Nachdruck verboten.
Schuldig.
Erzählung von F. Arnefeldt.
(Fortsetzung.)
Hermine schaute voll Furcht von ihr zu der Erzieherin, die nicht wußte, was sie in diesem entsetzlichen Augenblick thun oder sagen sollte, und jetzt fiel des Kindes Blick auf den offen stehenden Wandschrank und das am Boden liegende Geld. Ein Verständnis schien ihr aufzudämmern. Sie schmiegte sich an Felicitas und flüsterte ihr zu:
„Hat Dein Bruder August wieder Geld gebraucht? Hast Du es mit Mama aus Papa's Wandschrank geholt? Muß das in der Nacht geschehen?" —
„Still, still, Hermine, geh in Dein Bett zurück, ich folge Dir sogleich", wollte Felicitas sie beschwichtigen, aber Plötzlich fing die Kleine laut und heftig an zu schreien:
//Ich gehe nicht, ich gehe nicht! Mama wird Dir etwas thun!"
In demselben Augenblicke hörte man Thüren gehen und Schritte die Treppe herabkommen.
„Man hat uns gehört, man kommt! O, nun ist alles verloren!" schrie die Kommerzienrätin. Instinktmäßig wollte sie sich der Thür zuwenden. Ehe sie dieselbe erreichen konnte, trat ihr Hans Helldorf entgegen. Er trug , eine brennende Lampe in der Hand, die er auf den nächsten Tisch niedersetzte. Sie beleuchtete jetzt das Zimmer bis in den entferntesten Winkel. Mit einem einzigen Blicke hatte er die ganze Sachlage überschaut.
Felicitas wollte sprechen. Hans winkte mit der Hand.
„Reden Sie kein Wort", sagte er auf das kleine Mädchen deutend, „ich weiß genug. Es ist also wirklich, wie wir gedacht haben!"
Ein Blick der tiefsten Verachtung traf die Stiefmutter, die sich abgewendet hatte und völlig in sich zusammengefunken war. Sie ließ nur ein lautes Stöhnen und Aechzen hören.
„Mama stirbt! Mama stirbt!" jammerte Hermine dazwischen.
„Ich gehe, meinen Vater zu holen. So leid es mir thut, wir dürfen ihm das nicht ersparen!" raunte Hans der Erzieherin zu. Ehe er die geäußerte Absicht ausführen konnte, war der Kommerzienrat bereits zur Stelle. Er war nur notdürftig bekleidet, hatte einen Schlafrock übergeworfen und hielt ebenfalls eine Lampe in der Hand. Mit starren, entsetzten Blicken überschaute er die sich seinen Augen darbietende Szene, und seine bebenden Lippen murmelten:
„Was bedeutet dieser nächtliche Lärm? Was geht hier vor?"
Hermine eilte ihm entgegen, umklammerte sein Knie und bat: „Lieber Papa, sei nicht böse. Die Mama und Felicitas haben wieder einmal Geld aus Deinem Wandschrank geholt. Aber es schadet ja nicht, Du hast doch genug und kannst immer wieder was hineinlegen".
Der Kommerzienrat wußte nicht recht, wie er sich den Vorgang deuten sollte. Wer war hier die Diebin, wer hatte die Entdeckung gemacht? Welche Aufklärung ihm auch zuteil ward, sie war niederschmetternd.
Hans ließ ihn nicht darauf warten. An ihn herantretend und ihm die in seiner Hand schwankende Lampe abnehmend, sagte er mit verhaltener Stimme, doch so, daß es im ganzen Zimmer vernehmbar war:
„Armer, lieber Vater, die Eingriffe in Deinen Kaffenschrank sind gemacht worden — von Deiner Frau!"
Der Kommerzienrat stieß einen Schrei aus als habe ein totbringendes Geschoß ihn getroffen. Liebevoll legte der Sohn den Arm um ihn und wollte ihn stützen, aber schon richtete er sich zu seiner vollen Höhe auf und sagte zu seiner auf dem Teppich liegenden Gattin gewendet:
„Du bist es, die drei Mal hintereinander Geld aus meinem Geheimschrank entwendet hat?"
Sie rührte sich nicht. Mit strengerer Stimme wiederholte er seine Frage, und nun entrang sich ein wimmerndes „Ja" ihren Lippen.
