leisen Schrittes das Zimmer. Im Nebengemach trat Wolfram ihr entgegen und sie legte ihre Hand in die seine, die er ihr mit stummen Gruße ent­gegenstreckte.Gott segne Sie, Renata," sagte er dann leise, ich weiß es nun bestimmt, warum Sie in dieses Haus kommen mußten."

Wohl mir, wenn ich helfen könnte, ihm daS Sterben leicht zu machen, dann hätte mein Leben einen Zweck gehabt, wie ich es nicht geträumt," gab sie mit bebender Stimme zurück.