„Du hast Dir heimlich Geld angeeignet!" rief er, die Hände ringend, „wo ich Dir doch so reichlich gab, wo es nur eines Wortes von Dir bedurft hätte, um mehr, viel mehr von mir zu bekommen. Ich könnte Dir diesen Vertrauensbruch, denn so muß ich Deine Handlungsweise bezeichnen, da es nach dem Gesetz zwischen Ehegatten einen Diebstahl nicht giebt, ich könnte, sage ich, ihn Dir verzeihen, Eugenie, daß Du aber Deine Schuld auf eine Schuldlose gewälzt hast, daß Du unser unschuldiges Kind mißbrauchen konntest, um mich zu täuschen — das — das — verzeihe Dir Gott — ich — ich — vermag es nicht!"
(Fortsetzung folgt.)
Gartenbetrachtungen im Oktober.
------- (Nachdruck verboten.)
Die Zeit des Abschiednehmens kommt heran. Ein wehmütiger Zug geht durch die Natur. Wohl stehen noch manche Beete da in farbenreicher Blumenfülle, an schönen Tagen von strahlender Herbstsonne durchleuchtet, aber — das Herz fühlt es — vielleicht schon morgen hat sich der Würgengel Frost unbarmherzig darüber geworfen, und fahle, tote Gebilde decken die Wahlstatt, die der Sieger beherrscht. Die Pflanzen können sich nicht wehren, wir aber können ihnen helfend zur Seite treten und uns selbst damit eine Freude bereiten. Lobelien, Winterlevkoyen, Goldlack, Verbenen, Vergißmeinnicht, Reseda rc., alle diese lassen sich, vorsichtig herausgenommen, ganz gut in Töpfe setzen, kommen darin vorwärts und bringen, in das sonnige Fenster gesetzt, vom Februar ab wieder einen anmutigen Flor. Man wähle aber eine nahrhafte Erde, der man 1/i Sand, gut durchmengt, zusetzt und nicht zu kleine Töpfe. Die Freude an dem Flor wird um so größer durch das Bewußtsein, als Retter und eigner Erwerber aufgetreten zu sein.
Der Oktober ist der Hauptmonat für die Pflanzung von Obstbäumen, Beerensträuchern, Rosen, Zierbäumen und sonstigen Gehölzen. Alle diese Gehölze bilden vor Eintritt des Winters noch junge Wurzelspitzen und wachsen weit sicherer als diejenigen der Frühjahrspflanzung an.
Will jemand in einem kleinem Garten gemischtes Obst haben, so sind drei Sorten für den Hausgarten sehr zu empfehlen, nämlich: Pflaume, Königin Viktoria, Frucht sehr groß, ca. 5l/2 cm lang, oval, hellviolett, mit feinen weißlichen Punkten, Fleisch goldgelb, herrlich duftend, saftreich, von angenehmem, süß weinigem Geschmack. Als ausgezeichnete Tafelfrucht von erster August- bis erster Septemberwoche zu verwenden. Der Baum wächst stark, bildet eine schöne Krone und trägt äußerst reich.
Apfel „Rtbston's Pepptng". Mittelgroße Frucht, wenn lagerreif (von Ende November sich bis zum Frühjahr haltend), fast goldgelb, aus der Sonenseite carmoisinrot mit zerstreuten Punkten, Fletsch fein gelblichweiß, fest, von eigentümlich gewürztem, weinartigem Reinettengeschmack, ausgezeichnete Tafelfrucht. Der Baum bildet schöne breite Kronen, und liefert selbst in ungünstigen Jahren und in rauher Lage immer Früchte. Liebt mäßig feuchten Boden.
Birne Winter-Nelis. Mittelgroße Frucht, grünlichgelbe Schale mit zimmetfarbigem Rost, Fleisch weiß, schmelzend, von angenehm süßem und sehr gewürzigem Geschmack, vorzügliche Tafelbirne, die man bis in den Dezember am Baume läßt und die sich auf dem Lager bis in den Februar hält. Der Baum trägt schon früh, gedeiht in jedem Boden und ist nicht empfindlich.
Im Gemüsegarten beginnt vor Eintritt strenger Kälte die Hauplernte der Wintergemüse und das Einlagern in Keller oder Gruben. Leere Beete werden gereinigt, gedüngt, gegraben, aber nicht geebnet. Erdbeerbeete und Spargelpflanzungen überzieht man mit kurzem Dung. Petersilie


